Antisemitismus in Finnland: Regierung wie gelähmt

Vier Monate brauchte die finnische Regierung, um einen antisemitischen Übergriff auf die israelische Botschaft zu verurteilen

von Yossi Aloni |
Finnischer Außenminister Pekka Havisto

Ganze vier Monate, nachdem israelische Medien wie Jediot Achronot oder Ynet antisemitische Übergriffe auf die israelische Botschaft in Finnland aufgedeckt hatten, hat nun der finnische Außenminister endlich reagiert und die Attacken verurteilt. Finnlands jüdische Gemeinde erlebt seit zwei Jahren eine Welle an Schikanen. Erst vor einer Woche wurden gelbe Davidsterne und das Wort „JUDE“ an ein jüdisches Gemeindezentrum geklebt, das sich gegenüber der israelischen Botschaft in Helsinki befindet. In den vergangenen zwei Jahren gab es mindestens 20 ähnliche Aktionen. Unter anderem haben Neo-Nazis die Türen der israelischen Botschaft in Helsinki eingetreten.

Vor Ort taten sich nun unter der Leitung der staatlichen Lutherischen Kirche hunderte Christen mit der jüdischen Gemeinde zusammen, um vor der Synagoge Helsinkis Solidarität zu zeigen. Im ganzen Land gibt es nur diese eine Synagoge. Zur Demonstration kamen Menschen verschiedenster Ausrichtungen, darunter religiöse Leiter der russischsprachigen muslimischen Gemeinde und andere Freunde Israels sowie Abgesandte diplomatischer Kreise, wie die Botschafter Deutschlands, Österreichs, Ungarns und der israelische Botschafter in Finnland, Dubi Segev Steinberg.

Verschiedene Blumengeschäfte der Stadt spendeten tausende Blumen, die vor dem Zaun an der Synagoge als Antwort auf die gelben Judensterne abgelegt wurden. Finnlands Außenminister (im Bild) war als Hauptsprecher eingeladen, er bezog sich in seiner Rede auf die Ausbreitung des Antisemitismus in der Welt und in Finnland. Er verurteilte dies scharf und betonte, dass ein Schutz der jüdischen Gemeinde nötig ist.

Die Attacke auf die israelische Botschaft am 21. Juli durch Neo-Nazis lag da schon vier Monate zurück. Von offizieller Regierungsseite her hatte es in dieser Zeit nicht eine einzige Erklärung gegeben. „Finnland ist ein Land, das für Antisemitismus jeder Art, darunter Bedrohungen, Spott, negative Einstellungen und Hass gegen Religionen und Minderheiten keinen Platz hat“, sagte der Minister. „Es ist wichtig, dass wir schnell reagieren, und deshalb ist diese Demonstration vonnöten, dass das finnische Volk diese Phänomene nicht akzeptiert. Das finnische Volk verurteilt diese Aktionen, die auf die Synagoge in Helsinki, die jüdische Gemeinde und die israelische Botschaft abzielten.“

Israels Botschafter Steinberg dankte dem Außenminister und rief die finnische Regierung dazu auf, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um Antisemitismus zu bekämpfen und die kleine jüdische Gemeinde von rund 2000 Menschen, dazu die israelische Botschaft und alle Angestellten zu schützen. „Schweigen ist eigentlich Akzeptanz und Zustimmung. Wir dürfen nicht abwarten, bis eine weitere Katastrophe passiert“, so der Botschafter.

Insgesamt 16 Mal ist es innerhalb der letzten zwei Jahre zu Beleidigungen und Übergriffen auf die israelische Botschaft gekommen. Unter anderem wurde der Eingangsbereich mit Hakenkreuz-Graffiti und Hitler-Bildern übersät. Im Februar gab es eine illegale Demonstration von Neo-Nazis vor dem Gebäude. Israels Botschafter hat die Angelegenheit regelmäßig an die zuständigen Behörden in Finnland herangetragen, diese konnten jedoch bislang nichts ausrichten.

Am 6. Dezember letzten Jahres, dem Unabhängigkeitstag Finnlands, hissten rechtsradikale Gruppen Naziflaggen in der Innenstadt. Innenminister Kai-Makonnen reagierte mit der Aussage, in Finnland herrsche das Recht auf freie Meinungsäußerung. Der Präsident des Landes sagte dagegen während seiner Neujahrsansprache, solche Phänomene hätten keinen Platz in Finnland.

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