Diese Orthodoxen Juden feiern Weihnachten

Oy Gevalt! Der Weihnachtsbaum ist schrecklich! Lasst uns feiern!

Das Weihnachtsfest ist vorüber, zumindest in der westlichen Welt. In Israel jedoch leben viele orthodoxe Juden, die jetzt erst damit beginnen, ihre Tannenbäume zu dekorieren und dabei auf ihre alternative Version des Weihnachtsmannes warten. Der Feiertag, den diese religiösen Israelis feiern, ist nicht neu. Er heißt „Nowogodnije“ (Novy God). Es handelt sich um das traditionelle russische Neujahr, das zum russisch-orthodoxen Weihnachten am 7. Januar hinführt. Die meisten der millionenfach eingewanderten russischen Juden erster oder zweiter Generation feiern diesen Feiertag, selbst etliche religiös-orthodoxe Juden unter ihnen.

In Russland ist Väterchen Frost (Ded Moros) eine Art Weihnachtsmann, der den artigen Kindern Geschenke bringt und von seiner Enkelin Snegurotschka (Schneemädchen) begleitet wird. Weihnachten selbst, das eine Woche später am 7. Januar stattfindet, bezieht sich auf die Geburt Jesu, wird aber nicht beachtet.

Abgesehen von diesen Unterschieden gestalten sich die Weihnachtsfeiern in der westlichen Welt eigentlich genau so wie in der orthodoxen. Und das ist genau der Grund, warum sich in Geschäften im jüdischen Land immer mehr Weihachtsdekoration finden lässt.

Sieht wie Weihnachten aus. Soll aber nur kulturelle Deko sein.

Sieht wie Weihnachten aus. Soll aber nur kulturelle Deko sein.

It’s beginning to look a lot like Christmas.

Sind Weihnachtsbäume koscher?

Orthodox-jüdische russische Immigranten bestehen darauf, dass Novy God lediglich ein kultureller Feiertag sei. Die Weihnachtsfeier eine Woche später feiern sie natürlich nicht. Trotzdem wundert es, dass sie kein Problem mit „christlichem“ Krimskrams zu haben scheinen.

Yonatan Dubov steht einer Organisation junger Führungskräfte vor, die Teil der rechtsgerichteten politischen Partei „Jüdisches Haus“ ist. Gegenüber der israelischen Presse gab er an, dass er dieses Jahr sein drittes „Koscheres Novy God“ Fest in Petach Tikva feiere. Natürlich mit Weihnachtsbaum, genannt Novy God Yolkas.

Wie viele andere orthodox-jüdische Immigranten aus Russland sieht auch Dubov das Fest als rein kulturelle Ausdrucksform. Für sie steht diese Kulturfeier in keinem Widerspruch zu ihrem jüdischen Glauben.

Doch es gibt jede Menge Rabbis, die vehement widersprechen.

Ded Moroz and the Snow Maiden make an appearance in Israel

 Ded Moroz und Snegurochka in Ashdod.

 

Oy Gevalt, rufen die Rabbis

 Dubov hat sich nicht nur seinen jüdischen Wurzeln zugewandt, sondern auch Novy God. Die Rabbis packt derweil das pure Entsetzen. Oy gevalt, hört man oft, die jiddische Phrase, dass etwas wirklich schrecklich ist. „Von Jahr zu Jahr gewöhnen sie sich halt mehr daran“, hält Dubov dagegen. „Erst lege ich am Morgen meine Tefillin an, dann gehe ich am Abend Novy God feiern.“

Es gibt auch Juden, die noch nicht ganz so überzeugt sind, aber trotzdem mitfeiern. Tal Hershberg ist sich dessen bewusst, dass Novy God selbst keine Verbindung zum Christentum enthält, „aber trotzdem, der Weihnachtsbaum ist schrecklich. Er ist ein Symbol, das zum Christentum, zu Heiden und zum Götzendienst gehört“, sagte sie zu Ynet. Tal und andere lassen sich dennoch nicht davon abhalten, einfach eine gute Zeit zu haben. „Religiöse Leute kritisieren mich eh ständig. Ich drehe Filme, bin Fotografin, trinke ab und zu Alkohol.“

 

 

 

 

 

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