Israels säkulare Mainstream-Medien waren letzte Woche ziemlich irritiert, wie leicht die Politik des jüdischen Staates durch das Gerede von messianischen Hoffnungen und nationaler Erlösung erschüttert werden kann.
Vor zwei Wochen löste die Fraktionsvorsitzende Idit Silman ein politisches Erdbeben aus, als sie die derzeitige Einheitsregierung abrupt verließ.
Silman ist Mitglied der rechtsgerichteten Partei Yamina von Premierminister Naftali Bennett und erklärte später, dass sie nicht länger in einer Koalition mit linken und islamistischen Parteien sitzen könne, die ihrer Meinung nach dem jüdischen Charakter Israels schaden würden.
Nach Angaben des hebräischsprachigen Nachrichtenportals Srugim wurde Silman zu diesem drastischen Schritt von bestimmten Rabbinern ermutigt, die ihr sagten, dass sie durch die Schwächung der Koalition Israels nationale Erlösung unterstützen würde.
Ein führender Kolumnist des Mainstream-Nachrichtenportals Ynet reagierte auf die Nachricht: „Jetzt versteht man, wie der Staat Israel wie ein Schiff auf stürmischer See hin und her geschaukelt werden kann, nur weil einige Rabbiner einer Frau erzählen, sie sei der Messias. Und sie hat es geglaubt.“
Derselbe Kolumnist merkte an, dass Silman zwar „in den Spiegel schaut und den Messias sieht, Netanjahu aber den Esel sieht, auf dem der Messias (selbst) die Szene betreten wird“, was natürlich eine klare Anspielung auf Jesus ist und darauf, wie er vor seinem Opfertod in Jerusalem einzog.
Ein anderer Mainstream-Kolumnist der linksgerichteten Zeitung Ha’aretz twitterte, wenn der Messias in der Gestalt von Idit Silman komme, „dann bin ich bereit, zum Islam zu konvertieren“.
Das Hin und Her wirft eine interessante Frage auf: Inwieweit beeinflusst oder beeinträchtigt unsere moderne Politik die göttlichen Erlösungspläne?
Die christliche Welt neigt zu der Ansicht, dass Gottes Wille unabhängig von unserem Handeln zu seiner Zeit erfüllt wird und die Politik daher für den großen Plan der Erlösung von geringer Bedeutung ist.
Die Rabbiner neigen in die andere Richtung, insbesondere in einer Welt, in der Israel wiedergeboren wurde. Das Judentum lehrt oft, dass der göttliche Wille durch das Handeln und Eingreifen des Menschen beschleunigt, verzögert und sogar verändert werden kann. Ein oft zitiertes biblisches Beispiel dafür ist Abrahams erfolgreiches Eintreten für die sündigen Städte Sodom und Gomorra oder Gottes Entscheidung, Israel aufgrund des Berichts der zehn ängstlichen Kundschafter 40 Jahre lang in der Wüste umherwandern zu lassen, anstatt das Gelobte Land sofort zu betreten.




