Bitterer Nachgeschmack

Wir haben eine neue Regierung, doch dieser Regierungswechsel ist ganz anders als alle anderen davor

Foto: Tomer Neuberg/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Ich weiß gar nicht, wie ich den heutigen Tag beginnen soll. Eigentlich sollte ich mich freuen und mit voller Begeisterung über den beginn einer neuen politischen Ära berichten. Gestern war ein besonderer Tag. Israel hat eine  neue Regierung bekommen. Der Wechsel einer Regierung ist normalerweise immer ein feierlicher Moment, ganz egal, welche Seite des politischen Spektrums die Regierung unseres Landes übernimmt. Aber dennoch war die ganze Stimmung gestern eine ganz andere. Und damit meine ich jetzt nicht das für die Knesset unmögliche Verhalten einiger Abgeordneter und sogar einiger jetzt ehemaligen Minister, die gegen den Weg, wie diese neue Regierung entstanden ist, lautstark protestierten. So darf man sich einfach nicht benehmen, auch wenn ich ihre Frustration durchaus verstehen kann. Wenn Sie Lust haben, können Sie hier sehen, was für ein Theater es gestern in der Knesset gab.

Noch nie hat es hier bei uns einen Regierungschef gegeben, dessen Partei eigentlich gerade mal so die Prozenthürde überschritten hat. Dazu kommt, dass der größte Teil seiner Wähler sich über das Ohr gehauen fühlt. Als die Wähler der Partei von Naftali Bennett, Jamina, ihren Wahlzettel in die Wahlurne wurfen, hat sicher niemand von ihnen auch nur im Traum damit gerechnet, dass sie damit die Bildung  einer Regierung mit linken Politikern wie Tamar Sandberg und Nitzan Horovitz von der Meretz-Partei unterstützt haben.

Naftali Bennett, Israels neuer Ministerpräsident

Als Israels neuer Ministerpräsident Naftali Bennett gestern am Rednerpult stand, um seinen Eid abzulegen, meinte ich, in seinen Augen gesehen zu haben, dass er ganz genau weiß, dass er die Stimmen seiner Wähler geklaut hat. Das klingt jetzt etwas unverschämt, ich weiß. Auch, wenn ich den Weg, der zu dieser neuen „Regierung des Wandels“ führte, verstehen kann, hat diese ganze Sache für mich einen leicht bitteren Nachgeschmack.

Noch eine Bemerkung zum Titelbild. Dort sehen wir die Feier für die neue Regierung. Allerdings denke ich, wird dort weniger der neue Ministerpräsident Naftali Bennett gefeiert, sondern eher die Tatsache, dass Netanjahu nicht mehr im Amt ist, denn darum ging es bei diesen Wahlen wohl nur. Und das ist es, was diese zum Teil völlig verschiedenen Koalitionsparteien zusammen hält.

Aber trotz allem wünsche ich unserer neuen Regierung Erfolg. Gerne werde ich mich überraschen lassen. Denn weitere Wahlen und politische Instabilität sind das letzte, was wir gebrauchen können.

Die Bildung der „Regierung des Wandels“ hat auch direkte Auswirkungen auf die Straße, in der ich hier in Modiin wohne. Einige Häuser von uns entfernt wohnt der jetzt ehemalige Vorsitzende der Knesset, Yariv Levin. Als Knesset-Vorsitzender und damit auch gleichzeitig Stellvertreter des israelischen Staatspräsidenten wird man rund um die Uhr bewacht.  Und so war eben unsere Straße die wohl am besten bewachte Straße in ganz Modiin. Doch damit wird jetzt wohl Schluss sein, denn nun ist unser Nachbar ja nur noch ein ganz gewöhnlicher Knesset-Abgeordneter. Und nun das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bedeckt und noch etwas „kühler“ als gestern. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 26 Grad, Tel Aviv 26 Grad, Haifa 25 Grad, Tiberias am See Genezareth 32 Grad, am Toten Meer 33 Grad, Beersheva 30 Grad, Eilat am Roten Meer 35 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um zweieinhalb Zentimeter gesunken und liegt bei – 209,46 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 66 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Montag und unserer neuen Regierung viel Erfolg. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

 

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