Wir verbrachten den Abend in einem wunderschönen, nur für uns reservierten Raum. Das Essen war hervorragend, und für diesen besonderen Anlass brachte ich ausgewählte Rotweine aus meiner eigenen Sammlung mit. Doch die wahre Überraschung kam erst später: Meine Familie schenkte mir eine eigens für mich gestaltete Zeitschrift, und auf dem Titelblatt war ich zum ersten Mal in meinem Leben selbst abgebildet. Ich hatte nichts davon geahnt. Anat, meine Frau, hatte sechs Wochen lang heimlich daran gearbeitet.
Alles in dieser Ausgabe drehte sich um mich; meine Kinder und meine Frau beschrieben, wer ich bin, mit all meinen Stärken und Schwächen. Meine Geschwister, Verwandten, Freunde aus der Armeezeit, Kolleginnen und Kollegen und sogar Leser unserer Zeitung aus dem Ausland steuerten Beiträge bei. Nach 60 Jahren habe ich etwas verstanden: Ich bin wohl doch nicht so „schlecht“, wie ich manchmal dachte. Darauf reagierte meine Frau in unserer WhatsApp-Gruppe: „Gut, dass Selbstliebe nicht dick macht.“ Ich bin tatsächlich ein Vater, der Spuren hinterlassen hat, vor allem innerhalb meiner Familie. Diese Erkenntnis hat mich tief berührt, und sie ist mir wertvoller als jede Spur, die man irgendwo sonst hinterlässt und die im Wind verweht.

Ich war überwältigt, vielleicht gerade, weil ich selbst weiß, wie viel Arbeit, Liebe und Geduld in einer solchen Zeitung steckt. Ich mache das seit vielen Jahren beruflich, und nun wurde ich selbst zum Mittelpunkt einer Ausgabe. Auch habe ich mich gefragt, warum ich überhaupt darüber schreibe. Was gehen euch meine 60 Jahre an? Ehrlich gesagt: Ich fühle mich nicht wie 60. Eher wie 30 oder 40. Dass die Welt heute noch existiert, ist für mich fast ein Wunder. Ich bin mit Stimmen aufgewachsen, die ständig verkündeten, dass in den nächsten Tagen oder Jahren alles untergehen würde. Apokalypse! Boom! Es war einmal! Doch hier bin ich und lebe nun schon seit 60 Jahren auf dieser Welt.

Ich liebe das Leben, und genau das prägt mich: wie ich bin, wie ich fühle, wie ich denke und wie ich schreibe. Vieles hat sich in mir verändert. Politisch interessiert mich heute nicht mehr das Schubladendenken von rechts oder links. Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt, unser Volk, die Realität unseres Landes. Selbst in meiner eigenen Familie sind wir politisch oft nicht einer Meinung, manchmal sogar weit voneinander entfernt. Aber wir sind trotzdem eine Familie, und genau das ist für mich das Entscheidende. Unser Zusammenhalt ist stärker als jede politische Linie. Das braucht das Volk!
Hört zu: Alles, was wir auf unserer Webseite oder in unserer Zeitschrift veröffentlichen, sind News. Und manchmal sind es eben nicht nur politische Analysen, sicherheitspolitische Entwicklungen oder internationale Schlagzeilen. Manchmal sind es auch die Geschichten des ganz persönlichen Lebens. Denn das Leben besteht nicht nur aus geopolitischen Dramen, sondern auch aus den stillen Momenten, den familiären Meilensteinen, den Gedanken, die uns formen. Vielleicht ist genau das die eigentliche Nachricht, dass wir trotz der Stürme der Welt nicht aufhören sollten, unser eigenes Leben zu sehen, zu würdigen und miteinander zu teilen. Wenn wir nur über die großen Krisen schreiben, verpassen wir die leisen Stimmen des Lebens, jene, die uns oft viel tiefer berühren und an das erinnern, was wirklich zählt.
