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Wer kein Auto hat, muss am Shabbat zuhause bleiben, oder?

Viele Israelis waren auch am vergangenen Wochenende wieder im ganzen Land unterwegs. Einige fuhren zu einem der vielen Strände des Landes, andere fuhren in einen der zahlreichen Parks zum Wandern oder besuchten die Familie oder Freunde in einer anderen Stadt. Dieses Privileg haben aber nicht alle Menschen in Israel.

Viele Israelis waren auch am vergangenen Wochenende wieder im ganzen Land unterwegs. Einige fuhren zu einem der vielen Strände des Landes, andere fuhren in einen der zahlreichen Parks zum Wandern oder besuchten die Familie oder Freunde in einer anderen Stadt. Dieses Privileg haben aber nicht alle Menschen in Israel.

Bild: Ein von der Meretz-Partei organisierter „Shabbat-Bus“ (Foto:Oren Nahshon /Flash90)

Um am Wochenende, am Shabbat, mit der Familie einen Ausflug zu machen, oder vielleicht die Familie in einer anderen Stadt zu besuchen, braucht man ein Auto. Es gibt viele Menschen, die es sich nicht leisten können, ein Auto zu haben. Im Alltag ist das nicht so schlimm, man kann mit dem Bus oder der Bahn zur Arbeit fahren. Doch am Shabbat bleibt einem nichts anderes übrig, als zuhause zu bleiben, ob man will oder nicht. Ohne Auto geht nichts. Nun stellt sich die Frage, ob das in Ordnung ist. Oft ist der Shabbat der einzige Tag, an dem man Zeit hat, die Eltern oder Großeltern zu besuchen oder mit der Familie einen schönen Tag in der Natur zu verbringen. Warum können die Menschen, die ein Auto haben, sich frei im Land bewegen, während diejenigen, die sich kein eigenes Auto leisten können, quasi zuhause unter „Hausarrest“ stehen?

Das Thema ist nicht neu. Immer wieder kommt es ins Gespräch, die Forderung nach öffentlichen Verkehrsmitteln am Shabbat. In der letzten Woche gab es in Tel Aviv eine Demonstration für den Betrieb öffentlicher Verkehrsmittel am Wochenende.

Demonstration für öffentliche Verkehrsmittel am Shabbat, letzte Woche in Tel Aviv (Foto:Tomer Neuberg/Flash90)

Den orthodoxen Juden gefällt das natürlich überhaupt nicht, der Shabbat würde entehrt werden. Auch ein Ausschuss der Knesset für den öffentlichen Verkehr hat sich vor einigen Tagen mit dem Thema beschäftigt. Dabei meinte der Vorsitzende des Ausschusses, Dov Chanin, dass es sich hierbei nicht um einen Streit zwischen religiösen und nicht religiösen Juden handeln würde, man wolle die orthodoxen Juden nicht verletzen. Aber es sei an der Zeit, an einer neuen Regelung für den „israelischen Shabbat“ zu denken. Es könne nicht sein, das wer kein Geld hat, dazu verurteilt sei, zuhause zu bleiben. Wenn das Verkehrsministerium nicht wisse, mit diesem Problem umzugehen, sollten sich die Städte und Gemeinden damit auseinandersetzen, sagte er. Es gebe keinen Grund, dass Tel Aviv wie die Stadt Bnei Brak (eine vorwiegend von orthodoxen Kuden bewohnte Stadt) behandelt werde.

Der Abgeordnete der orthodoxen Partei „Jahadut HaTora“, Israel Eichler, sprach sich erwartungsgemäß gegen Busse am Shabbat aus. Außerdem solle man sich erst einmal um einen anständigen öffentlichen Verkehr an den Wochentagen kümmern, sagte er.

Die Stiftung „Hiddush“ für freie Religionsausübung und Gleichberechtigung hatte eine Meinungsumfrage zum Thema durchgeführt und die Ergebnisse bei der Sitzung des Knessetausschusses vorgestellt. Demnach sprechen sich 73% der jüdischen Bevölkerung für die Einführung öffentlicher Verkehrsmittel am Shabbat aus. Interessant ist, dass sich auch 7% der Wähler der orthodoxen Partei „Jahadut HaTora“ für öffentliche Verkehrsmittel am Shabbat ausgespriochen hatten, 55% der Wähler der Partei „Das Jüdische Haus“ unterstützen ebenfalls den Betrieb von Bussen am Shabbat.

In der Stadt Haifa hat es als einzige Stadt in Israel immer einen beschränkten Busverkehr auch am Shabbat gegeben. Das liegt daran, dass Haifa schon vor der Staatsgründung eine gemischte Stadt gewesen war. Moslemische und jüdische Busgesellschaften konkurrierten um die Fahrgäste. Und das ist immer so geblieben, ohne das es Beschwerden seitens der orthodoxen Juden gibt.

Der Bürgermeister von Tel Aviv Ron Chuldai hatte sich schon vor Jahren für die Einführung eines Busverkehrs am Shabbat ausgesprochen. Die Entscheidung dafür liegt aber in den Händen des Verkehrsministeriums.

Unterdessen gibt es in verschiedenen Städten immer mehr private Initiativen, die Busse am Wochenende organisieren, um Bürgern, die kein Auto haben, zu ermöglichen, am Wochenende nach Tel Aviv an den Strand zu fahren. Dabei handelt es sich nicht um Busse, die rund um die Uhr fahren, sondern meistens um einen Bus, der morgens nach Tel Aviv fährt und am frühen Abend wieder zurück. Dadurch gibt man auch den finanziell schwächer gestellten Bevölkerungsschichten, die Möglichkeit, den Shabbat am Strand in Tel Aviv zu verbringen.

”Shabbus”, eine der Organisationen, die Busse am Shabbat organisieren.

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Patrick Callahan

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