Ein verrückter Monat

von Michael Selutin

Der September war ein einziger großer Feiertag

| Themen: Guten Morgen
Jerusalem während der Feiertage Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Die hohen Feiertage liegen hinter uns und das normale Leben kann wieder beginnen. Ich muss zugeben, dass ich total ausgelaugt bin vom vielen Feiern, denn in diesem Jahr lagen die Feiertage immer in der Mitte der Woche. Es war also ein ewiges Wechselspiel zwischen Feiertag und Schabbat und natürlich dem Tag vorher, an dem alles vorbereitet wird.

Es gab also den Freitag vor dem Schabbat, an dem gekocht und geputzt wird, dann der Vorbereitungstag für den Feiertag, an dem gekocht und geputzt wird und natürlich die heiligen Tage selbst, an denen man viel betet, sich aktiv ausruht und die Kinder unterhalten muss. Wenn ich in Deutschland leben und arbeiten würde, hätte ich gleich den gesamten September Urlaub nehmen müssen.

Anstrengend bedeutet nicht, dass es schlecht war, aber ich könnte jetzt wirklich einen echten Urlaub gebrauchen, bei dem ich in einem All-inclusive-Hotel am Strand liegen könnte, wo meine einzige Sorge wäre, keinen Sonnenbrand zu bekommen.

Besonders der letzte Feiertag, Simchat Thora war ein passender Abschluss für die lange Feiertagssaison. An diesem Tag freuen wir uns über unsere Thora und während des Gebets tanzen wir mit der Thorarolle und singen Lieder. In meiner Synagoge begann das Gebet um 9 Uhr und nach etwa einer Stunde haben wir in der Mitte des Gebets eine Pause eingelegt und uns etwas gestärkt. Es gab Hering, Borekas, Rugolach, Kugel und am wichtigsten, Whiskey und Vodka.

Wundern Sie sich nicht, dass wir um 10 Uhr morgens schon Whiskey und Vodka trinken, man muss BeSimcha (voller Freude) sein und jede Hilfe ist willkommen. Während wir in unseren Gebetsmänteln dasaßen, aßen und tranken, konnte man sich die Ehre ersteigern, mit der Thora zu tanzen. Einer der Gemeindemitglieder stand mit seinem Whiskeyglas vor der Gemeinde und hielt eine Auktion ab.

„Erste Runde Thora-Tanzen. 250 Schekel, zum ersten, zum zweiten… Ah da bietet jemand 300! 300 Schekel für die erste Runde zum ersten, zum zweiten, zum dritten! Verkauft an den Herrn im schwarzen Anzug und Gebetsmantel.“

„Zweite Runde Thora-Tanzen! Wer bietet 200 Schekel?“

So ging es für alle sieben Runden und es dauerte eine Stunde, bis alle verkauft wurden. Auf diese Weise finanziert sich die Synagoge übrigens teilweise für das gesamte Jahr. Bei den reichen Juden in Amerika sollen unglaubliche Summen bei diesen Auktionen zusammenkommen, aber bei den meisten Synagogen in Israel reicht es gerade, um die Klimaanlage im Sommer zu bezahlen.

Orthodoxe Juden tanzen mit Torarollen beim Simchat-Tora-Fest.

Als nun alle Runden verkauft waren, nahm der erste Käufer eine Thorarolle aus dem Schrank, sprach einen Segen und die Party ging los. Mit der Thora umkreiste er den Tisch in der Mitte des Raumes, während alle anderen die Rolle küssten (auf diese Weise immunisieren wir uns gegen Corona und andere Viren) und laut sangen. Wer noch nicht genug hatte, konnte eine Auszeit nehmen und sich noch einen Schluck Whiskey oder Vodka genehmigen und sich dann wieder einreihen.

Natürlich sollen auch unsere Kinder lernen die Thora zu lieben und sie tanzen ebenfalls mit, küssen die Thora und haben großen Spaß. Vor allem, weil es Brauch ist, Süßigkeiten in den Raum zu werfen, sodass sich die Kinder auf den Boden werfen und sie schnell einsammeln. Die schlaueste Ehefrau von allen hatte unseren drei Mädchen eine Einkaufstüte mitgeben, in die sie ihre Süßigkeiten einsammeln konnten. Auf diese Weise stopften sie sich nicht damit voll und später konnte man ihnen die vielen Süßigkeiten kontrolliert als Nachtisch oder Belohnung verabreichen. Immer wieder kamen sie stolz zu mir und zeigten mir, wie voll ihre Einkaufstüte bereits war.

Nach den sieben Runden, die etwa zwei Stunden dauerten, ging das Gebet weiter, es wurde wieder etwas ernster, jedoch nicht zu ernst, denn die Stimmung war voller Simcha und der Vorbeter ließ seinen musikalischen Künsten freien Lauf. Aus der Menge der Beter kam zu seiner Unterstützung immer wieder ein lautes „ai ai ai“ oder „oi oi oi“.

Es war ein wirklich freudiges Gebet, aber nach sechs Stunden war ich total erschöpft. Es stand noch das Festmahl an, aber mein Rausch ließ schon nach und ich stopfte die Fleischbällchen schnell in mich rein, um meinen wohlverdienten Mittagsschlaf anzutreten. Auch die Kinder hatten kein großes Interesse an Fleischbällchen, denn jeder durfte sich zum Nachtisch vier Süßigkeiten aus der vollgestopften Einkaufstüte aussuchen.

Das beschäftigte die Kinder eine Weile, während ich zwei Stunden wie ein Stein schlief. Dann war der Feiertag auch schon fast vorbei.

Schabbat Tisch
Schabbat Schalom!

Die Woche lag schon bald wieder hinter uns und es standen erneut Vorbereitungen für den Schabbat an, mit denen ich jetzt gerade beschäftigt bin. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Schalomigen Schabbat und ein frohes neues Jahr!

 


Das Wetter für heute in Israel

Teilweide bedeckt bis heiter und etwas wärmer als gestern, besonders im Landesinneren und in den Bergen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 27 Grad, Tel Aviv 29 Grad, Haifa 26 Grad, Tiberias am See Genezareth 35 Grad, am Toten Meer 35 Grad, Beersheva 31 Grad, Eilat am Roten Meer 34 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist seit gestern um einen weiteren Zentimeter  gesunken und liegt jetzt bei – 210,315 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 1,515 Meter bis zur oberen Grenze.

Die Redaktion von Israel Heute wünscht allen Lesern ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat!

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