Der Vers „nicht im Sturm, nicht im Feuer, sondern in der stillen Stimme“ zeigt, dass Gott sich Elijahu nicht nur in spektakulären Naturgewalten oder in politischen Weltkrisen wie heute offenbart, sondern in der feinen, stillen, dünnen Stimme. Die Bibel lehrt damit, dass das Wesentliche nicht im Lärm geschieht, sondern oft in der Ruhe. Gottes Gegenwart zeigt sich oft nicht im Dramatischen, sondern im Unspektakulären, im Atemzug, im Gedanken, im stillen Moment. Wahre Führung, Trost und Wahrheit kommen nicht mit Donner, sondern in der Stille, die das Herz hört.
Mein Leben war immer dynamisch. Es gab Zeiten, die wirklich nicht leicht waren, aber aus jeder Etappe im Leben haben wir, Anat und ich, gelernt. Übrigens, bei all dem war Anat das Herzstück unserer Familie, die innere Mitte, die uns trägt und zusammenhält. Ich kann unser Leben in Kapitel unterteilen, und mit jedem Kapitel bin ich im Reinen. Anat und ich sprechen oft darüber. Bereue ich etwas? Vielleicht, aber das bleibt meine Sache. Irgendwann mit Anfang vierzig habe ich verstanden, dass unser Leben keine Generalprobe ist. Es ist jetzt oder nie. Was wir heute verpassen, holen wir später nicht mehr nach.
Ich habe die besten und loyalsten Mitarbeiter bei Israel Heute. Auch sie kommen im Aviel Journal vor. Dov Eilon hat sogar ein Lied komponiert:
So habe ich vor etwa 20 Jahren in der Arbeit bewusst zwei Gänge heruntergeschaltet und dafür in der Familie Vollgas gegeben. Denn nach 18 Jahren sind unsere Kinder keine Kinder mehr. Dieser Moment der Erkenntnis kam leise, aber er traf mich tief. Also habe ich begonnen, nicht mehr nur für sie zu arbeiten, sondern mit ihnen zu leben. In sie zu investieren, in unsere gemeinsame Gegenwart, in Gespräche, Nähe, Zeit. Und genau das haben mir meine Kinder an diesem Abend vorgehalten – auf eine Art, die mich tief berührt hat. Sie haben mir gespiegelt, dass sie es gesehen haben. Dass sie es gefühlt haben. Und dass es für sie Bedeutung hatte.
Ich kenne Menschen, die nur auf die nächste Stufe warten, auf den Himmel, und dabei das Jetzt übersehen. Das bin ich nicht. Ich glaube, wir sollen die Gegenwart genießen, einfach weil das Leben zerbrechlich ist und morgen schon alles anders sein kann. Und genau das haben meine Kinder von mir gelernt, das Jetzt zu würdigen. Dieser Gedanke hat vieles in mir verändert. Das habe ich von David gelernt, König David:
„Dies ist der Tag, den der HERR gemacht; lasst uns froh sein und uns freuen an ihm!“
Jeder einzelne Tag, nicht die Zukunft, nicht das Irgendwann, sondern dieser Tag, ist ein himmlisches Geschenk. Er ruft uns dazu auf, die Gegenwart wahrzunehmen, sie zu würdigen und Freude in ihr zu finden. Es ist eine Einladung, den Augenblick nicht zu verpassen, ihn nicht als selbstverständlich zu betrachten. Das ist eine Form von Glauben, diesen Tag bewusst zu leben. Ich begriff, dass wir hier auf Erden unseren eigenen „begrenzten Himmel“ erschaffen können, besonders in den letzten zwei Kriegsjahren, die uns trotz aller Angst und Gefahr neue Einsichten geschenkt haben.
