Guten Morgen Israel – Vom Jom Kippur in den Lockdown

Der Jom Kippur, diese totale Pause vom täglichen Alltag, hat uns wirklich gutgetan. Und der Lockdown? Der kann länger dauern, als zunächst gedacht.

Guten Morgen Israel – Vom Jom Kippur in den Lockdown
Miriam Alster/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Nun liegt er schon wieder hinter uns, der Jom Kippur. Ich muss sagen, dass er diesmal sehr schnell vergangen ist. Es sind zwar jedes Jahr 25 Stunden, an denen wir fasten, aber gestern ging alles irgendwie sehr schnell. Das Fasten hat mir keinerlei Schwierigkeiten bereitet, keine Kopfschmerzen und kein knurrender Magen gegen Ende des Tages. Plötzlich war es dunkel und ich saß zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter am Tisch, um das Fasten mit einem leichten Essen zu beenden.

Ja, diesmal waren wir erstmals nur zu dritt am Jom Kippur, denn unser jüngster Sohn musste das Wochenende und Kippur in der Basis verbringen. Vor Beginn des Fastens haben wir noch einmal per WhatsApp mit der ganzen Familie ein Videogespräch abgehalten, auch meine Schwester in England war dazugeschaltet. Die Technologie hilft wirklich sehr, Entfernungen zu überbrücken und auch Tage wie diese gut zu überstehen. Unseren ältesten Sohn hatten wir noch einen Tag vor dem neuen Jahr besucht, danach begann der landesweite Lockdown, der am Freitag noch verschärft wurde.

Den Jom Kippur haben wir mit vielen Gesprächen, Lesen und auch Gedanken genutzt, für die man im normalen Alltag wenig Zeit findet. Endlich hatten wir genug Zeit, über frühere Zeiten zu sprechen, uns an besondere Ereignisse zu erinnern und über viele interessante Themen zu sprechen. Das war wohl der Grund dafür, dass die Zeit so schnell verging. Unsere Tochter war richtig begeistert über diese Ruhe und das Zusammensein ohne den Fernseher und das Handy, das sonst kaum aus der Hand genommen wird. Wir erinnerten sie daran, dass man auch den Schabbat so gestalten kann, wie es auch die religiösen Juden machen. Das Handy und der Fernseher sind aus, man hat Zeit für die Familie. Der gestrige Tag hat uns wirklich sehr gutgetan.

Jom Kippur – Leere Straßen in Jerusalem

Gegen 19 Uhr war dann die Erwartung groß auf das Ende des Fastens. Plötzlich schätzt man die normalen Dinge des Alltags viel mehr. Die erste Tasse Kaffee war wunderbar, der Biss in die Pita mit Avokado und Gouda ein absoluter Traum. Dann rief unser Sohn aus seiner Basis an, er wollte sehen, was wir auf unserem Esstisch vorberietet hatten. Dabei zeigte ich ihm auch die selbstgemachte Pizza, von der wir ihm ein großes Stück aufbewahren werden. Erst, wenn man einmal nicht zu Hause sein kann, lernt man das zu Hause sein zu schätzen. Ich hoffe, dass unser Sohn bald wieder nachhause kommen kann.

Das ist leider wegen der momentanen Situation nicht sicher. Wegen des Lockdowns und der sehr hohen Infektionsrate mit dem Coronavirus wurde in der Armee beschlossen, in vielen Basen eine einmonatige Ausgangssperre zu verhängen. In anderen Basen soll in sogenannten Kapseln gearbeitet werden, damit die Soldaten mit weniger Menschen in Kontakt geraten.

Lockdown in Israel – Straßensperre vor Jerusalem

Heute ist der erste Arbeitstag seit Beginn des verschärften Lockdowns. Man darf sich nicht mehr als 1000 Meter vom Haus entfernen, es sei denn, man muss Lebensmittel, Drogerieartikel oder Medikamente kaufen, einen Arzt besuchen oder zur Bank und noch einige Ausnahmen. Zur Arbeit darf man nur fahren, wenn man an einem Arbeitsplatz arbeitet, der als wichtig gilt und daher vom Lockdown ausgenommen ist. Um die Einhaltung des Lockdowns zu garantieren, gibt es auf den Straßen viele Straßensperren der Polizei. Wer sich nicht an die Anweisungen hält, bekommt eine Geldstrafe. Leider gibt es immer wieder Menschen, die meinen, sich nicht an die Anweisungen halten zu müssen.

Hier bei uns in Modiin ist es heute früh relativ ruhig.


Video: Fast wie am Jom Kippur – Heute früh vor unserem Garten

Gerade wird in den Nachrichten erwähnt, dass der Lockdown wohl deutlich länger als zwei Wochen dauern wird, mindestens einen Monat. Na, ich bin neugierig, wie es weitergehen wird. Wie dem auch sei, wir bei Israel Heute arbeiten auch im Lockdown normal weiter, wie es auch während des ersten Lockdowns vor einem halben Jahr war. Und nun zum Wetter, es könnte jetzt gerne etwas “herbstlicher” werden. Pünktlich zum Laubhüttenfest, Sukkot, das am Freitagabend beginnen wird, könnte das tatsächlich passieren.

 

Das Wetter für heute in Israel

Heiter bis teilweise bedeckt mit einem leichten Rückgang der Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 32 Grad, Tel Aviv 32 Grad, Haifa 29 Grad, Tiberias am See Genezareth 39 Grad, am Toten Meer 38 Grad, Beersheva 35 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um anderthalb Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.74 m unter dem Meeresspiegel angegeben. Es fehlen 94 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Dienstag, bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Modiin!

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