„Kultur ist das Gedächtnis einer Nation, es ist ein gemeinsames Bewusstsein, eine historische Kontinuität und die Art, wie sie denkt und lebt.“ (Milan Kundera)
Weder Militär noch Wirtschaft machen den Charakter einer Nation aus, sondern die Kultur. Unter diesem Gesichtspunkt trifft der Lärm, der um die Religionisierung gemacht wird und derzeit die Medien überflutet, mitten ins Herz der israelischen Identität. Mehr noch als Debatten über Glauben und Säkularität, Liberalismus und Konservatismus, Judentum und Demokratie – bei Religionisierung geht es um den kulturellen Charakter Israels.
Das Zionistische Projekt, auf den Gründerstaat, die Armee und die Wirtschaft fokussiert, vernachlässigte nicht nur die Errichtung einer neuen israelischen Kultur, sondern beseitigte auch systematisch die existierende jüdische Kultur, um das Vermächtnis der jüdischen Opferrolle ein für alle mal loszuwerden. Die Scheu vor einem historischen jüdischen Kulturerbe zugunsten eines „neuen Juden“ im Schmelztiegel Naher Osten scheiterte kläglich und führte zu einer ernsten kulturellen Krise, unter deren Auswirkungen wir jetzt leben.
Am Herzen dessen, was es heißt, Israeli zu sein, liegt eine...
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