Ich glaube, dass das Leben nicht nur in den großen Überschriften geschrieben wird, sondern in den kleinen Zeilen dazwischen. In den Menschen, die uns begleiten. In den Momenten, die wir nicht verschieben. In der Gegenwart, die wir bewusst leben. Die politischen Stürme werden weiterziehen, neue Schlagzeilen werden kommen, Herausforderungen werden uns weiter prüfen. Das gehört zum Leben, und darüber schreibe ich mit Leidenschaft in Israel Heute. Und wisst ihr was? Ich bin mir nicht sicher, dass der Krieg in unserer Region wirklich vorbei ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass noch schwereres auf uns zukommen könnte. Aber inmitten all dessen bleibt die leise und dünne Stimme, die uns trägt, die uns an das Wesentliche erinnert. Ich habe gelernt, dass man nicht warten darf, bis das Leben leichter wird, um es zu leben. Man muss es jetzt leben. Heute. In diesem Tag, den der Ewige gemacht hat. Und wenn meine Familie mir an diesem Abend etwas gezeigt hat, dann, dass alles, was wir geben, zu uns zurückkehrt, oft in einer Form, die wir niemals erwartet hätten. Das ist mein Dank. Und das ist mein Segen.






Lieber Aviel,
als treuer Leser, gratuliere ich dir herzlich zum deinem runden Geburtstag. Alles Gute, Gesundheit und vor allem Gottes reichen Segen wünsche ich dir und einen guten Tag mit deiner Familie
Viele Grüße aus Deutschland, von Harald Klingelhöfer
SHALOM
Alles gut zum Geburtstag
Aviel Schneider.
das Alter ist wie der Wein je älter desto besser
Lieber Aviel, liebe ganze Familie Schneider und Familie von IH; Shalom zum Geburtstag und „auf die nächsten 40 Jahre Gottes reichen Segen“. Aus Bayern stammend, trink ich a Bier auf Dich (leider kein Maccabee)
Mazel tov, lieber Aviel, zu deinem Sechzigsten. 2 Gänge zurück? Wir haben eher den umgekehrten Eindruck. Gerade im Rückblick auf die für das Volk Israel so schweren Zeiten. Vielen Dank für deine (immer wahren) verständlichen Erklärungen während dieser Zeit.
Es reut mich immer noch, dass wir euer Freitagsparlament vor einigen Jahren nicht gefunden haben..
בן שישים לזקנהmuss man ja nicht mehr wünschen. Dafür aber: Ad me’ah ve-esrim!
לְשָׁנָה הַבָּאָה בִּירוּשָׁלַיִם
Liebe Grüsse, Andreas & Margot
בבקשה תסלח לי , wenn ich mir angemasst habe, hebräisch zu verdeutschen. Sollte man nicht tun, ich weiss :=))
Danke für diesen so persönlichen und bewegenden Artikel!
Und für die nächsten 60 Jahre natürlich nur das Allerbeste…
Lieber Aviel,
ich gratuliere dir herzlich zu deinem Geburtstag. Ich wünsche dir Gottes Segen, viel Gesundheit und Glück im Kreise deiner wundervollen Familie. Möge der Herr des Weltalls Israel mit Frieden und Ruhe beschenken.
Von ganzem Herzen schicke ich euch die besten Wünsche! Euer Roman Kurzidem.
Shalom lieber Aviel, Shalom liebe Familie Schneider,
schon der Vater war nicht „politisch korrekt“, schon der Ludwig Schneider war authentisch und unbequem. Und ich habe es gemocht und ich mag es heute immer noch. Jedes Mal wenn Aviel’s „Okay, ich sag mal so..“ kommt, weiß ich wieder, dass ich im richtigen Film bin.
Danke Euch sehr für diese familiären und persönlichen Einblicke und möget ihr noch viele frohe Tage wie diesen feiern!
Der Herr segne Euch!
Lieber Aviel, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Gottes reichen Segen, Kraft und Freude wünsche ich Dir 🙏. Vielen Dank für diesen persönlichen Artikel und die Fotos. Das wir an deiner Familie in vielerlei Hinsicht teilnehmen dürfen ist ein großes Geschenk. ISRAEL HEUTE ist zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden und ich danke dem ganzen Team und der Familie Schneider für ihren Einsatz. Gottes Segen für jeden neuen Tag und liebe Grüße aus Deutschland.