Der Missionar und die Heilige Stadt

Immer wieder kommt es vor, dass wir Archäologen in Jerusalem etwas finden, das auf den ersten Blick brandneu erscheint, von dem sich dann aber herausstellt, dass es bereits von Conrad Schick entdeckt und beschrieben wurde.

von Ryan Jones | | Themen: Archäologie, Christen, Conrad Schick
Foto: Creative Commons

Conrad Schick (1822-1901) (Wikimedia Commons)

Wer die Geschichte der Stadt und möglicherweise auch ihre Zukunft wirklich verstehen wollte, musste Schick einfach besuchen und von ihm lernen. Es ist schwierig, die Bedeutung und den Einfluss dieses Mannes auf Jerusalem zu unterschätzen, selbst wenn man den Namen noch nie gehört hat.

“Noch heute stellen wir fest, dass vermeintlich neue archäologische Entdeckungen in Jerusalem bereits von Schick entdeckt und beschrieben wurden”, berichtet Prof. Dr.Shimon Gibson vom Jerusalemer W.F. Albright Instituteof Archaeological Research.

Viele christliche Zionisten haben aber noch nie von ihm gehört. Daher sollte man zu den Anfängen zurückkehren.

Der deutsche Missionar, Architekt und Archäologe lebte im 19. Jahrhundert in Jerusalem. Er gehört zu denen, die die Stadt in dieser Zeit maßgeblich geprägt haben. Der evangelische Christ wurde 1846 von der Chrischona Pilgermission in Bettingen ausgesandt. Er und ein anderer Missionar sollten sich im Heiligen Land als „stille Missionare“ niederlassen und lebendige Zeugen des Evangeliums sein. Bis zu seinem Tod im Jahr 1901 lebte Schick nach diesem Prinzip. Er fand jedoch heraus, dass er Jerusalem und seinen Besuchern noch viel mehr geben konnte.

Obwohl er weder als Architekt, Archäologe oder Historiker ausgebildet war, wurde Schick zum „kompetentesten Kenner in Bezug auf alles, was Jerusalem betrifft“, meint Prof. Haim Goren, Experte für deutsche Christenheit im Heiligen Land im 19. Jahrhundert. In Schicks Privatresidenz, genannt Tabor Haus, gaben sich Jerusalem-Pilger die Klinke in die Hand.

Schick nutzte sein Architekturtalent, um Modelle anzufertigen, die dazu beitrugen, Streitfragen in Bezug auf historische Terrains zu schlichten. Goren erinnert an Schicks detailreiches Modell der Grabeskirche, das half, eine aufgeheizte Debatte zwischen verschiedenen christlichen Denominationen beizulegen.

Gibson betont, dass Schicks Aufzeichnungen die moderne Archäologie enorm beeinflusst haben. Schick hatte Zugang zu Orten, von denen heutige Archäologen nur träumen können, darunter unzählige Passagen, Zisternen und antike Höhlen im Tempelberg.

Glücklicherweise war Schick darauf bedacht, seine Erkenntnisse umfangreich mitzuteilen. Eines seiner detailliertesten Werke ist die Darstellung des Tempelberges mit dem, was er darin verborgen fand. Das Modell wurde weltweit jahrzehntelang auf Ausstellungen gezeigt, auch auf der Weltausstellung. „Schicks Aufzeichnungen helfen uns dabei, in Jerusalem Dinge zu entdecken“, sagt auch Goren. „Sein Genie hat so gut wie alles in Jerusalem durchdrungen. Er war einer der wichtigsten Menschen in einer der wichtigsten Zeiten der Entwicklung dieser Stadt.“

Mit vielen anderen Werken verschwand auch das Tempelberg-Modell schließlich auf einem Dachboden in der Schweiz, wo es lange in Vergessenheit geriet. Mittlerweile sind seine Arbeiten wieder „nach Hause“ zurückgekehrt. Viele sind im Christ Church Heritage Center in der Jerusalemer Altstadt nahe dem Jaffa Tor ausgestellt. Der Ausstellungsort war zu Schicks Zeiten bekannt als „Haus der Industrie“, wo ortsansässige Zimmerer Olivenholz verarbeiteten und Schick selbst seine Modelle anfertigte. Gibson und Goren hoffen, dass sich in besonderem Maße Christen die Ausstellung anschauen. Es lässt sich dabei vieles zur Entwicklung Jerusalems und über einen der einflussreichsten christlichen Mitgestalter der Stadt erfahren.

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