Themen: Guten Morgen

Guten Morgen Israel – Nichts ist selbstverständlich

Die Bahnhöfe sind wieder offen und auch Konzerte können endlich wieder besucht werden

Guten Morgen Israel – Nichts ist selbstverständlich
Yonatan Sindel/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Viele Dinge, die für uns bis zum Beginn der Coronakrise selbstverständlich waren, lösen heute, drei Monate, nachdem fast alles zum Stillstand kam und wir uns zeitweise kaum noch aus dem Haus bewegen durften, sehr viele Emotionen aus, wenn ein Teil dieser selbstverständlichen Dinge wieder Teil unseres täglichen Lebens wird.

So war es, als die Geschäfte wieder öffnen durften oder als man zum ersten Mal wieder an den Strand gehen durfte. Eigentlich unfassbar, oder? Wir haben ganz andere Proportionen bekommen. Als ich vor einiger Zeit wieder unser Einkaufszentrum betrat, fühlte ich mich wie in einer neuen Welt.

Und warum schreibe ich jetzt schon wieder über dieses Thema? Weil es eben unseren Alltag absolut bestimmt und weil heute ein weiterer wichtiger Tag ist, an dem wir eine weitere Selbstverständlichkeit zurückbekommen habe, auf die wir drei Monate lang verzichten mussten. Es geht um die Eisenbahnen. Heute hat die israelische bahn wieder ihren Betrieb aufgenommen, unter strengen Auflagen, daher sind wir heute alle so gespannt, zu sehen, wie dieser erste Tag verlaufen wird.

Spontanität gibt es nicht mehr. Man nicht plötzlich entscheiden, mit dem Zug nach Tel Aviv zu fahren. Jede Fahrt muss vorher angemeldet werden. Das ist ab 48 Stunden vor der geplanten Abfahrt möglich. Pro Zug dürfen maximal 500 Fahrgäste mitfahren, normalerweise kann ein Zug bis zu 1000 Passagiere befördern. Aber wir leben nun mal in der Zeit des sozialen Abstands und man will wissen, wer wann und in welchem Zug gesessen hat, sollte es eine an Corona erkrankten Fahrgast in einem Zug geben. Klingt alles sehr kompliziert. Wir müssen uns daran gewöhnen. Auch muss während der gesamten Fahrt im Zug natürlich die Maske getragen werden, die Mund und Nase zu bedecken hat. Das Essen und Trinken ist im Zug absolut untersagt. 

Fahrgäste am Bahnhof “Savidor” in Tel Aviv, heute früh

 

Meine Tochter möchte am Mittwoch nach Tel Aviv, dort nimmt sie an einem Tag der offenen Tür ihrer Hochschule teil, wo sie ab Oktober studieren wird. Damit sie den Zug nehmen kann, müssen wir einen Voucher, einen Beleg, bestellen, der ihr das Betreten eines bestimmten Zuges erlaubt. Das macht man auf der Internetseite der israelischen Bahn. Ich werde es gleich versuchen und bin gespannt, ob es klappen wird. In den Nachrichten wurde berichtet, dass sich bis jetzt recht wenige Menschen für eine Fahrt im Zug registriert hätten. Sind es normalerweise um die 250000 am Tag, haben sich für heute bis jetzt nur 37000 Menschen für eine Fahrt angemeldet. Ich denke, dass viele einfach keine Lust haben, als Versuchskaninchen zu fungieren und erst einmal abwarten wollen, wie es heute laufen wird. 

Das Nachrichtenportal Ynet überträgt seit einiger Zeit live und zeigt dabei die uim Teil ünberraschenbd leeren Bahnhöfe. Es ist auf Hebräisch, aber man kann einen Eindruck bekommen.

 

Wer auch weiterhin nicht mit dem Zug fahren darf, sind die Soldaten. Ich finde das gut, denn sie werden weiterhin mit von der Armee organisierten Bussen nach Hause gefahren, darunter auch unser Sohn. Von mir aus kann das gerne so weitergehen.

Mich hat die Inbetriebnahme der Züge weniger emotionell berührt, denn gestern gab es eine kurze Meldung, die mich viel mehr berührte. Das Israelische Philharmonische Orchester gab gestern erstmals wieder ein Konzert. Natürlich ganz anders, als wir es gewohnt sind. Es stand nur ein Teil des Orchesters auf der Bühne und die Konzerthalle war nur zu einem Viertel mit Publikum gefüllt. Aber es ist ein Anfang. Die Musik und überhaupt die Kunst und Kultur sind eben Dinge, die wir auch brauchen, es ist Nahrung für unseren Geist. Sowohl für das Publikum, als auch für die Künstler. Meine Eltern waren beide Mitglieder eines Orchesters und ich weiß, wie wichtig es für sie war, auf der Bühne zu stehen und vor und für das Publikum zu spielen. Das ist etwas, ich muss es gestehen, auch mir sehr fehlt. Aber das ist eine andere Geschichte.

So gibt es heute einen weiteren Schritt zurück in die Normalität, die Selbstverständlichkeit. Aber nichts ist eben selbstverständlich, außer dem sommerlichen Wetter vielleicht. Bitte sehr:

 

Das Wetter für heute in Israel

Heiter bis wolkig mit einem leichten Rückgang der Temperaturen, außer am Toten Meer und in Eilat, wo heute 40 Grad und mehr erwartet werden. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 29 Grad, Tel Aviv 28 Grad, Haifa 29 Grad, Tiberias am See Genezareth 34 Grad, am Toten Meer 40 Grad, Beersheva 34 Grad, Eilat am Roten Meer 43 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.085 m unter dem Meeresspiegel, es fehlen 28ת5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Noch ein Wort um heutigen Titelbild: Es zeigt die Jaffa Straße in Jerusalem. Seit gestern wir das Tragen der Maske deutlich stärker kontrolliert, es laufen viel mehr Polizisten durch die Stadt. Corona-Alltag.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Montag. Bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Jerusalem!