Im Internet kursiert ein Video, das einen Kerl in Uniform mit rotem Barett und Tarnkleidung zeigt, der in ein Mikrofon brüllt. Der Schreihals ist General Yahya Saree, Sprecher der jemenitischen Huthi-Rebellen, der eben einen Angriff auf Israel mit einer „Salve ballistischer Raketen auf verschiedene sensible Ziele der israelischen Einheit“ ankündigt.
Eines dieser Ziele war Eilat. Die Rakete wurde noch in der Luft zerstört.
Übertreibungen im Nahen Osten sind nichts Neues. Man möge sich an „Bagdad Bob“, den Sprecher von Saddam Hussein erinnern, der für Äußerungen wie „Es gibt keine amerikanischen Ungläubigen in Bagdad. Niemals!“ berühmt geworden ist.
Eine einzelne Rakete macht noch keine Salve, ebenso wenig wie die Beschlagnahmung eines unter bahamaischer Flagge fahrenden Schiffes, das unter britischer Flagge registriert ist, teilweise einem Israeli gehört und zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung an ein japanisches Unternehmen vermietet war.
Dennoch haute Saree auf den Putz und verkündete, dass die Huthis „eine Militäroperation im Roten Meer durchgeführt haben, deren Ergebnis die Beschlagnahmung eines israelischen Schiffes war, das an die jemenitische Küste gebracht wurde“.
Yemen Silahlı Kuvvetler Sözcüsü General Yahya Saree Bab El Mendeb bölgesinde iki İsrail gemisini deniz füzesi ve Deniz İnsansız Hava Aracı ile vurduklarını söyledi. pic.twitter.com/uOCitg1V2z
— Mesaj Haber (@MesajHaber) December 4, 2023
Dies wirft die Frage auf: Wer sind die Huthis, und was wollen sie von Israel?
Die Huthis sind eine Gruppe schiitischer Muslime, die der Zaidi-Sekte im Jemen angehören und offiziell als Ansar Allah („Unterstützer Gottes“) bekannt sind. Der Name leitet sich von ihrem toten Anführer Hussein Badreddin al-Houthi ab, der 2004 von der jemenitischen Armee getötet wurde. Die Benennung ihrer Gruppen nach toten Anführern ist ein alter Brauch unter Terroristen.
Die aus dem nordjemenitischen Bezirk Saada stammende Gruppe erlangte vor etwa 20 Jahren durch ihre Opposition gegen die jemenitische Regierung und deren Beziehungen zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten Bekanntheit.
Was in den letzten 20 Jahren im Jemen geschehen ist, ist komplex. Was zunächst als Konflikt mit der Regierung begann, entwickelte sich 2014 zu einem regelrechten Bürgerkrieg, als die Huthis die jemenitische Hauptstadt Sanaa einnahmen und die gewählte Regierung des Landes in den südlichen Teil des Landes und schließlich ins Exil vertrieben. Sie sind auch mit anderen Gruppen im Jemen aneinandergeraten, darunter mit Elementen, die mit der international anerkannten Regierung verbunden sind, was zu einem langwierigen Bürgerkrieg geführt hat.
Die Vereinigten Staaten stuften die Huthi-Bewegung im Januar 2021, am Ende der Trump-Administration, als ausländische terroristische Organisation ein und begründeten dies mit ihren destabilisierenden Aktionen, ihren Verbindungen zum Iran und ihren Angriffen auf zivile Infrastrukturen in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Da es sich um den Nahen Osten handelt, war die Einstufung der Huthis als „Terroristen“ natürlich umstrittenDie Einstufung als Terrororganisation durch die USA wurde von humanitären Organisationen kritisiert, da dies die Lieferung von Hilfsgütern behindert und die humanitäre Krise im Jemen, wo Millionen von Menschen auf diese Hilfe angewiesen sind, verschlimmern könnte. Daraufhin hob die Regierung Biden im Februar 2021 die Einstufung der Huthi als terroristische Organisation auf, obwohl bestimmte Huthi-Führer weiterhin unter US-Sanktionen standen. Nach den Fernangriffen auf Israel, den Drohnenangriffen auf Schiffe der US-Marine im Roten Meer und der Beschlagnahmung des Frachters Anfang November verkündete die Regierung Biden, man wolle nun die Aufhebung der Einstufung als Terrororganisation überdenken.
Humanitäre Krise hin oder her, die Huthis haben es geschafft, saudi-arabische Ziele mit Marschflugkörpern, Drohnen und Granaten anzugreifen. Sie haben schwere Schäden an saudischen Ölraffinerien verursacht und saudische Soldaten getötet. Wir sollten nicht eine Sekunde lang glauben, dass der Iran bei diesen Angriffen nicht seine Finger im Spiel hat.
Und jetzt, wo Israel von den Huthis angegriffen wird? Wehrt Israel lediglich die Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Jemen ab oder reagiert es militärisch? Der Jemen ist zwar weit von Jerusalem entfernt, befindet sich aber in Reichweite der israelischen Luftwaffe. Nachdem sie öffentlich erklärt haben, dass sie sich auf die Seite der Hamas geschlagen und sich der „Achse des Widerstands“ angeschlossen haben, ist es vielleicht an der Zeit, dass Israel nicht nur auf die nächste „Salve“ wartet, sondern Raketen und Drohnen am Boden zerstört, bevor sie abgeschossen werden.




