Themen: Guten Morgen

Guten Morgen Israel – Die Richtung verloren

Ein leerer Strand und volle Busse zeigen, dass wir nicht mehr wissen, wo es lang gehen soll

Guten Morgen Israel – Die Richtung verloren
Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Der Sommer ist da. Die Ober- und Mittelstufe haben schon seit dem 20. Juni Sommerferien, die Grundschulen und Kindergärten werden morgen ihren letzten Schultag haben. Bei uns zu Hause haben wir keine schulpflichtigen Kinder mehr, sodass wir eigentlich kaum einen Unterschied spüren zwischen Alltag und Sommerferien. In der letzten Woche sind wir einfach mal kurz an den Strand gefahren, um dort etwas Strand- und Sommeratmosphäre zu erleben.

Einer unserer Lieblingsstrände ist der Strand in der Stadt Bat Yam (übersetzt: die Tochter des Meeres), südlich von Tel Aviv und Jaffo. Ich mag den Strand dort nicht nur, weil ich dort vor fast 27 Jahren geheiratet habe ;), sondern vor allem, weil es dort nicht so überlaufen ist. Die Strände sind weiter und etwas natürlicher als in Tel Aviv.

In einer normalen Zeit würde ich sagen, dass es in Bat Yam kaum Touristen gibt, denn die haben die „Tochter des Meeres“ noch nicht entdeckt, aber in diesem Sommer gibt es ja nirgendwo Touristen. Und trotzdem finde ich es am Strand von Bat Yam viel angenehmer. Auch das Parken ist dort, auch jetzt, viel einfacher.

Der Strand in Bat Yam am späten Nachmittag

Da das Coronavirus jetzt die zweite Runde zu beginnen scheint, war es schon etwas leerer als in einem normalen Sommer. Denn Bat Yam war unter den Städten, in denen die Zahl der Infizierten besonders stark angestiegen ist. Unser Tag am Strand war dann der vorerst letzte Tag, an dem man an den Strand gehen durfte, in Bat Yam. Es war der Bürgermeister, der diesen Schritt eingeleitet hatte. Damit wolle man eine weitere Ausbreitung des Virus in der Stadt vermeiden, erklärte er im Fernsehen. Und nun darf der Strand zwischen 10 und 17 Uhr nicht betreten werden.

Strandbesucher werden weggeschickt

Eigentlich eine etwas merkwürdige Entscheidung. Denn man sagt doch, dass freie Plätze und die frische Luft vor einer Infizierung schützen. Denn in die Supermärkte darf man weiter gehen und es scheint auch kein Problem zu sein, sich in einen vollen Bus zwischen Menschen mit den Masken am Kinn zu quetschen.

Und was besonders witzig ist, ist die Tatsache, dass der Strand von Bat Yam nahtlos in den Strand der Nachbarstadt Rischon LeZion übergeht. Wer von den Menschen in Bat Yam also absolut nicht auf ein Bad im Meer verzichten wollte, musste nur ein paar Meter weiter südlich gehen, wo alles normal war. Das folgende Video zeigt ein etwas absurdes Bild:


Ohne Worte

Ich denke, dass unsere neue Regierung etwas die Richtung verloren hat, zumindest wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Coronavirus geht. Jeder sagt etwas anderes, alle haben Angst, Entscheidungen zu treffen, schließlich möchte man die Menschen, die Wähler, nicht verärgern. Ich kann ja verstehen, dass man die Geschäfte nicht mehr schließen kann. Die wirtschaftliche Lage ist für viele Menschen hier katastrophal. Und daher traut sich niemand mehr, Entscheidungen zu fällen. Jeder ist nun für sich selbst verantwortlich. Heute Nachmittag möchte sich das „Corona-Kabinett“ auf einige Einschränkungen einigen. Gestern hatte das nicht geklappt. Auch, wenn das Gesundheitsministerium davor warnte, noch länger mit der Entscheidung zu Maßnahmen zu warten.

Und weil sich die Situation hier bei uns in diesem Monat so sehr verschlechtert hat, hat Europa nun die Grenzen für Israelis dicht gemacht und nicht in die Wiederaufnahme des Flugverkehrs einbezogen. Auch mit den versprochenen Flügen nach Griechenland oder Zypern ab dem 1. August wird es wohl nichts werden. Waren wir am Anfang der Krise ein Vorbild für die Welt im Umgang mit Corona, sind wir heute leider eher ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Vielleicht sind wir einfach etwas zu schnell in den Alltag zurückgerannt.

Aber eigentlich weiß ja keiner, wie man es richtig machen soll. Wir sitzen alle im selben Boot. Die erhoffte Rückkehr in den Alltag gibt es eben nicht. Wir müssen jetzt erst einmal mit diesem besonderen Alltag weitermachen. Ich persönlich gewöhne mich immer mehr daran, wir haben keine andere Wahl.

Doch auf eines kann man sich hier in Israel verlassen, das Wetter. Bitte sehr:

 

Das Wetter für heute in Israel

Meistens sonnig mit einem leichten Rückgang der Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 28 Grad, Tel Aviv 28 Grad, Haifa 26 Grad, Tiberias am See Genezareth 35 Grad, am Toten Meer 37 Grad, Beersheva 34 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben  Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.12 m unter dem Meeresspiegel, es fehlen 32 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Wir werden das Beste aus diesem Sommer machen. Und auch wenn Sie, liebe Leser, uns und das Land nicht besuchen können, werden wir uns darum bemühen, Ihnen so viel wie möglich von unserem Land zu Ihnen nach Hause zu bringen. So können Sie am Mittwoch meinen Kollegen Michael Selutin besuchen, der Ihnen von seinem besonderen Weg nach Israel und seinem Glauben erzählen wird. Mehr darüber gibt es hier.

Sommerwetter in Bat Yam

Im Namen aller meiner Kollegen von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Montag und einen guten Start in die Arbeitswoche. Bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Jerusalem!