Schneider Aviel

Wir sind die Auserwählten unter Auserwählten

In der biblischen Heimat zu leben, war niemals eine Garantie für das Volk Israel.

Israelis feiern den Geburtstag des Jüdischen Staates, 15. April 2021 Foto: Yonatan Sindel/Flash90

„Wir sind die Auserwählten im auserwählten Volk.“ So habe ich das in einem Gespräch mit meinem jüngsten Sohn im Sommer verstanden. Während wir im Auto saßen und über Politik redeten, sagte er mir auf einmal, dass wir in einem historischen Moment leben. Damit meint er die Menschen, die Israels Existenz in dieser Zeit miterleben. Die Mehrheit des jüdischen Volkes habe dieses „Glück“ verpasst und nicht erleben können.

Die jüdische Geschichte beginnt mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt, vor über 3000 Jahren. Im Rückblick war das jüdische Leben in seiner rechtmäßigen Heimat Eretz Israel niemals selbstverständlich, weder zu biblischen Zeiten und erst recht nicht in der nachbiblischen Zeit bis zur Staatsgründung Israels im Jahr 1948. Für die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung war die Diaspora die Heimat und nicht das Gelobte Land, umso mehr sollte die jetzige Generation das Leben in Eretz Israel fest umarmen. „Nur die wenigsten der Juden haben ihr Leben in Israel gelebt.“

Als Jakobs Familie Kanaan verließ und nach Ägypten zu Josef umzog, zählte sie siebzig Menschen. Während der Sklaverei in Ägypten und dem Auszug der Kinder Israels ins Gelobte Land formte sich aus der Familie ein Volk. Zuerst herrschten die Richter im Land und danach folgten die Könige. Als souveräner Staat in einer territorialen Einheit, existierte das Volk bisher nur dreimal. Das erste Mal während der ersten Tempelperiode in den Königreichen von David und Salomo. 80 Jahre. Danach hat sich das mächtige Königreich gespalten, ins Königreich Israel im Norden und Königreich Juda im Süden. Danach wurde das Volk nach Babylon verbannt. 800 Jahre nach der Spaltung formte sich im Land eine zweite Souveränität (129 v. Chr.). Die hasmonäischen Dynastie herrschte für 66 Jahre, bis die Römer Jerusalem eroberten und vernichteten. 2011 Jahre später hat David Ben Gurion den jüdischen Staat Israel ausgerufen, das war das dritte Mal. Seitdem existiert Israel 73 Jahre.

David Ben Gurion beim Verlesen der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel

Drei einmalige Momente in der jüdischen Geschichte, in denen das Volk Israel frei und unabhängig unter eigener Herrschaft lebte. Zwischendurch lebte das Volk Israel entweder unter fremder Herrschaft im Gelobten Land oder verstreut in der Diaspora. „Wir leben in einem historischen Moment und anstatt diesen zu genießen, sind wir uns ständig am streiten“, betonte mein Sohn. Israelis im Land wissen diesen einmaligen Moment nicht genügend zu schätzen.

In der biblischen Heimat zu leben, war niemals eine Garantie für das Volk Israel. Nur wenige Generationen waren Augenzeugen dieser einmaligen Konstellation „Volk, Land und Gott“ und konnten dies in ihrem Leben selbst vor Ort miterleben. Die meisten Juden in der Geschichte haben davon nur geträumt und dafür gebetet: „Im nächsten Jahr in Jerusalem!“ Das war ihre Sehnsucht und in ihrer Fantasie hat sich garantiert keiner einen politischen Streit unter den Geschwistern in Jerusalem vorgestellt.

Der Traum ist wahr geworden, aber zusammen im Land scheinen Juden oft nicht zurechtzukommen. Wie oft höre ich diesen Satz von verschieden Menschen in meinem Umfeld. Anstatt diese einmalige Gelegenheit und Zeit in Eretz Israel wahrzunehmen, laufen wir in die Irre.

Einer macht den anderen in der Politik schlecht. Keiner kommt mit dem Nächsten zurecht, egal ob links, rechts, religiös, orthodox oder was auch immer. Darüber hinaus träumen immer mehr Israelis von einem Leben außerhalb der Grenzen Israels. Dafür gibt es natürlich viele Gründe, das Leben im Land ist teuer, die komplizierte Bürokratie, ständiger Druck, Terror und Kriege. Für viele Israelis ist das Leben im Ausland einfacher und billiger. Dies erklärt unter anderem, weshalb Israelis nach einem ausländischen Reisepass streben.

Es sieht so aus, als ob die Batterie für ein Zusammenleben im Land langsam leer wird. Zweimal in der jüdischen Geschichte ist die Batterie im Land bereits ausgelaufen. In diesem Sinne muss die Batterie wieder aufgeladen werden und dies kann nur Gott mit seinem Eingreifen schaffen.

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

KOSTENLOS in Ihrer Inbox