
Dov Eilon
Schon wieder beginnt eine neue Woche. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell die Zeit vergeht. Wir leben von Wochenende zu Wochenende, es fühlt sich an, als würden wir uns auf der Stelle bewegen. Kennen Sie diesem Kinofilm, wo der Hauptdarsteller jeden Morgen am selben Tag erwacht und dann alles wieder von vorne erleben muss? Irgendwie erinnert mich unsere momentane Situation daran. Heute beginnt schon wieder eine neue Woche, im Radio werden wieder die Geschichten der gefallenen Soldaten erzählt und daran erinnert, dass sich noch immer 134 Geiseln in der Gewalt der Hamas Terroristen befinden. Und auch über einen eventuellen Geiseldeal wird gesprochen, genau so, wie in der letzten Woche oder in der Woche davor oder die davor. Es ist so, als würde die Zeit seit dem 7. Oktober stillstehen, wir befinden uns in einem Loop, aus dem wir keinen Ausweg finden. Woche für Woche, Wochenende nach Wochenende, ein Schabbat nach dem anderen, Tag für Tag.
Um etwas aus diesem Trott herauszukommen, haben wir entschlossen, endlich mal wieder unseren Sohn in Tel Aviv zu besuchen. Bis jetzt war er immer zusammen mit seiner Frau und den beiden Hunden zu uns gekommen. Jetzt war es an der Zeit, etwas zu verändern, etwas in die Normalität zurückzukehren. Dabei wurde mir klar, dass ich seit dem 30. September nicht mehr in Tel Aviv gewesen war. Damals haben wir zusammen mit unseren drei Kindern einen schönen Tag am Strand von Tel Aviv verbracht, genau eine Woche vor dem 7. Oktober, als alles anders wurde. Am 7. Oktober kam unser normaler Alltag zum Stillstand. Und erst jetzt scheinen wir zu versuchen, wieder etwas in unsere alte Normalität zurückzukehren.
Es war schön, wieder nach Tel Aviv zu fahren. Während wir unterwegs waren, bekam ich von unserem Sohn eine Anleitung, welche Parkplätze ich zuerst anfahren sollte, um einen Platz zu ergattern. Sie erinnern sich vielleicht, ein freier Parkplatz in Tel Aviv ist etwas ganz Besonderes. Wir brauchten fast 50 Minuten bis Tel Aviv und das, obwohl ich über die sogenannte „Fast Lane“ gefahren bin. Ohne die hätte unsere Fahrt noch mindestens eine weitere halbe Stunde gedauert. Auch das gehört zur Normalität. Als wir schließlich den ersten Parkplatz der Liste meines Sohnes erreichten, traute ich meinen Augen nicht, als ich einen freien Platz sah. Wir hatten Glück. Und das machte mich glücklich, wirklich. Einen freien Parkplatz in Tel Aviv am Freitagmittag zu finden, löst bei mir ein enormes Glücksgefühl aus. Es ist verrückt, ich weiß.

Siehe: Guten Morgen Israel – Die Tel Aviver und der Parkplatz
Nach einem kurzen Fußweg erreichten wir dann die Wohnung unseres Sohnes, der mit einem der beiden Hunde vor dem Eingang auf uns wartete. Wir sind eine Ewigkeit nicht mehr bei ihm zu Hause gewesen. Als erste zeigte er uns den öffentlichen Schutzraum, der sich praktischerweise direkt gegenüber in einem Park befindet. In Tel Aviv haben die meisten Wohnungen keinen eigenen Schutzraum, denn die Häuser im Zentrum der Stadt sind alt. Erst seit den neunziger Jahren ist es Pflicht, Wohnungen mit einem eigenen Schutzraum zu bauen. In Tel Aviv gab es seit dem 7. Oktober unzählige Raketenalarme. Und jedes Mal musste man dann in den Schutzraum gegenüber rennen, zusammen mit zwei Hunden, die den schrillen Ton der Sirenen überhaupt nicht gerne haben. Seit einiger Zeit ist es endlich ruhig geworden.
Nach dem Mittagessen sind wir dann alle zusammen etwas spazieren gegangen. Es war wirklich komisch, so lange nicht in Tel Aviv gewesen zu sein. Während wir dann durch die Straßen spazierten, sagte ich unserem Sohn, dass ich jetzt verstanden habe, warum es ihn nach einer kurzen Zeit in seiner eigenen Wohnung in Modiin wieder zurück nach Tel Aviv gezogen hatte. Die Stadt lebt, hat eine ganz besondere Atmosphäre. An jeder Ecke gibt es kleine Cafés, die Straßen sind voll, es gibt enorm viele Menschen, die mit ihren Hunden spazieren gehen. Tel Aviv gilt als eine der hundefreundlichsten Städte weltweit. Und das spürt man. Ein Hund scheint auch ein wunderbarer Weg zu sein, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Wer weiß, vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum es dort so viele Hunde gibt.
Wir waren auf dem Ben Gurion Boulevard unterwegs, eine der schönsten Straßen meiner Meinung nach, mit einer tollen Atmosphäre. Und dann trafen wir auch David Ben Gurion und seine Frau vor ihrem Haus.


Wir gingen dann weiter bis zum Strand, wo wir einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben durften. Ich erinnerte mich an frühere Zeiten, als ich zum ersten Mal zusammen mit meiner Mutter und Schwester in Tel Aviv war. Unsere erste Nacht hatten wir in einem Hotel an dem Nordau Boulevard verbracht, gleich gegenüber vom sogenannten „Gan HaAtzmaut“, dem Park der Unabhängigkeit. Dass mein Sohn in der Zukunft genau in dieser Gegend wohnen würde, das hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können. Doch schon vier Jahre nach dieser ersten Nacht in Tel Aviv zog ich für immer nach Israel, der Rest ist Geschichte.

Ganze drei Stunden sind wir durch die Straßen geschlendert. Dann war es an der Zeit, sich zu verabschieden. Es war ein toller Tag und ich bin mir ganz sicher, dass bis zu unserem nächsten Besuch in Tel Aviv keine 5 Monate vergehen werden. Als ich dann aus dem Parkplatz fuhr, bekam ich eine SMS mit der Summe, die mich das Parken gekostet hat. Satte 80 Schekel. Willkommen in Tel Aviv.
Nach etwas mehr als einer halben Stunde hatten wir wieder unser ruhiges Modiin erreicht. Genauso wie ich die Action in Tel Aviv mag, so liebe ich die Ruhe in Modiin, die gestern Abend allerdings von einer Demonstration vor dem Haus des Justizministers gestört wurde. Ja, auch hier scheint man zu versuchen, in die Normalität zurückzukehren, was schade ist. Denn einen neuen Streit innerhalb unseres Volkes, eine Spaltung mitten im Krieg, das ist das Letzte, was wir gebrauchen können.
Ich wünsche Ihnen und uns eine gute neue Woche.





Lieber Dov, danke das sie uns mitgenommen haben bei ihrem Besuch in Tel Aviv. Musste ersteinmal Schenkel in Euro umrechnen. Wow, das ist heftig! Hoffentlich bleibt es überall ruhiger und weniger Sirenen. Gott segne und behütete sie und ihre Familie sowie das gesamte ISRAEL HEUTE Team.
Liebe Grüße aus Deutschland