all

all

Werden die palästinensischen Proteste die Hamas stürzen?

Die Proteste gegen das brutale Hamasregime im Norden des Gazastreifens nehmen zu und zeigen eine neue Wende im Streifen.

Hamas
Khan Yunis im südlichen Gazastreifen. Foto von Abed Rahim Khatib/Flash90

Heute ist ein entscheidender Tag. Gestern verbreiteten sich zahlreiche Videos aus dem Gazastreifen in sozialen Netzwerken und Medien, die einen Wendepunkt innerhalb der palästinensischen Zivilbevölkerung offenbaren: Palästinenser protestieren laut und offen vor laufenden Kameras gegen ihr eigenes Regime, die Hamas.

Hunderte Einwohner von Beit Lahia gingen bei Sonnenuntergang auf die Straße, zudem wurde von weiteren Protesten nach Einbruch der Dunkelheit im Flüchtlingslager Jabalia und in Khan Yunis berichtet. In den meisten Videos rufen die Palästinenser „Barra Hamas, Barra Hamas – Hamas raus“. Palästinenser sagen vor der Kamera, dass Hamas den Gazastreifen ruiniert hat und sie leben wollen. Es ist ihnen egal, wer sie regiert, Sudaner oder andere, nur nicht Hamas.


Die Bewohner des Gazastreifens, die zumindest öffentlich dazu neigen, Israel für den Tod, die Zerstörung und den Hunger verantwortlich zu machen, den der Krieg gebracht hat, demonstrierten erstmals in einer seltenen Protestaktion gegen die Hamas. Die Welt hat sich nach 17 Monaten Krieg daran gewöhnt, von pro-palästinensischen Demonstrationen zu berichten, und in den internationalen Medien wird Israel meist für die Folgen des Krieges im Gazastreifen verantwortlich gemacht. Doch nachdem gestern Hunderte Palästinenser erstmals gegen die Hamas demonstrierten, blieb die internationale Reaktion nicht aus. Auch in der arabischen Welt wurde über die Proteste berichtet, und die saudische Zeitung Asharq Al-Awsat, die in London erscheint, widmete dem Thema sogar ihre Titelseite. Auf der Schlagzeile stand: „Gaza: Demonstrationen gegen die Hamas fordern ein Ende des Krieges“, und darunter waren Bilder von den gestrigen Protesten zu sehen.

Der saudische Sender Al-Hadath Al-Arabiya veröffentlichte neue Aufnahmen aus Beit Lahia im Norden des Gazastreifens, in denen Palästinenser ausdrücklich rufen: „Hamas Barra, Hamas Barra, Hamas raus, Hamas raus“. Auch hissen die Palästinenser die weiße Flagge, ein Zeichen zum Aufgeben.

 

In anderen Videos sind Palästinenser zu hören, die den katarischen Sender Al-Jazeera nicht mehr im Gazastreifen haben wollen. Auch die Palästinenser im Gazastreifen haben nun verstanden, dass Al-Jazeera, der der Hamas nahe steht, nur noch mehr Benzin ins Feuer gießt und nicht die Wahrheit meldet. Saudische Netzwerke und Medien meldeten von den palästinensischen Protesten gegen Hamas, der katarische Sender nicht.

 

Auch verschiedene arabische Sender veröffentlichten Videos von den Protesten, die von Palästinensern aus dem Gazastreifen verbreitet wurden. Beim saudischen Sender Al-Hadath wurde gestern ein ranghoher palästinensischer Vertreter zitiert, der erklärte, die Proteste dürften sich ausweiten. Der ägyptische Journalist Ahmed Moussa sagte in seiner Sendung beim ägyptischen Sender Sada El-Balad, dass „die Forderungen der Bewohner des Gazastreifens das tägliche Leid des palästinensischen Volkes angesichts der zunehmenden Krisen widerspiegeln“. Er forderte die Hamas auf, auf die Stimmen der Bevölkerung zu hören und das Feuer einzustellen, um „zu retten, was vom Gazastreifen noch übrig ist“.


Die BBC, die seit Ausbruch des Krieges eine deutlich israelkritische Linie verfolgt, berichtete über „die größte Protestaktion gegen die Hamas seit Beginn des Krieges, als Hunderte Menschen auf die Straßen gingen und von der Organisation forderten, die Macht abzugeben“. Der britische Sender, der die Hamas nicht als Terrororganisation bezeichnet, berichtete weiter: „Bewaffnete und maskierte Hamas-Kämpfer, einige mit Schusswaffen, andere mit Schlagstöcken, lösten die Demonstration gewaltsam auf und griffen einige der Protestierenden an“.

