Zwischen Gedenktag und Unabhängigkeits-Feiern

Hadas Parush/Flash90

Nachdem wir zu Beginn der Woche in die Schutzräume rannten, können wir uns jetzt auf die Feiern zum Unabhängigkeitstag vorbereiten. Doch davor gedenken wir unseren gefallenen Soldaten. Das ist unser bittersüßes Leben in Israel.

Eine weitere verrückte Woche in Israel. In einem Moment rennen wir in einen Schutzraum, dann schauen wir zum Himmel und sehen keine Raketen mehr – wir können uns auf die Feiern zum Unabhängigkeitstag vorbereiten, der morgen Abend beginnt, gerade erst haben wir den Holocaust Gedenktag hinter uns, da beginnt heute Abend auch schon der Gedenktag an unsere gefallenen Soldaten. Am morgigen Mittwoch werden unsere Friedhöfe voller trauernder Menschen sein und am Abend werden dieselben Menschen unsere Straßen und Plätze füllen und tanzend und singend unsere Unabhängigkeit und Heimkehr in unsere Heimat feiern.

Das ist unser bittersüßes Leben in Israel. Wie die Feuerwerke, die den Himmel an unserem Unabhängigkeitstag erleuchten werden, so werden die Feiern nur ein zeitlich begrenzter Lichtpunkt sein inmitten der Schmerzen, die der Preis sind, den wir zahlen, um in diesem Land zu leben.

Diese gegensätzlichen Pole sind die Geschichte Israels. Hier leben wir mit Linken und Rechten, weltlichen und religiösen, dem Alltäglichen und dem Heiligen, konservativ und doch tolerant.

Unsere Existenz als Staat ist voller Gegensätze. Wir sind zu einer militärischen und technologischen Supermacht geworden, kämpfen aber täglich mit den Boykotten und Verurteilungen einer Welt, die unsere Macht und unseren Einfluss einschränken will. Wir sind das Land, das 4 Millionen Kilometer zurückgelegt hat, um zum Mond zu gelangen, und stürzten nur wenige Meter vor der Landung ab. Wir haben 2.000 Jahre gebraucht, um in unsere Heimat zurückzukehren, aber selbst hier haben wir keinen Augenblick Ruhe. Wir haben der Welt das Wort von G-ttes Liebe für die Menschheit gegeben, und wir sind ein von der Menschheit gehasstes Volk.

Unsere Vorväter haben dieses Dilemma vor Tausenden von Jahren verstanden, als sie uns lehrten, dass anfangs die Reaktion auf das Chaos, das sich über der Oberfläche der Tiefen befand, G-tt sprach und es wurde Licht (1. Moses 1,2). Es war ihr Glaube an G-tt, der ihnen die Kraft gab, durch die Täler und Todesschatten hindurch und voller Hoffnung zu grüneren Weiden und ruhigen Wassern zu gehen.

Nur wenn wir gewillt sind, unser Herz dem Schöpfer Israels zuzuwenden, werden wir letztendlich die goldenen Straßen finden, die uns auf dem Weg zu unserer ewigen Heimat und unserem wahren Schalom führen werden. Wir sind eine Nation, die gelernt hat, unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben, und so werden wir sowohl den Schmerz als auch das Leid eines jeden Israelis und jeder Familie spüren und wir werden uns über jede unergründliche Errungenschaft freuen, egal wie groß oder klein sie auch sein mag.

Glücklicher Unabhängigkeitstag, Israel! Mögest du in deiner Hoffnung getröstet sein.

Foto: Hadas Parush/Flash90

Kommentare: