„Hab keine Angst, du bist nicht allein“

Die Ungewissheit über die nahe aber auch ferne Zukunft jagt vielen Menschen Angst ein

„Hab keine Angst, du bist nicht allein“
Hadas Parush/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Neuerlich saßen wir mit Freunden zu Tisch und freuten uns über alles oder fast alles, was uns die neue Realität in unserem Leben noch zugesteht. Die Ungewissheit über die nahe aber auch ferne Zukunft jagt vielen Menschen Angst ein, was sich in Gesprächen am Tisch zeigt. Zwischendurch spielte jemand per Spotify ein altes Lied von Ehud Banai, ein Song, den ich seit Jahren nicht mehr gehört habe. Hab keine Angst, du bist nicht allein“, heißt das Lied auf Hebräisch. „Auch wenn der Moment der Angst wiederkommt, so reiche ich dir meine Hand. Ich werde immer in deiner Nähe sein und wenn du zitterst werde ich dich fest umarmen.“


“Hab keine Angst –אל תפחד “ – Duet von Rotem Bar-Or & Daniela Spektor

Auf einmal herrschte Stille am Tisch, alle sieben von uns hörten den Worten zu. Worte, die uns Mut und Hoffnung verschafften. Und dies ist etwas, was wir alle ab und zu immer wieder brauchen. Besonders in dieser Zeit, in der viele Menschen im Land Angst vor der Zukunft haben. Eine Million Israelis sind arbeitslos. Menschen sind zu Rückzahlungen an Banken verpflichtet, haben aber kein Einkommen mehr oder nur ein geringes. Besonders junge Familien sind betroffen, die eine Hypothek aufgenommen haben. Beim Schreiner gehen kaum noch neue Bestellungen ein. Das Thema bestimmte den Ton am Tisch. Jeder kennt jemanden, der irgendwie betroffen ist. Wer ist eigentlich nicht betroffen? Wer immer du bist, so sind wir Menschen immer auf Trost, Ermutigung und Motivierung angewiesen.

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Angst kann uns ganz schön Angst einjagen. Es stimmt, die Zeit, in der wir alle leben, ist nicht leicht. Wir alle am Tisch arbeiten und jeder sieht in seinem Beruf seine Berufung im Leben, ob Schreiner, Computertechniker, Reiseführer, Coacher, Grafiker oder Chefredakteur. Aber jetzt bezweifeln einige ihre Berufung und dies ist im Schatten der weltweiten Pandemie auch zu verstehen. Unser Umfeld ändert sich und wir sehen die Not. Dafür hat jeder natürlich seine Ausrede, die in bestimmter Weise auch gerechtfertigt ist. Denn schließlich sind wir alle nur Menschen.

Das erinnert mich an die zahlreichen Menschen, die Gott dazu bewegen musste, ihre Angst zu überwinden. Angst ist ein Sensor, der in der menschlichen Natur integriert ist und auf unser Leben Acht nehmen soll. Mose hatte Angst, dem Pharao gegenüberzustehen und die Kinder Israels zu befreien. Gott versprach Mose, dass er nicht allein sein würde und er mit ihm sei. „Ich kann nicht reden und ich habe einen schwerfälligen Mund und eine schwere Zunge“, war Moses Ausrede im Angesicht der Angst. Der Prophet Jeremia hatte auch Angst und probierte sein Glück mit einer ähnlichen Ausrede. „Ach, HERR, ich kann nicht reden, denn ich bin noch zu jung.“

Wir haben uns mit den biblischen Figuren verglichen und diese waren genauso Menschen wie wir am Tisch. Jeder von uns hat seine Berufung im Leben von Gott bekommen.

Niemand bleibt allein – Freiwillige stellen Lebensmittelpakete für Bedürftige zusammen, die wegen Corona in Not geraten sind.

Auch Jeremia musste Gott motivieren und sagte ihm, dass er keine Angst zu haben braucht, denn er wird nicht allein sein. „Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten.“ Auch der Prophet Jesaja versuchte Gottes Berufung mittels Ausreden zu entkommen und sagte: „Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen.“ In seiner Vision untergeht Jesaja einer rituellen Reinigung. Glühende Kohle berühren seine Lippen. Er hört Gottes Stimme und sagt: „Hier bin ich, sende mich!“ Auch Jesaja hat verstanden, dass er nicht allein ist. Bei Jona ist es sogar noch dramatischer. Er hat Angst davor, in einer fremden Nation zu missionieren. Er reagiert nicht mit Ausreden, sondern läuft seiner Berufung im Leben einfach davon. Im Bauch des Fisches gibt er seine Angst zu. Gott redet zu ihm. Seine Angst verschwindet, denn in der Tiefe sieht er ein, dass er nicht allein ist, sondern Gott bei ihm steht.

„Glaube, auch wenn wir Sachen vermurkst haben, so können wir diese wieder gutmachen, ja, ja“, heißt eine andere Strophe im Lied. Das machte Jona und das ist auch für uns gültig. Wir alle haben oft genügend Gründe und Ausreden, unseren Ruf entweder aufzugeben, ihn abzusagen oder wegzurennen. Egal ob schwerfälliger Mund, zu jung, unreine Lippen oder die Angst, einer fremden Nation deinen Gott nahezubringen, so haben auch wir etliche Ausreden an diesem Abend auf den Tisch gelegt. Wie Unruhe, Seuche, Frustration und Unglaube. Aber dann erinnerte ich uns alle an das Lied: „Habt keine Angst, wir sind nicht allein. Auch wenn es jetzt Momente gibt, in denen die Angst wiederkommt, so reicht Gott uns seine Hand. Er wird immer in unserer Nähe sein und wenn wir zittern, wird er uns fest umarmen.“

 

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Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt. Im Laufe des Tages werden vereinzelte Regenschauer und Gewitter vom Norden bis zum nördlichen Negev erwartet. Gegen Abend wird der Regen noch stärker. Es besteht die Gefahr von Überschwemmungen an der Küste und Blitzfluten und den östlichen und südlichen Wadis. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 18 Grad, Tel Aviv 23 Grad, Haifa 20 Grad, Tiberias am See Genezareth 25 Grad, am Toten Meer 26 Grad, Beersheva 21 Grad, Eilat am Roten Meer 27 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei  – 209.985 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 118,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Kraniche am Hula-Tal-See im Norden Israels  

Die Redaktion von Israel Heute wünscht allen Lesern einen wunderbaren Tag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Jerusalem!

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