Themen: Guten Morgen

Guten Morgen Israel – Es geht zurück

Neue Einschränkungen im Kampf gegen Corona haben uns zurück auf den Teppich geholt

Guten Morgen Israel – Es geht zurück
Yonatan Sindel/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Erinnern Sie sich noch an die optimistischen Meldungen, wonach Israel eines der erfolgreichsten Länder im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus gewesen sei? Davon ist heute nichts mehr übriggeblieben, ganz im Gegenteil. Die mit Begeisterung angekündigte Rückkehr in den Alltag ging viel zu schnell. So geht es nun wieder zurück zu den Einschränkungen, die jeder von uns spüren wird.

Gestern Abend wurde eine ganze Reihe von Maßnahmen veröffentlicht, die verhindern sollen, dass sich das Coronavirus weiter ausbreitet. Gab es im Mai Tage mit gerade mal 6 oder 12 Neuerkrankungen, werden in diesen Tagen um die 1000 neue Fälle pro Tag gezählt. Daher wurde gestern die Handbremse gezogen. Ob das helfen wird? Keine Ahnung. Leider fehlt bei vielen Entscheidungen die Logik.

So sollen wir ab morgen in den Bussen mit offenen Fenstern und ohne Klimaanlage fahren, die Zahl der Fahrgäste wurde auf 20 reduziert. Wie Sie von unseren Wetterberichten wissen, haben wir in diesen Tagen immer so um die 30 Grad, meistens liegen die Temperaturen noch höher. Juli, August sind die heißesten Monate in Israel. Und nun sollen wir ohne Klimaanlage fahren? Auch die Beschränkung auf 20 Fahrgäste pro Bus ist gesundheitlich gesehen vielleicht nachvollziehbar, aber das wird dazu führen, das sehr viele Menschen keinen Platz im Bus haben werden und nicht zu ihrem Ziel gelangen werden. Busfahrer und Fahrgäste protestieren, es sei unmöglich in der Hitze ohne Klimaanlage zu fahren, auch könnte man in vielen Bussen die Fenster gar nicht öffnen. Ich bin gespannt, wie die Lage morgen sein wird. Ich erinnere mich an einen Tag, wo 4 Busse an meinem Sohn vorbeifuhren, ohne zu halten, da schon 20 Menschen im Bus saßen. Werde ich es schaffen, morgen problemlos in die Redaktion zu kommen?

Auch mit Sport im Fitness-Center und Schwimmen im Schwimmbad ist ab heute wieder Schluss. Und heiraten wird man ab morgen auch nicht mehr können, die Festhallen sollen wieder geschlossen werden, nachdem sie gerade erst wieder geöffnet hatten. In Restaurants dürfen ab heute nur noch 20 Gäste sitzen, draußen dann weitere 30. Die Einkaufszentren dürfen allerdings weiter geöffnet sein. Dort ist es viel voller, aber gut. Man muss halt irgendwo anfangen, irgendetwas tun, oder? Ach ja, wer ohne Maske erwischt wird, darf nun statt 200 Schekel 500 Schekel Strafe zahlen.

Corona-Alltag in Jerusalem. Maske ist Pflicht.

Ich verstehe die Sorge der Regierung, man will dieses Virus endlich loswerden. Doch niemand weiß eigentlich, was der richtige Weg ist. Unsere Rückkehr in den Alltag war übereilt, man hatte keine Geduld mehr. Innerhalb einer Woche war fast alles wieder wie vor Corona, wir spielten uns vor, Corona hinter uns zu haben.

Übrigens werden auch die Theater wieder geschlossen, sie waren nur ein paar Tage geöffnet. Und die Kinos? Die werden natürlich auch weiter geschlossen bleiben, wie eben alles, was mit Kultur zu tun hat. In Synagogen dürfen maximal 19 Menschen zusammen beten, was auch für Kirchen und Moscheen gilt.

Vielleicht schaffen wir mit diesen Einschränkungen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, was viele Menschen vor der Krankheit bewahren wird, doch andere Menschen werden durch die wirtschaftlichen Folgen dieser Maßnahmen kaputtgemacht, in den Ruin getrieben. Das kann nur verhindert werden, wenn sich unsere Regierung auch dieser Herausforderung stellen wird. Der Wille ist ja da, da bin ich mir ganz sicher, doch die Realität sieht leider oft anders aus.

Israelis protestieren wegen ihrer finanziellen Situation und der fehlenden finanziellen Unterstützung der Regierung, Tel Aviv

 

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Leicht bewölkt bis heiter ohne Veränderungen der Temperaturen: Es ist eben Sommer. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 30 Grad, Tel Aviv 28 Grad, Haifa 27 Grad, Tiberias am See Genezareth 35 Grad, am Toten Meer 37 Grad, Beersheva 35 Grad, Eilat am Roten Meer 40 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.18 m unter dem Meeresspiegel, es fehlen 38 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Trotz dieser nicht allzu optimistischen Situation hier bei uns wünsche ich Ihnen im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute einen angenehmen Dienstag. Bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Jerusalem!