ANALYSE: Israel kämpft nun an vier Fronten gegen den Iran

Israel will, dass die internationale Gemeinschaft die Feinde zurückhält, ist aber bereit, bei Bedarf entschlossen zu handeln.

Netanjahu
Yonatan Sindel/Flash90

Verschiedene Vorkommnisse, die sich in den letzten Tagen im Zusammenhang mit dem verdeckten Krieg zwischen dem Iran und Israel im Irak, Syrien, dem Libanon und dem Gazastreifen ereigneten, zeigen, dass dieser Krieg am Eskalieren ist und der Iran versucht, den Druck auf den jüdischen Staat zu erhöhen.

Beginnen wir mit dem Irak, der kürzlich zu einem neuen Schauplatz des verdeckten Krieges geworden ist.

Ende letzter Woche wurde eine Basis der Quds Brigaden der iranischen Revolutionsgarde und der vom Iran unterstützten Schiitenmilizen in der Nähe der Grenzstadt Al-Bukamal von unbekannten unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen) bombardiert.

Bei dem Angriff wurden 18 Mitglieder dieser Milizen getötet. Irakische Beamte schrieben den Angriff der israelischen Luftwaffe zu.

Die Israelische Armee (IDF) versuchte, den Angriff auf Al-Bukamal geheim zu halten. Al-Bukamal ist eine wichtige Verbindung der sogenannten Landbrücke zwischen der Grenze zum Iran in der irakischen Provinz Nineveh und den Golanhöhen in Israel, die der Iran seit Jahren zu erreichen versucht.

Kaum einen Tag später versuchten vom Iran unterstützte Milizen in der Region Damaskus in Syrien Berichten zufolge, einen Vergeltungsangriff auf Israel durchzuführen, indem sie mehrere Raketen auf die israelischen Golanhöhen abfeuerten. Die im Angriff eingesetzten Grad-Raketen erreichten Israel jedoch nicht.

Am Dienstagmorgen berichteten arabische Medien und Sky News von einer neuen mysteriösen Explosion in einem Waffenlager, das zu den vom Iran unterstützten Milizen in der Provinz Anbar im Irak gehört.

Ein irakischer Offizier erklärte lokalen Medien, dass 21 Milizkämpfer bei der Explosion starben, von der er sagte, sie sei ein Drohnenangriff gewesen.

Dann gibt es den noch Libanon, der Anfang letzter Woche eine heftige Konfrontation mit der IDF erlebt hat, die von der Hisbollah initiiert wurde.

Die Hisbollah hatte Israel zunächst davor gewarnt, den libanesischen Luftraum noch einmal für Einsätze in Syrien zu nutzen und die Terrororganisation, die während des syrischen Krieges zu einer Armee geworden war, auszuspionieren. Als die israelischen Drohnen dennoch weiterhin Überflüge im Libanon durchführten, entschied sich die Hisbollah, eine der israelischen Maschinen abzuschießen und meinte, sie habe eine Abschreckung erwirkt.

Gleichzeitig verschärfte Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah seine kriegerische Rhetorik gegen Israel und erklärte, es gebe bei der Verteidigung des Libanon keine klaren Grenzen mehr. Dabei verspottete er die IDF und bezeichnete sie als eine feige “Hollywood-Armee”.

Dies war ein Verweis auf die Evakuierung gesunder Soldaten mit Kunstblut an ihren Verbänden ins Rambam-Krankenhaus in Haifa letzte Woche während der Zusammenstöße in der Nähe des Moshav Avivim.

Zuvor hatte der Hisbollah-Führer erklärt, dass seine Organisation und Andere mitten in einer “großen Kampagne” gegen Israel seien.

Israel scheint seinerseits die internationale Gemeinschaft auf einen möglichen Krieg gegen die Hisbollah vorzubereiten.

In einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat (UNSC) teilte der israelische Botschafter Danny Danon mit, dass die Hisbollah “einen Standort für die Herstellung und den Umbau von Präzisionsraketen in der Nähe der Stadt Nabi Chit in der Bekaa-Ebene betreibt, der vom Iran finanziell und logistisch unterstützt wird”.

Danon gab dem UN-Sicherheitsrat auch die Namen der iranischen Kommandanten, die an dem Raketenumbauprojekt beteiligt waren, und behauptete, dass der Kommandant der Quds Force, Qassem Soleimani, die Operation persönlich überwachte.

Unterdessen hält das israelische Militär eine umfangreiche 4-tägige Übung zur Vorbereitung auf einen Mehrfrontenkrieg gegen die Hisbollah und ihre Verbündeten in Syrien und dem Gazastreifen ab.

An der letztgenannten Front gab es an diesem Wochenende auch neue Entwicklungen, die die IDF als weitere Beweise dafür sieht, dass der Iran die Fäden im Gazastreifen zieht.

Die Hamas benutzte zum ersten Mal eine Drohne, um eine IDF-Basis in der Nähe vom Gazastreifen anzugreifen.

Die Drohne schaffte es, einen Sprengsatz auf eines der Basisgebäude zu werfen. Sie verursachte jedoch nur leichte Schäden an einem Fahrzeug. Der Iran nimmt eine weltweit führende Position bei der Verwendung von Drohnen für Militäreinsätze ein und hat kürzlich beschlossen, der Hamas 30 Millionen Dollar pro Monat zu geben, um ihren Reibungskrieg gegen Israel fortzusetzen.

Nach dem Drohnenangriff auf die IDF-Basis folgte der Abschuss einer IDF-Drohne über dem südlichen Gazastreifen.

Die Hamas bekannte sich zu dem Abschuss der Drohne und behauptete, dass ihre “Soldaten” sie abgeschossen hätten.

Was danach kam, hatte das Potenzial, sich wieder zu einem Krieg zu entwickeln.

Kampfflugzeuge der Israelischen Luftwaffe griffen mehrere Positionen der Lufteinheit der Hamas an, die den Drohnenangriff durchgeführt hatte. Daraufhin schossen die Terrorfraktionen im Gazastreifen erneut Raketen auf den Süden Israels.

An dieser Stelle griffen die Ägypter erneut ein und entsandten eine Delegation in den Gazastreifen, um die Situation zu entschärfen.

Dies funktionierte auch nicht. Am Dienstagabend wurden Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung der israelischen Städte Aschdod und Aschkelon abgefeuert, woraufhin die israelische Luftwaffe 15 Militäranlagen der Hamas im Gazastreifen bombardierte.

Netanjahu versucht nun, die Regierungschefs der Welt davon zu überzeugen, den Druck auf den Iran aufrechtzuerhalten, und unternahm einen unerwarteten Besuch in Großbritannien, wo er die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Iran mit seinem britischen Amtskollegen Boris Johnson diskutierte. Ein Thema war die Entdeckung einer neuen geheimen Atomwaffenanlage südlich der iranischen Stadt Isfahan.

Das israelische Staatsoberhaupt steht Berichten zufolge in täglichem Kontakt mit dem Weißen Haus und wird sich auch noch in dieser Woche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen.

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