Ältere deutsch-jüdische Gemeinden als Weltkulturerbe geehrt

Gemeinden an der Wiege des aschkenasischen Judentums in Deutschland sind zum UNESCO-Welterbe erklärt worden

von Yossi Aloni |
Grabsteine auf dem Alten Jüdischen Friedhof 'Heiliger Sand' in Worms Foto: RONALD WITTEK/EPA-EFE

Die UNESCO – die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur – hat heute jüdisches Kulturgut in den deutschen Rheinanliegergemeinden Mainz, Speyer und Worms zum Weltkulturerbe erklärt.

Die jüdische Besiedlung der Rheinregion gilt als die älteste Ansiedlung des aschkenasischen Judentums. Speyer, Worms und Mainz waren im Mittelalter als sogenannte SchUM-Städte eng miteinander verbunden und wurden auch „Jerusalem am Rhein“ genannt. SchUM ist eine Abkürzung für die mittelalterlichen hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte: Schp (Sch), Waw (U) und Mem (M), die für die drei Städtenamen Schpira, Warmaisa und Magenza stehen. Die SchUM-Gemeinden gelten als die Wiege des aschkenasischen Judentums und waren in allen Bereichen miteinander verbunden, von der Architektur über die Kultur und Religion bis hin zu den religiösen Vorschriften.

Im 11. Jahrhundert waren die drei Städte bereits sehr einflussreiche jüdische Zentren. Rabbi Gershom „Maor Hagola“ (Großes Licht) wirkte zu Beginn des 10. Jahrhunderts in Magenza an der Seite von Rabbi Schimon dem Großen. Danach entwickelten sich Jeschiwas (jüdische Lehranstalten), die von seinen Schülern und anderen Weisen geleitet wurden: die Jeschiwa der Weisen von Lutir unter der Leitung von Rabbi Eliezer dem Großen ben Yitzchak in Magenza, die Jeschiwa von Rabbi Yaakov ben Yakar und Rabbi Yitzchak Halevi in Warmaisa und die Jeschiwa von Rabbi Elyakim ben Meshulam in Schpira. Die Bedeutung der Städte war allerdings nicht gleich, wobei Magenza als die wichtigste der drei Städte galt.

Kaiser Heinrich IV. gab den Gemeinden am Rhein verschiedene Schutzbriefe. Unter anderem legte Heinrich in seinen Schutzbriefen fest, dass die Juden in diesen Städten von den Zollgebühren befreit würden und dass jeder Gemeinde ein „Bischof“ vorstehen würde, der von der Gemeinde gewählt werden sollte.

Nach der Zerstörung der Gemeinden in den rheinischen Massakern im Gefolge der Kreuzzüge bestand die Notwendigkeit, das Verhalten der Gemeinden gegenüber den örtlichen Behörden zu regeln. Die Gemeinden errichteten gemeinsame „SchUM-Regelungen“, die eine Antwort auf die lokalen und einzigartigen Probleme der aschkenasischen und französischen Gemeinden im Mittelalter waren.

Der deutsche Außenminister Heiko Mass begrüßte auf Twitter die Entscheidung der UNESCO, die Gemeinden zu ehren:  

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