Ein Ausflug an den Jordan

von David Shishkoff

Unser Besuch an dem legendären biblischen Fluss, der immer noch lebendig ist und begeisterte israelische Urlauber erfrischt

Israelische Kinder erholen sich von der Sommerhitze im Wasser des Jordan. Foto: Matanya Tausig/Flash90

In der vergangenen Woche beschloss unsere Familie, der Hitze zu entfliehen und in das angenehme Wasser des Jordans „einzutauchen“ – gleich flussabwärts von der Stelle, an der er aus dem großen See (dem See Genezareth) austritt. Unser Lieblingsplatz liegt hinter der touristischen Taufstelle „Yardenit“ (der kleine Jordan) und gleich hinter dem Kanuzentrum „Rob Roy“.

Es ist ein schöner kleiner Wasserlauf, der vielen Einheimischen bekannt ist. Der Wasserfluss wird durch eine Schleuse reguliert, sodass der Fluss auf diesen 2 Kilometern tief genug ist, um darin zu schwimmen. Das ist sehr ungewöhnlich in Israel, wo es nur wenige Flüsse gibt, die im Sommer nicht austrocknen, geschweige denn Abschnitte mit tiefem, sauberem und frischem Wasser, ohne dass sich Abwässer untermischen.

Wir verabredeten uns für 17 Uhr mit Freunden, die vor kurzem nach einigen Jahren in Australien nach Israel zurückgekehrt sind. Ich war darauf bedacht, ihnen einen guten Eindruck von Israel zu vermitteln, da sie es gewohnt waren, „down under“ unberührte, nicht überfüllte Wassercampingplätze zu finden.

Ich wollte sie zu diesem ortstypischen „Wasserloch“ mitnehmen, wo viele junge Erwachsene aus der Gegend schwimmen, campen, von Brücken springen und mit dem Seil von den steilen Ufern auf die schimmernde Wasseroberfläche hinausschwingen. Einige von ihnen lassen leider ihren Müll zurück. Unsere Söhne haben hier viele Tage verbracht – trotz der gelegentlichen Mückenstiche. Dieser Ort war viele Jahre lang eine Mini-Wildnis, wobei die Betonung auf „wild“ liegt, wie in wildem Verhalten und ohne staatliche Säuberung und Überwachung.

Kürzlich beschlossen die Verantwortlichen (meiner Meinung nach zu Recht), dass dieser Teil des Naturschutzgebietes tatsächlich zu besonders ist, um nur von einheimischen Teenagern und ihren Familien genutzt zu werden. Riesige Maschinen wurden eingesetzt, um das „Westufer“ dieses Abschnitts abzusenken und den Fluss besser zugänglich zu machen. Dabei wurden auch Inseln und Stege angelegt. [Dieser Teil des Jordans liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Jordanien entfernt, so dass sowohl das Ost- als auch das Westufer zu Israel gehören.]

Unser Ausflug in der vergangenen Woche war erst das zweite Mal, dass meine Familie die neu gestaltete Wasserstraße besucht hat.

Wir kamen an der Taufstelle vorbei, die normalerweise voll von Pilgern in weißen Gewändern ist, die im Wasser eintauchen. Sie liegt ist jedoch unbenutzt, seit COVID den internationalen Tourismus eingeschränkt hat. Dann fuhren wir an Dutzenden von Autos vorbei, die sich am ersten Eingang zum Badebereich drängten – und verloren fast die Hoffnung, dass wir eine schöne, friedliche Zeit im Wasser verbringen könnten, ohne dass all die „Stämme“ Israels wie Sardinen neben uns eingepfercht waren.

Die Pilgertaufstelle Yardenit steht seit einem Jahr wegen der COVID-19-Pandemie leider leer.

Wir wagten uns weiter nach Süden auf der unbefestigten Straße flussabwärts, vorbei an Hainen mit hoch aufragenden Dattelpalmen und über Abschnitte mit dicht gedrängten Felsen, wobei wir uns laut fragten, ob dies ein Teil der alten Kopfsteinpflasterstraße des Römischen Reiches war, die nach Jericho hinunterführte. Als wir den Parkplatz flussabwärts am anderen Ende erreichten, gab es fast keine Autos! Hoffnung keimte in unseren Herzen auf.

Wir schalteten die Klimaanlage aus, schnappten uns unsere Schwimmflügel, Pitas und Hummus und wagten uns hinaus in die 35 Grad Celsius warme Luft, um den neuen Betonweg zum Wasser hinunterzugehen. Fast sofort fanden wir einen leeren Abschnitt am Flussufer, der sanft ins Wasser abfiel, sodass selbst unsere jüngsten Kinder leicht hineinkamen. Da der Auslauf dieses Abschnitts kontrolliert wird, ist das Wasser langsam und fast so sicher wie ein Schwimmbad. Hohe Eukalyptusbäume spenden großzügigen Schatten, und erstaunlicherweise schien, als ob die Müllmenge zurückgegangen ist.

Als die beiden Familien in den Jordan wateten, konnten wir nicht umhin, von der Temperatur beeindruckt zu sein: nicht zu heiß, nicht zu kalt – keine Anpassung erforderlich, kein Einziehen der Luft, um einen tiefen Atemzug zu nehmen, bevor man vollständig eintaucht. Sobald wir im Wasser waren, schwammen wir ein paar Dutzend Meter flussaufwärts, vorbei an einer winzigen „unbewohnten“ Insel, die nur ein paar Meter breit und doppelt so lang war, bewohnt von einem einsamen Eukalyptusbaum und etwas hohem Gras. Die nächste Insel flussaufwärts war von einer Gruppe von sieben israelischen Teenagern „beansprucht“ worden, die sicherstellen wollten, dass alle Herzen in der Gegend noch schlugen, und uns daher mehrere Minuten lang mit lauter „Trance“-Musik unterhielten, bis die Batterien ihrer Lautsprecher leer waren.

Auf der anderen Seite des Flusses, etwa 15 Meter entfernt, picknickte eine orthodoxe Familie. Es war interessant, den Vater mit seinen langen Seitenlocken (Pey’os) zu sehen, die einen nackten Oberkörper flankierten – kein weißes Hemd, kein schwarzer Mantel und kein schwarzer Hut.

Wie ich bereits erwähnte, waren unsere Freunde gerade von Australien nach Israel gezogen. Dort sind die Flüsse und Meere ein ganzes Stück kälter und können manchmal gefährlich sein. In Anbetracht der jüngsten Überschwemmungen in Deutschland und anderswo und in Anbetracht des Feuers, das diese Woche vor den Toren Jerusalems wütete, mussten wir uns sehr glücklich schätzen. Ich konnte verstehen, warum Elia, Johannes und Jesus in diese Gewässer wateten.

Und vielleicht hatte Joshua ja doch recht, den Jordan zu überqueren und in dieses Land zu gehen 😉

Wenn Sie das nächste Mal auf einer Tour in Israel sind (sobald dies endlich möglich sein wird), empfehlen wir Ihnen dringend, diesen Halt in Ihr Programm aufzunehmen.

Und jetzt das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Heiter bis leicht bewölkt mit ähnlichen Temperaturen wie gestern. Es bleibt sommerlich warm. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 31 Grad, Tel Aviv 32 Grad, Haifa 30 Grad, Tiberias am See Genezareth 37 Grad, am Toten Meer 38 Grad, Beersheva 36 Grad, Eilat am Roten Meer 40 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist weiter unverändert und liegt bei – 209,88 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 1,08 Meter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Montag und einen guten Start in die neue Woche. Bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus dem Norden Israels!

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