Der Staat Israel wird die volle Sicherheitskontrolle über das gesamte Gebiet westlich des Jordans behalten, nachdem er seine Ziele der Entmilitarisierung des Gazastreifens und der Rückgabe der dort festgehaltenen Geiseln erreicht hat, bekräftigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer Erklärung am Sonntagabend.
Der Krieg gehe „an allen Fronten und in allen Bereichen“ weiter, so Netanjahu. „Wir gewähren keinem Terroristen Immunität – weder im Gazastreifen noch im Libanon, in Syrien oder anderswo. Jeder, der versucht, uns zu schaden, wird von uns zurückgeschlagen werden“.
„Was unsere Geiseln betrifft, so haben wir bisher 110 von ihnen zurückgebracht, und wir sind entschlossen, sie alle zurückzubringen. Das ist eines der Ziele des Krieges, und militärischer Druck ist eine wesentliche Voraussetzung, um dies zu erreichen“, fuhr er fort.
Netanjahu sagte, er lehne die „Kapitulationsbedingungen der Hamas-Monster kategorisch ab. Als Gegenleistung für die Freilassung unserer Geiseln verlangt die Hamas ein Ende des Krieges, den Rückzug unserer Truppen aus dem Gazastreifen, die Freilassung aller Mörder und Vergewaltiger von Nukhba und die Unversehrtheit der Hamas“.
„Wenn wir dem zustimmen, sind unsere Soldaten umsonst gefallen. Wenn wir dem zustimmen, werden wir nicht in der Lage sein, die Sicherheit unserer Bürger zu garantieren. Wir werden nicht in der Lage sein, die Evakuierten sicher in ihre Häuser zurückzubringen, und der nächste 7. Oktober wird nur eine Frage der Zeit sein“, so der Ministerpräsident.
Der hochrangige Hamas-Funktionär Mohammed Nazzal stellte am Montag gegenüber arabischen Medien klar, dass ein dauerhafter Waffenstillstand im Gazastreifen und der Abzug der israelischen Streitkräfte keine Bedingungen für die Freilassung der israelischen Geiseln seien. Sie seien Vorbedingungen, die erfüllt sein müssten, bevor die Hamas überhaupt Verhandlungen über die Freilassung israelischer Geiseln aufnehmen werde.
In Anspielung auf Berichte, wonach er in einem Telefonat mit US-Präsident Joe Biden am Samstag einen palästinensischen Staat nicht ausgeschlossen habe, sagte Netanjahu: „Ich habe Präsident Biden diese Punkte in unserem Gespräch am Wochenende mitgeteilt. Ich schätze die Unterstützung der USA für Israel sehr und habe dies dem Präsidenten gegenüber zum Ausdruck gebracht. Dennoch bleibe ich bei unseren vitalen Interessen“.
Prime Minister Benjamin Netanyahu:
„We are continuing the war on all fronts and in all sectors. We are not giving immunity to any terrorist: Not in Gaza, not in Lebanon, not in Syria and not anywhere. Whoever tries to harm us, we will harm him.https://t.co/72A627wpQA pic.twitter.com/mZe5OmyvvH— Prime Minister of Israel (@IsraeliPM) January 21, 2024
Wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth am Wochenende unter Berufung auf hohe israelische Beamte berichtete, fordert die Hamas ein vollständiges Ende des Krieges als Teil eines Abkommens zur Freilassung der im Gazastreifen verbliebenen Geiseln. Außerdem verlangt die Terrorgruppe den vollständigen Rückzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen und internationale Garantien, dass sie im Gazastreifen an der Macht bleiben kann.
Nach Angaben der israelischen Armee (IDF) werden 136 der 240 Geiseln, die bei dem Hamas-Massaker am 7. Oktober entführt wurden, noch im Gazastreifen festgehalten, wobei viele von ihnen vermutlich nicht mehr am Leben sind. Die israelischen Streitkräfte entdeckten am Samstag einen großen Tunnel unter Khan Yunis im südlichen Gazastreifen, in dem etwa 20 Geiseln festgehalten wurden.
Am Sonntagabend veröffentlichte die IDF weiteres Videomaterial über das ausgedehnte Tunnelsystem unter der Hamas-Hochburg.
