Die Ukraine und die Torheit von Land für Frieden

Alle Experten scheinen es zu verstehen”, wenn es um die Ukraine und Russland geht. Warum also drängen sie Israel, einen solchen Fehler zu begehen?

| Themen: Ukraine, Friedensprozess
Ja, Putins Russland sollte man besiegen, nicht mit ihm verhandeln, aber das sollte man auch mit Israels reuelosen arabischen Feinden tun. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

Wenn es darum geht, Frieden im Nahen Osten zu schaffen, scheint es einen Konsens zu geben, dass der einzige Weg nach vorn darin besteht, Land gegen Frieden zu tauschen. Doch im Zusammenhang mit anderen ähnlichen Konflikten bestehen die meisten darauf, dass der Tausch von Land gegen Frieden ein monumentaler Fehler ist.

Woran liegt das?

Russland behauptet, dass die mehrheitlich russischsprachigen Regionen der Ostukraine innerhalb der russischen Grenzen liegen sollten. Mit anderen Worten: Die Ukraine “besetzt” historisch russisches Gebiet, und Moskau will es zurück.

Wenn die Ukraine nur einlenken würde, könnte der gegenwärtige Konflikt zwischen den beiden Nationen beendet werden.

Dieses Argument wird jedoch von westlichen Vertretern weitgehend zurückgewiesen, die Russlands jüngste Annexion des Donbass vehement ablehnen. Sie erinnern sich an den Fehler, Hitler das Sudetenland zu überlassen, als er ähnliche Ansprüche auf die Tschechoslowakei erhob, und sagen, dass Wladimir Putins vergleichbaren Ambitionen kein Vorschub geleistet werden darf.

Die Debatte über die Beendigung des Konflikts ist wieder in den Schlagzeilen, nachdem der Tech-Milliardär Elon Musk die Ukraine aufgefordert hat, ihre Niederlage einzugestehen und ihr Gebiet an Russland abzutreten. Musk betonte, dass er nach wie vor für die Ukraine sei, aber auch nicht wolle, dass der Konflikt außer Kontrolle gerate, möglicherweise sogar bis hin zu einem Atomkrieg.

Die Ukraine war natürlich verärgert über Musks Vorschlag. Aber auch bei Außenpolitikexperten stieß er auf Widerstand und Spott.

Der Atlantic Council zum Beispiel sah eine Reihe von Problemen in Musks Denkweise:

  1. Sie “ignoriert die völkermörderische Realität des Krieges”. Russland kommt mit Kriegsverbrechen davon.
  2. Sie stützt sich auf “fehlerhafte Annahmen über Russlands Verhalten und Fähigkeiten”. Können wir darauf vertrauen, dass sich die Russen nach einer Einigung besser verhalten? Und sind ihre Drohungen wirklich so realistisch?
  3. Russland selbst hat seit Beginn des Krieges “keinen einzigen vernünftigen Friedensplan vorgelegt”. Warum glaubt jemand, dass der Kreml tatsächlich Frieden will?

In der Tat könnten all diese Punkte genauso gut über Israels arabische Feinde geschrieben werden, die schreckliche Gräueltaten gegen den jüdischen Staat begangen haben, sich wiederholt als unzuverlässig erwiesen haben und, weit davon entfernt, einen brauchbaren eigenen Friedensvorschlag zu unterbreiten, immer noch offen von der Ausrottung des “zionistischen Gebildes” sprechen.

Zurück zum Atlantic Council, einem weithin angesehenen Think Tank mit Sitz in Washington, der feststellte:

“Wenn die Befürworter eines vermeintlich realistischen Friedensabkommens die Ukraine auffordern, Territorium abzutreten, fordern sie die Ukraine in Wirklichkeit auf, einen Völkermord zu akzeptieren.”

Auch hier sind die Parallelen zum israelisch-arabischen Konflikt unübersehbar.

In dem Positionspapier heißt es weiter, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist, die Ukraine zur Kapitulation zu drängen, wenn sie den Krieg gewinnt.

“Elon Musk und andere selbsternannte Realisten begreifen nicht, dass Russland derzeit weitaus mehr Gründe als die Ukraine hat, einen Ausweg aus dem Konflikt zu suchen, auch wenn dies für die Russen schwer zu schlucken sein mag.”

Auch Israel überraschte seine zahlenmäßig überlegenen Feinde und besiegte sie in einem Krieg nach dem anderen, bis es schließlich aus einer Position der Stärke heraus mehrere dieser ehemaligen Feinde davon überzeugte, eine Kehrtwende zu vollziehen und die Beziehungen durch die Abraham-Abkommen zu normalisieren.

Stärke und Unnachgiebigkeit, nicht Zugeständnisse von Land, führten zu diesem Erfolg. So wie es der Atlantic Council vorschlägt, wird es auch in der Ukraine geschehen.

Auch in der Schlussfolgerung des Artikels könnte man das Wort “Ukrainer” sehr leicht durch “Israelis” ersetzen:

“Die Ukrainer wollen Frieden, aber nicht um jeden Preis. Entscheidend ist, dass sie erkennen, dass ihr Heimatland aufhören wird zu existieren, wenn sie nicht siegreich sind.”

Im Falle Israels ist das Festhalten an der Formel “Land gegen Frieden” sogar noch ungeheuerlicher, da die Juden einer solchen Vereinbarung ursprünglich zugestimmt haben. Aber die Araber lehnten sie ab und griffen sie an.

Wie würde die internationale Gemeinschaft reagieren, wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij der Abtretung der Krim und des Donbass im Gegenzug für Frieden zustimmt, Putin das Angebot aber ablehnt und die Ukraine weiter angreift?

Denn genau so hätte die Welt in den vergangenen Jahrzehnten auf die Arabische Liga und heute auf die PLO/Palästinensische Autonomiebehörde reagieren müssen. Israel hat Jericho, Gaza, Hebron und einen Großteil des sogenannten “Westjordanlands” übergeben … und der Terrorismus hat zugenommen.

Diejenigen, die darauf bestehen, dass die einzige Lösung darin besteht, den reuelosen Aggressor zu besiegen, haben Recht. Jetzt müssen sie diese Logik konsequent auf alle Konflikte anwenden.

2 Antworten zu “Die Ukraine und die Torheit von Land für Frieden”

  1. j-glaesser sagt:

    Soweit mir bekannt, wurden leider das Minsk 1 (5.9.2014) und Minsk 2 (12.2.2015) Abkommen nicht (oder nur teilweise) umgesetzt. Dabei geht es auch unter anderem um einen besonderen Status für bestimmte Bezirke in den Gebieten Donezk und Lugansk (Autonomie). Ganz im Gegenteil, die Machthaber und Oligarchen der Ukraine (gemeinsam mit ihren >>Freunden und Interessenspartnern<<) setzten ihren Machtpolitik gegen eine Autonomie in der Ostukraine durch – Bilanz von 2014 bis 2021 – 14 000 Tode.
    Die Situation der deutschen Minderheit in der Tschecheslowakei der 1920er und 1930er Jahre ist in keinster Weise mit der der russischen (russischsprachigen) in der Ostukraine und auf der Krim vergleichbar.
    Und wenn der ehemalige ukrainische Außenminister Andreij Melnik ein Verehrer ehemaligen Nationalisten, Faschisten und Judenmörder ist, dann ist dies schockierend und traurig.

  2. Serubabel Zadok sagt:

    Israel muss alle jemals übergebenen Gebiete wieder zurück nehmen, dann wird der Terrorismus aufhören.

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