Naher Osten

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USA und Iran verhandeln über den Libanon – Israel bleibt außen vor

Die erste Gesprächsrunde zwischen Washington und Teheran in der Schweiz brachte einen neuen Koordinierungsmechanismus für den Libanon hervor. In Jerusalem wird aufmerksam verfolgt, welche Folgen dies für die Sicherheitslage an Israels Nordgrenze haben könnte.

Libanon
US-Vizepräsident JD Vance beim Lake Lucerne Summit im schweizerischen Bürgenstock, wo Vertreter der USA und des Iran unter Vermittlung Katars und Pakistans über die Umsetzung des vorläufigen Friedensabkommens verhandeln. 21. Juni 2026. Foto: EPA/URS FLUEELER / POOL

Die erste Runde der direkten Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist am frühen Montagmorgen in der Schweiz zu Ende gegangen. Die Vermittlerstaaten Katar und Pakistan bezeichneten die Verhandlungen als konstruktiv und kündigten an, dass die Gespräche in den kommenden Tagen auf technischer Ebene fortgesetzt werden sollen.

An den Gesprächen nahmen auf amerikanischer Seite unter anderem US-Vizepräsident JD Vance und der Sondergesandte Steve Witkoff teil. Die iranische Delegation wurde von Außenminister Abbas Araghchi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf angeführt. Ziel der Gespräche ist es, die jüngst begonnene diplomatische Annäherung zwischen Washington und Teheran in konkrete Vereinbarungen zu überführen.

Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur das iranische Atomprogramm oder die Frage möglicher Sanktionserleichterungen. Nach Angaben der Vermittler verständigten sich die Teilnehmer auch auf die Einrichtung eines neuen Koordinierungsmechanismus für den Libanon. Dieser soll dazu beitragen, militärische Zwischenfälle zu vermeiden und die Bemühungen um eine Stabilisierung der Lage im Libanon zu unterstützen.


Besonders aufmerksam wird in Jerusalem verfolgt, dass Israel in den bislang veröffentlichten Angaben zu diesem Mechanismus nicht als Teilnehmer genannt wird. Da die Sicherheitslage im Südlibanon unmittelbar die Nordgrenze Israels betrifft, stellt sich aus israelischer Sicht die Frage, wie eine dauerhafte Stabilisierung erreicht werden soll, ohne dass Israel direkt in den Prozess eingebunden ist.

Die Sorge kommt nicht von ungefähr. Die vom Iran unterstützte Hisbollah verfügt trotz der schweren Rückschläge der vergangenen Monate weiterhin über militärische Fähigkeiten im Libanon. Gleichzeitig hält die israelische Armee ihre Präsenz in sicherheitsrelevanten Bereichen entlang der Grenze aufrecht und betont, dass sie auch künftig gegen Bedrohungen vorgehen werde.

Verteidigungsminister Israel Katz erklärte zuletzt erneut, dass Israel seine Sicherheitsinteressen unabhängig von internationalen Vereinbarungen verteidigen werde. Die Handlungsfreiheit der israelischen Streitkräfte bleibe eine zentrale Voraussetzung für die Sicherheit der Bewohner Nordisraels.

 Neben dem Libanon-Thema verständigten sich die USA und der Iran auf die Fortsetzung weiterer Gespräche über das iranische Atomprogramm, mögliche Sanktionserleichterungen sowie Mechanismen zur Überwachung künftiger Vereinbarungen. Nach Angaben der Vermittler soll in den kommenden Wochen ein Fahrplan für die nächsten Verhandlungsphasen ausgearbeitet werden.

JD Vance zeigte sich nach den Gesprächen demonstrativ optimistisch. Der US-Vizepräsident sprach von einer Gelegenheit, „ein neues Kapitel“ in den Beziehungen zwischen Washington und Teheran aufzuschlagen. Nach seinen Worten gehe es nun darum, auf den bisherigen Fortschritten aufzubauen und weitere Stabilität im Nahen Osten zu erreichen. Dabei verwies er insbesondere auf die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus sowie auf die laufenden Bemühungen zur Lösung der offenen Streitpunkte rund um das iranische Atomprogramm.

Auch die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus spielte bei den Gesprächen eine wichtige Rolle. Nach den Spannungen der vergangenen Wochen vereinbarten beide Seiten zusätzliche Kommunikationskanäle, um Zwischenfälle in der strategisch bedeutenden Wasserstraße zu vermeiden.

Der Auftakt der Verhandlungen verlief allerdings nicht ohne Spannungen. US-Präsident Donald Trump hatte den Iran öffentlich aufgefordert, seinen Einfluss auf verbündete Gruppen in der Region geltend zu machen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Aus Teheran folgten kritische Reaktionen, dennoch wurden die Gespräche fortgesetzt.


Trotz der Differenzen werteten beide Seiten die erste Gesprächsrunde als Fortschritt. Beobachter sehen darin ein Zeichen dafür, dass sowohl Washington als auch Teheran ein Interesse daran haben, die jüngst eingeleitete diplomatische Annäherung nicht scheitern zu lassen.

Ob die nun eingeleiteten diplomatischen Schritte tatsächlich zu einer dauerhaften Stabilisierung der Region führen, bleibt offen. Für Israel steht dabei weniger die Frage im Vordergrund, ob Washington und Teheran miteinander sprechen. Entscheidend wird sein, ob die Gespräche zu einer tatsächlichen Schwächung der vom Iran unterstützten Stellvertreterorganisationen führen – oder ob am Ende neue Vereinbarungen entstehen, während die Bedrohung durch die Hisbollah an Israels Nordgrenze bestehen bleibt.

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Patrick Callahan

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