Siehe: Matratzen, Gittertüren und Kinderzeichnungen – ein Abstieg in die Hölle
In einer separaten Erklärung erklärte der israelische Verteidigungsminister Yoav Galant am Sonntagabend, dass die israelischen Truppen in der Gegend von Khan Yunis weiterhin „mit Gewalt“ vorgingen, und fügte hinzu, dass die Militäroperation dort „ausgeweitet“ werde.
„Die Pilzwolken der Panzer, der Artillerie und der Flugzeuge der Luftwaffe werden den Himmel über Gaza weiterhin verdunkeln, bis wir unsere Ziele erreicht haben, zu denen vor allem die Zerschlagung der Hamas und die Rückkehr der Geiseln in ihre Häuser gehören“, sagte Gallant nach einem Flug über Gaza.
פטריות העשן יכסו את שמי רצועת עזה עד שנשיג את מטרותינו.
סיירתי היום בשמי הרצועה יחד עם מפקד טייסת 100 – הפעולה שלנו תתעצם, ותביא להישגים נוספים בזכות התיאום בין כוחות האוויר לקרקע. pic.twitter.com/PVykYvvfzv
— יואב גלנט – Yoav Gallant (@yoavgallant) January 21, 2024
Am 15. Januar berief Galant eine Pressekonferenz ein, um das bevorstehende Ende der schweren Kämpfe im südlichen und nördlichen Gazastreifen zu verkünden. „Die intensive Manöverphase im Norden des Gazastreifens ist beendet, und auch im Süden wird sie bald zu Ende sein“, sagte der Verteidigungsminister vor Journalisten.
Galants Ankündigung erfolgte einen Tag, nachdem die 36. Division – die größte reguläre Panzerdivision der IDF, zu der auch die Golani-Infanteriebrigade gehört – den Gazastreifen zu Erholungs- und Trainingszwecken verlassen hatte. Die IDF kündigte daraufhin an, dass auch die verdeckte Antiterroreinheit Duvdevan den Gazastreifen verlassen und an ihren regulären Standort in Judäa und Samaria zurückkehren werde.
Derzeit verbleiben drei Divisionen im Gazastreifen, bestätigte IDF-Sprecher Konteradmiral Daniel Hagari bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend.
Soldaten der Yiftah-Brigade der IDF, die im Lager Al-Maghazi im Zentrum des Gazastreifens operieren, haben Dutzende von Hamas-Terroreinrichtungen geplündert, die in die zivile Infrastruktur eingebettet sind, teilte das Militär am Sonntag in einer Erklärung mit.
Während der Operation feuerten Hamas-Terroristen eine Panzerfaust auf einen der Panzer der Einheit ab, so die IDF. Die Truppen entdeckten die Terrorgruppe hinter dem Angriff, erwiderten das Feuer und forderten einen Luftangriff an.
Panzer- und Kampftruppen stießen auf eine Waffenproduktionsstätte in dem Lager. In einem nahe gelegenen Olivenhain wurde ein geladener Raketenwerfer gefunden, der bereit war, auf israelisches Gebiet zu feuern.
Rund 15 Millionen Schekel (ca. 3,6 Millionen Euro), die von israelischen Streitkräften in Hamas-Büros in Gaza beschlagnahmt wurden, sollen an die Staatskasse überwiesen werden, teilte das Verteidigungsministerium am Sonntag mit.
Außerdem sollen rund eine Million Dollar in ägyptischer, jordanischer und irakischer Währung überwiesen werden. Seit Beginn des Krieges vor drei Monaten wurden mehr als 20 Millionen Schekel (4,8 Millionen Euro) beschlagnahmt, gezählt und an die Finanzabteilung des Verteidigungsministeriums überwiesen.
Die IDF gab am Sonntag auch den Tod des 19-jährigen Staff Sgt. Shay Levinson aus Givat Avni im Norden Israels bekannt. Levinson, der im 77. „Oz“-Bataillon der 7. Panzerbrigade diente, wurde am 7. Oktober ermordet und seine Leiche von der Hamas verschleppt, teilte das Militär nach der Auswertung von Geheimdienstinformationen durch das Militärrabbinat mit.
Mit Berichten von JNS.




