Entschuldigung, aber der Alltag geht weiter

Trotz der humanitären Krise und dem Krieg in der Ukraine haben wir hier in Israel leider auch ganz normale Probleme, mit denen wir fertig werden müssen.

| Themen: Guten Morgen
Alltag in Jerusalem, das Leben muss weitergehen Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Guten Morgen, liebe Leser!

Seit Beginn der Katastrophe in der Ukraine ist es mir fast unangenehm über andere, ganz normale Dinge des Alltags zu schreiben. Aber was kann ich machen? Es gibt eben auch das normale Leben hier bei uns. Seit fast zwei Wochen werden wir mit den schrecklichen Bildern aus der Ukraine geradezu überflutet. Wir hören von der größten Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Bilder von den ukrainischen Flüchtlingen, die vor weniger als zwei Wochen noch ihr normales Alltagsleben führten und heute mit ein paar Koffern in der Kälte darauf warten von einem benachbarten Land aufgenommen zu werden und erst einmal ein Bett zu bekommen, sind erschütternd. Und jeden Tag gibt es mehr Bilder vom Leid der Ukrainer zu sehen. Und dennoch habe ich bemerkt, dass ich mich irgendwie daran gewöhnt habe, so schlimm und unmöglich das auch klingen mag.

Täglich erreichen uns Bilder von ukrainischen Flüchtlingen und dem Krieg, haben wir uns daran gewöhnt? Bild: Nati Shohat/Flash90 

Hier in Israel haben wir viele Krisen und Kriege hinter uns. Darunter etliche Raketenangriffe aus Gaza, viele Terrorwellen, wie die zweite Intifada zwischen 2001 und 2005, den zweiten Libanonkrieg 2006 und den Golfkrieg im Jahr 1991, um nur einige Beispiele zu nennen. Irgendwie haben wir es immer geschafft, trotz allem unser normales Leben weiterzuführen. Terror und andere Krisen sind leider Teil unseres täglichen Lebens hier im Land, wir haben gelernt, damit zu leben.

Das soll jetzt keine Entschuldigung dafür sein, dass wir hier in Israel mit unserem Alltagstrott weitermachen, aber vielleicht können wir besser mit Krisen und Katastrophen umgehen. Haben wir eine andere Wahl? Schließlich muss das Leben ja irgendwie weitergehen. Unsere Tochter ist mit ihrem Studium vollkommen ausgelastet, unser jüngster Sohn zählt die Tage bis zum Ende seines Armeedienstes und unser Ältester versucht gerade, sich an das Leben in der neuen Wohnung zu gewöhnen.

Natürlich bin ich sehr besorgt über die momentane Situation in der Ukraine. Ich habe keine Ahnung, wie diese Krise beendet werden könnte. Und trotzdem ertappe ich mich dabei, mich an die tägliche Berichterstattung und die Bilder aus der Ukraine gewöhnt zu haben, wir haben  ja auch noch unsere eigenen Probleme hier im Land. Vorgestern wurde die Einfahrt nach Jerusalem wieder einmal durch einen Protest einer orthodoxen jüdischen Gruppe blockiert.

Vorgestern demonstrierten orthodoxe Juden wieder einmal gegen die Verhaftung eines ihrer Jugendlichen, der sich weigerte, sich beim Rekrutierungsbüro der Armee zu melden. Bild: Yonatan Sindel/Flash90

Und auch der arabische Terror gegen Israelis lässt sich von den Ereignissen in der Welt nicht beeinflussen. Gestern gab es erneut eine Messerattacke gegen israelische Grenzschutzpolizisten in der Jerusalemer Altstadt, die zweite innerhalb von 24 Stunden. Die Welt hat momentan keine Zeit, sich mit der Palästinenserfrage zu befassen, was vielleicht der Grund für die wieder aufflammenden Terrorattacken gegen Israel sein könnte. Zum Glück haben die Polizisten die Attacke überlebt und wurden „nur“ mittelschwer verletzt.

Palästinensische Araber im südlichen Gazastreifen fordern eine Verurteilung Israels und Sanktionen wie die gegen Russland. Bild: Abed Rahim Khatib/Flash90

Sie sehen, auch bei uns mangelt es nicht an Problemen. Und ich habe jetzt noch nicht einmal über unsere ganz „normalen“ Alltagsprobleme erzählt. Es gibt so viele, hohe Preise, Wohnungsmangel, Ungleichheit bei den Gehältern von Frauen im Vergleich zu den Männern (ein Problem, das heute zum internationalen Tag der Frau wieder angesprochen wurde), unendlich lange Verkehrsstaus und schlechte öffentliche Verkehrsmittel und noch vieles mehr. Ich habe noch nicht einmal Corona erwähnt, wir hören bei uns kaum noch etwas darüber.

Im Vergleich zu dem Leid in der Ukraine sind das natürlich kleine Probleme, mit denen wir uns hier aber dennoch rumschlagen müssen. Und jetzt noch ein angenehmes Thema, das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teils heiter bis bedeckt und etwas wärmer als gestern. Gegen Abend kann es zu vereinzelten Regenschauern kommen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 15 Grad, Tel Aviv 18 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 19 Grad, am Toten Meer 23 Grad, Beersheva 23 Grad, Eilat am Roten Meer 24 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist weiter angestiegen und liegt jetzt bei -209.63 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 83 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen trotz allem einen angenehmen Dienstag. Machen Sie es gut!

 

Schalom aus Modiin!

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