Die mit der Hamas verbundene Nachrichtenagentur Shehab aus dem Gazastreifen versucht, eine Online-Kampagne voranzutreiben, in der jeder, der regierungskritische Inhalte veröffentlicht, als Teil des „Mediennetzwerks von Israels Armeesprecher in Arabisch Avichay Adraee“ abgestempelt wird. Shehab hat die gestrigen Proteste im Norden des Gazastreifens vollständig ignoriert und nicht darüber berichtet. Nun versucht die Agentur jedoch, gegen die Proteste vorzugehen – ohne überhaupt zu erwähnen, dass sie stattgefunden haben.

Wie geht es weiter? Der bemerkenswerteste Aspekt der Proteste war bisher ihr bloßes Stattfinden – und die Tatsache, dass offen und mit großem Mut Rufe gegen die Hamas laut wurden, und das mit unbedeckten Gesichtern. Das ist etwas Neues. Jetzt müssen wir sehen, ob die öffentlichen Proteste nur eine einmalige Sache waren oder ob sie auch heute weitergehen. Werden die Proteste an Dynamik gewinnen und immer mehr Menschen im Gazastreifen mitreißen? Wie viele Bewohner des Gazastreifens sind wirklich mutig genug, öffentlich gegen die Hamas aufzutreten? Werden sich weitere Regionen des Gazastreifens den Protesten anschließen? Wird es der Hamas gelingen, die Demonstrationen – und sie weiß sehr genau, wie – gewaltsam niederzuschlagen? Werden die Demonstrierenden es schaffen, die Bewegung am Laufen zu halten?


Die Chancen, das zeigt die Erfahrung, stehen gegen die Demonstranten im Gazastreifen. Es kann gut sein, dass Hamas gegen die nächsten Proteste brutal vorgehen wird, und brutal heißt, auf ihre Geschwister zu schießen. Inwiefern wird Fatah mitmischen, um das Hamasregime zu stürzen?

Der Beginn der Proteste war zweifellos ein gutes Indiz für die Wirksamkeit des israelischen Drucks auf den Gazastreifen. Doch es ist noch zu früh, von einem „Arabischen Frühling im Gazastreifen“ zu sprechen, der zum langersehnten Sturz der Hamas führen könnte. Israels militärischer Druck auf den Gazastreifen muss mit aller Kraft weitergeführt werden. Israel darf auf keinen Fall die palästinensischen Proteste im Gazastreifen umarmen oder offen unterstützen. Natürlich versucht die Hamas, die Legitimität der Proteste zu untergraben, indem sie diese als Zusammenarbeit mit Israel darstellt.

About the author

Patrick Callahan

This is an example of author bio/description. Beard fashion axe trust fund, post-ironic listicle scenester. Uniquely mesh maintainable users rather than plug-and-play testing procedures.

Mitglieder

Israel Heute Mitgliedschaft


Digital Monatlich Digital Jährlich Print + Digital (Deutschland) Print + Digital (International)
Preis
6.90
/ Monat

(€82,80 Jährlich)
51,00
/ Jahr
63,00
/ Jahr
73,00
/ Jahr
Voller Zugang zu allen Mitglieder-Inhalten
Gedrucktes Magazin (6 Ausgaben pro Jahr)
Magazin als E-Paper
Exklusive Zoom-Veranstaltungen
Werbefreies Lesen
Kostenloser Probemonat
Ersparnis gegenüber dem Monatsabo - 38,41% / €31,80 23,91% / €31,80 11,84% / €31,80
Effektiver Jahrespreis €82,80 €51,00 €63,00 €73,00

Ein Kommentar zu “Werden die palästinensischen Proteste die Hamas stürzen?”

  1. Roland Kunz sagt:

    Der Paradigmenwechsel allein schon macht Hoffnung. Aber noch ist die Demo erst ein laues Lüftchen. Sollte die Hamas tatsächlich dereinst abdanken, so müsste sie sich physisch aus dem Gazastreifen entfernen oder entfernt werden. Aber niemand will die haben, wahrscheinlich nicht mal Teheran. Und selbst wenn sie entfernt würde, so ist der Virus des Hasses tief in diesem Landstreifen verankert. Denn Wut gegen die Hamas ist nicht gleichzusetzen mit Sympathie für Israel. Mittelfristig gibt es nur eine radikale Entfernung aller Palästinenser aus Gaza, Samaria und Judäa. Die Halbinsel Sinai, welche Israel nach dem Friedensvertrag mit Ägypten zurück gegeben hat, bietet genug Platz zur Aufnahme der Palästinenser.

Schreibe einen Kommentar

Anmelden