Guten Morgen Israel – Lockdown, wirklich?

Das neue Jahr beginnt während eines neuen Lockdowns im Land. Aber nicht jeder hält sich daran oder ist jetzt besonders sportlich oder geht demonstrieren.

Guten Morgen Israel – Lockdown, wirklich?
Yonatan Sindel/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Ich begrüße Sie zum neuen Jahr 5781! Nachdem das vergangene Jahr nicht unbedingt das beste Jahr gewesen ist, hoffen, dass das neue Jahr ein besseres Jahr werden wird, oder zumindest ein normales Jahr Ja, ich denke, damit würde ich mich zufriedengeben, mit einem ganz normalen Jahr, oder vielleicht auch nur etwas normaler als das letzte Jahr.

Den Beginn des neuen Jahres mussten wir wegen Corona in der engsten Familie feiern, nur wer zusammen in einer Wohnung wohnt, durfte zusammen das neue Jahr begrüßen, was bedeutete, dass unser ältester Sohn in Tel Aviv bleiben musste. Aber es gibt für jedes Problem eine Lösung. Wir sind einfach am Donnerstag, einen Tag vor Beginn des neuen Lockdowns, zu unserem Sohn nach Tel Aviv gefahren, um mit der ganzen Familie statt das Neujahr einfach das Ende des Jahres zu feiern. Ach was, wir haben das Neue Jahr eben schon einen Tag vorher gefeiert, so eine Art Vorfreude eben. Auf unserem Weg von Modiin nach Tel Aviv verstanden wir, dass wir nicht alleine waren. Das ganze Volk Israel schien auf den Straßen zu sein, es gab sehr lange Verkehrsstaus. Wie auch unser Chefredakteur Aviel haben eben auch sehr viele andere Familien das gemeinsame Festessen zum neuen Jahr einfach einen Tag vorverlegt. Das war vielleicht nicht unbedingt im Sinne derer, die den neuen Lockdown angeordnet haben, aber schon irgendwie logisch. Warum sollte man auf das Zusammensein zu den Feiertagen, auf das man lange gewartet hatte, verzichten. Das gehört einfach zu unseren Feiertagen, man möchte sie zusammen feiern, wie es auch Anat beschrieben hatte.

Es war ein schöner Tag in Tel Aviv. Wir sind noch einmal auf der Dizengoff-Straße spazieren gegangen, um genug Energien für die Zeit des Lockdowns zu tanken. Das neue Jahr haben wir dann am Wochenende bei uns zu Hause begrüßt. Wir haben nach Beginn des Lockdowns kaum einen Unterschied zu normalen ´Tagen verspürt. Vor dem Haus liefen wie immer die Jogger herum und auch die Fahrradfahrer haben nicht auf ihre Wochenendfahrten verzichtet. Überhaupt sah es so aus, als ob die Bürger Modiins seit Beginn des Lockdowns besonders sportlich geworden sind. Warum? Weil Regeln bestehen, um umgangen zu werden. Wer sich sportlich betätigt, darf sich weiter als die angeordneten 1000 Meter vom Haus entfernen. Und wer in der Nähe des Strandes wohnt, darf auch an den Strand und im Meer baden, solange es sich um Sport handelt.

 

Der Sport ermöglicht auch das Baden im Meer, trotz Lockdown

Und wer nicht so nahe am Strand wohnte und trotzdem auf den Strandbesuch nicht verzichten wollte, meldete sich einfach zu einer Demonstration am Strand an, denn das Recht zu demonstrieren bleibt auch während des Lockdowns bestehen.

Eine Demonstration kann sehr praktisch sein. Israelis genießen den Strand von Tel Aviv, gestern.

 

Das Recht zur Demonstration nutzen auch viele orthodoxe Juden aus, die die Feiertage gegen den Anordnungen bei ihren Familien verbracht hatten und gestern Abend wieder nach Huase mussten. So wurden in vielen Stadtteilen Jerusalems einfach Demonstrationen angemeldet, damit jeder wieder ungestraft nach Hause in seinen Stadtteil fahren konnte. So eine Demonstration kann wirklich praktisch sein.

Aber auch sonst ginbt es natürlich immer wieder Menschen, die versuchen, die Anordnungen zu umgehen. So gab es eine ganze Zahl amüsanter Meldungen in den Nachrichten, wie z. B. über eine Familie, die von den Polizisten an einem der Checkpoints aufgehalten wurde. Die Mutter war am 7. Monat schwanger und erzählte, dass sie auf dem Weg in das Krankenhaus seien. Dummerweise fragte ausgerechnet dann das kleine Kind der Familie, wann man den endlich den Park erreichen würde. Ups. Auch wurden laut der Polizei mehrere Familien wieder zurück nach Hause geschickt, die den Polizisten eben nicht davon überzeugen konnten, dass sie alle zusammen auf dem Weg zur Arbeit seien. 

Und heute früh werden überall schere Verkehrsstaus gemeldet, denn im privaten Sektor wird normal gearbeitet, um die Wirtschaft nicht völlig kaputtzumachen. An den Checkpoints soll stichprobenweise kontrolliert werden, dass die Fahrer wirklich auf dem Weg zu Arbeit zu einem Arzt sind oder aus irgendeinen anderen erlaubten Grund.

Ich denke, dass das alles ziemlich kompliziert ist. Und da die Zahlen der Neuinfizierungen immer weiter nach oben gehen, soll der Lockdown bald deutlich strenger werden. Man wird wahrscheinlich auch die private Arbeit sehr stark einschränken.

Wir bei Israel Heute haben das Glück, dass wir ohne Probleme von zu Hause aus arbeiten können und Ihnen so weiterhin vom Geschehen in Israel berichten können. Leider haben andere dieses Privileg nicht und werden wieder einmal in den unbezahlten Urlaub geschickt oder müssen ihre Geschäfte schließen. Nicht jeder hält sich daran, aber darüber erzähle ich Ihnen ein anderes Mal. Jetzt erst einmal das Wetter. Der Sommer geht zu Ende, wirklich?

 

Das Wetter für heute in Israel

Das neue Jahr zeigt sich meist sonnig mit einem leichten Rückgang in den Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 31 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 29 Grad, Tiberias am See Genezareth 36 Grad, am Toten Meer 37 Grad, Beersheva 34 Grad, Eilat am Roten Meer 38 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist während der Feiertage um 3 Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.67 m unter dem Meeresspiegel angegeben. Es fehlen 87  Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Auch das Fahrrad befreite die Menschen von der 1000 Meter Begrenzung. Gestern im Yarkon Park von Tel Aviv.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen noch einmal ein gutes neues Jahr und einen wunderbaren Montag, bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Modiin!

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