In den Fluren arabischer Hauptstädte tuschelt man über einen von Israel angeblich angestrebten „David-Korridor“, der antike, biblische Entwürfe mit moderner Machtpolitik verwirklichen will. Ob Realität oder Projektion: Das Reich eines Königs David, unter dem Jerusalem nicht nur Zentrum eines kleinen Volkes, sondern Machtpol einer ganzen Region war, ist für viele in der arabischen Welt mehr als nur geopolitische Phantasterei. Wie ein Gespenst aus der Vergangenheit spukt dieses angeblich von Israel verfolgte Projekt, einen Landkorridor vom Norden Israels über Südsyrien bis in die kurdischen Gebiete im Irak zu schaffen. Ob dieser Plan existiert, ist unklar. Aber dass er überhaupt diskutiert wird, sagt viel über die politischen Spannungen und historischen Ängste im Nahen Osten.
Klein ist die Welt, und kurz ist der Weg vom biblischen David zur modernen Geopolitik. Der Arbeitstitel „David-Korridor“ ist kein Zufall. König David, der im 10. Jahrhundert v. Chr. in Jerusalem regierte, schuf ein Reich, das sich von Dan im Norden bis Beerscheba im Süden erstreckte und dessen Einfluss laut den biblischen Texten bis an den Euphrat reichte (2. Samuel...
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