Doch das behauptete man bereits vor 100 Jahren. Über Israels Freundeskreis höre ich genau dasselbe, es gebe immer weniger Menschen, die auf Israel Seite stünden. Es heißt, Israel sei ein biblisches und altmodisches Thema, das für die junge Generation bedeutungslos sei.
Als ich zu Weihnachten zwei Festkonzerte des Israelischen Philharmonie Orchesters in Tel Aviv besuchte, waren die Säle rappelvoll. Und dort saßen nicht nur Opas und Omas, sondern mit mir auch weitaus jüngere Menschen. Zum 80-jährigen Jubiläum dirigierte der italienische Dirigent und Meister Riccardo Muti dieselben Konzertstücke, die 1936 die Legende Arturo Toscanini in seinem Eröffnungskonzert in Tel Aviv aufgeführt hatte. Darunter Brahms 2. Sinfonie und Mendelssohns Sommernachtstraum. Am zweiten Konzertabend stand Vivaldi und seine vier Jahreszeiten auf dem Programm, jeweils vier weltberühmte Geigenvirtuosen, darunter Pinchas Zuckermann, spielten die vier Stücke. Ganz in der Musik versunken, driftete ich in Gedanken in die Vergangenheit. Ich stellte mir Tel Aviv und Toscanini im schwarzweißen Stummfilm vor. Drei Jahre vor dem Eröffnungskonzert hatte die NS-Führung in Deutschland einen Judenboykott beschlossen. Von einer Judenvernichtung und dem Holocaust war 1936 noch nicht...
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