Die Wahrheit liegt im Glauben

„Viele Israelis glauben weder ihren arabischen Nachbarn, noch den Medien oder den Institutionen. Sie glauben nur Netanjahu“, unterstrich Israels weltberühmter Historiker und Gesellschaftsanalytiker Prof. Yuval Noah Harari Mitte November.

von Aviel Schneider |
Foto: Yossi Zamir/Flash90

„Andere Israelis wiederum glauben Netanjahu kein einziges Wort aus seinem Munde. Auch wenn er mit Autorität sagt, dass eins und eins gleich zwei sind, ist dies für sie sofort verdächtig. Hm, zwei? Wo will er uns hier wieder austricksen?“

Der Glaube ist ein wichtiger Faktor und bewegt unser Leben, oft mehr als Menschen überhaupt begreifen. Jeder Mensch hat eigene Gründe, ob, warum und was er glaubt. Manchmal denke ich, dass der Glaube zu den üblichen Sinnen wie Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten zählt. Glaube ist eine innere Überzeugung von etwas. Der Glaube unter Menschen ist ein Instinkt. Der Glaube an Gott ist aus der Bibel gewachsen und ohne sie würde ein Glaube an Gott nicht existieren. Ansonsten steht das Wort Glaube wertlos wie jedes andere Wort da. Glaube ist ein menschlicher Instinkt. Menschen fühlen sich in ihrem Glauben geborgen und beschützt. Der Glaube an einen Gott gibt Menschen Trost, Kraft und Mut.

Israels erste Unabhängigkeitserklärung war nicht die von 1948, sondern wurde bereits in den Zehn Geboten festgeschrieben. Schon das erste Gebot spricht über Glauben, den Glauben an Gott: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Sklavenhaus geführt hat“. Also besteht Gott auf unseren Glauben. Damit vermittelt er Sicherheit, Betreuung und Liebe. Das zweite Gebot bekräftigt das erste, demnach sollen wir keinen anderen Göttern neben ihm dienen. „Ich habe den Weg des Glaubens gewählt und mich deinen Verordnungen unterstellt“, bestimmte David in den Psalmen. Das Hebräische Wort für Glauben Emuna (אמונה) erscheint mehrmals in der Bibel und steht immer im Vertrauen zwischen Mensch und Gott. Schon immer haben Menschen sich Gedanken gemacht, wofür sie leben. Hat unser Leben eigentlich einen Sinn? Dieser universale Sinn wurde in den Zehn Geboten zwischen Gott und Mensch geformt.

Die Wurzel für das hebräische Wort Glauben ist Amen (אמן) und dieses Wort kennt Ihr alle, denn damit beendet Ihr sicherlich Eure Gebete. All das was Ihr im Gebet vorher ausgesprochen habt, schließt ihr mit „Ich glaube“ auf Hebräisch. Diese Wortwurzel ist eine der interessantesten in der Hebräischen Sprache, denn in ihr liegen wichtige Wortschätze versteckt. Loyalität (נאמנות), Zuverlässigkeit (אמינות), Trainer (מאמן), Kindermädchen (אומנת) und Integrität (אֵמון). Aber auch das Hebräische Wort für Wahrheit Emet (אמת) ist ein klarer Abzweiger aus dem Wort Glauben. Der rote Faden, der all diese Worte in der Hebräischen Glaubenswurzel verbindet, ist das Gefühl der Sicherheit und des Vertrauen in die Wahrheit, auf die wir uns verlassen können.

Die Wahrheit liegt im Glauben. Und wir können wählen, was wir glauben möchten und wem wir uns unterstellen, so wie es König David reflektierte. Er wählte Gott, aber andere Menschen haben anderes gewählt, einen Guru, Geld oder sich selbst. Die einen glauben Netanjahu, die anderen nicht. Dasselbe gilt auch für Trump und alles andere im Leben. Es herrscht ein Wettrennen im Glauben zwischen Menschen, Parteien und Religionen. Im Neuen Testament hat Jesus einmal gesagt, dass der Glaube Berge versetzen könne und dass die Wahrheit Menschen frei macht. Im übertragenen Sinne kann der Glaube tatsächlich Berge versetzen und das Unmögliche möglich machen. Und das formt unsere Wahrheit.

So wie beide hebräischen Worte Glaube und Wahrheit einander sehr nahe sind, so sind beide auch in der Idee verschmolzen. Wir bestätigen die Wahrheit in unserem Glauben, und dafür muss der Mensch wählen, wem er glaubt. Zudem bin ich auch überzeugt, dass der Glaube nicht nur eine Entscheidung der Menschen ist, sondern ebenso eine Gabe Gottes. Und so ist die Wahrheit immer eine Reflektion unseres Glaubens.

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