Guten Morgen Israel – „Nach Hause Druck“

Für unsere Soldaten gibt es nicht wichtigeres, als am Wochenende so schnell wie möglich nach Hause zu kommen.

von Dov Eilon | | Themen: Guten Morgen
Foto: Miriam Alster/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Eine weitere Woche neigt sich ihrem Ende entgegen, das Wochenende und der Schabbat sind fast schon wieder da. Wer dem Wochenende in dieser Zeit besonders entgegenfiebert, ist unser jüngster Sohn, der die Woche in der Basis verbringt. Jeder Tag, der vergeht, bringt ihn dem ersehnten Wochenende etwas näher. Ich habe in dieser Zeit einen neuen hebräischen Begriff gelernt, „Lachaz Bait“, übersetzt heißt das sinngemäß „nach Hause Druck“, d. h. es gibt nichts Wichtigeres für die Soldaten, als endlich wieder nach Hause zu kommen und das so schnell wie möglich. Dieser „nach Hause Druck“ hat oft dazu geführt, dass ich mich spontan in das Auto setzten musste, um meinen Sohn von Jerusalem abzuholen, um ihm damit den Weg und die Zeit, bis er endlich wieder in seinem Zimmer sein kann, zu verkürzen. Das hatte ich auch schon bei unserer Tochter erlebt, je mehr sie sich dem Ende ihres Armeedienstes näherte, desto öfter konnte ich mal eben schnell zu ihrer Basis fahren, um sie abzuholen.

Leider hat die Armee ihre Fahrdienste für die Soldaten eingestellt, da man dort vielleicht meint, die Corona-Krise sei beendet. Für mich nach wie vor eine unverständliche Entscheidung, den Corona ist noch da und das stärker als je zuvor. Ja, heute wurde bei uns schon wieder ein neuer Rekord in der Zahl der Neuinfizierungen an einem Tag gebrochen. Gestern haben wir die 3000 – Marke durchbrochen, bei 3074 Menschen wurde gestern das Corona-Virus festgestellt! Und nun?

Unsere Regierung, die sich auch als Corona-Regierung bezeichnete, da sie sich angeblich nur mit dem Kampf gegen das Corona-Virus befassen sollte, scheint ihren Weg verloren zu haben. Neue Wahlen wurden durch ein neues Gesetz vermieden, aber der Streit zwischen Netanjahu und Gantz scheint so stark zu sein, dass sie einfach nicht in der Lage sind, an einem Tisch zu sitzen. Seit mehr als vier Wochen hat es keine Regierungssitzung mehr gegeben. Allerdings gibt es ja noch das sogenannte Corona-Kabinett, das sich ein oder zweimal in der Woche trifft, um darüber zu beraten, wie es weitergehen soll. Und dann haben wir ja auch unseren „Corona-Befehlshaber“, von dem man sich viel versprochen hatte. Aber auch er ist kein Zauberer. Er bemüht sich sehr, auch wurde sein sogenanntes ‚Ampelsystem‘ vom „Corona-Kabinett“ genehmigt. Städte und Gemeinden werden je nach Infizierungsrate in Farben geordnet. Orte, in denen die Rate besonders hoch liegt, werden als rote Stadt bezeichnet und Orte, wo sich nur sehr wenige mit dem Virus infizieren, sind „grüne“ Städte. Dazwischen gibt es dann noch orange und gelb, also keine normale Ampel. Aber es reicht leider nicht, ein Programm zu beschließen, man muss ihn danach aus ausführen und genau da liegt der Haken. So sollten die Schulen in den „roten“ Orten nicht geöffnet werden, doch einige Bürgermeister haben die Schulen auf eigene Faust geöffnet. So werden wir es nicht schaffen. Man kann die Schritte, die unternommen werden sollen, nicht von ihren politischen Auswirkungen abhängig machen, doch genau das wird hier immer wieder gemacht.

In etwa zwei Wochen feiern wir das neue jüdische Jahr. Wenn es so weitergeht wie jetzt, kann es gut sein, dass wir am Abend des neuen Jahres wieder alleine am Festtagstisch sitzen können. Darüber soll in der kommenden Woche entschieden werden, oder auch nicht.

Da meine Stadt Modiin als grüne Stadt gilt, sind die Einschränkungen jetzt deutlich gelockert worden, sogar Veranstaltungen unter freien Himmel sind nun gestattet. Die Stadt reagierte schnell und organisierte für gestern Abend ein Open-Air-Konzert in unserem beliebten „Anabe Park“. 650 glückliche Zuschauer konnten am Konzert des israelischen Sängers Mosh ben Ari teilnehmen. Allerdings schreiben die Corona-Bestimmungen vor; dass man auf den Stühlen sitzenbleiben muss; Aufstehen und Tanzen ist nicht gestattet. Für alle anderen wurde die Veranstaltung auf Facebook übertragen. Hier ein ein kurzer Ausschnitt vom gestrigen Abend:

Jetzt hat mich gerade mein jüngster Sohn angerufen, sein Befehlshaber hat ihn früher als normal ins Wochenende entlassen, er scheint dem starken „nach Hause Druck“ meines Sohnes nachgegeben zu haben, nett von ihm. Bleibt nur zu hoffen, dass der Bus nicht zu voll sein wird, den noch immer ist die Zahl der erlaubten Fahrgäste beschränkt. Und nun zum Wetter. Es wird immer heißer:

Das Wetter für heute in Israel

Ein sehr heißer Tag steht uns bevor, besonders im Landesinneren und in den Bergen. An der Küste wird es unangenehm schwül. Der Sommer zeigt, dass er noch da ist. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 39 Grad, Tel Aviv 32 Grad, Haifa 33 Grad, Tiberias am See Genezareth 46 Grad, am Toten Meer 44 Grad, Beersheva 39 Grad, Eilat am Roten Meer 43 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gesunken und  liegt jetzt bei – 209.535 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 73,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Der Sommer ist noch da, Tel Aviv

Dank unserer hervorragenden Klimaanlage werde ich versuchen, diese Hitze so gut wie möglich zu ignorieren. Im Namen aller meiner Kollegen von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Donnerstag und schon jetzt eun angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat. Morgen früh wird Sie mein Kollege Michael Selutin begrüßen. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

 

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