Weiter Unruhen im Gazastreifen – aber interessiert es jemanden?

Die Palästinenser versuchen verzweifelt, die Aufmerksamkeit der Welt zu gewinnen. Dies ist eine Chance für Israel, aber auch eine Bedrohung für das Land.

Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

Die Palästinenser haben es in diesen Tagen schwer. Ihnen scheint es nicht so recht zu gelingen, sowohl in Israel als auch bei der internationalen Gemeinschaft Aufmerksamkeit zu erregen. Corona bleibt die Top-Story des Tages, und wenn es um Israels internationale Beziehungen geht, sind das iranische Atomprogramm und die schnell voranschreitende Normalisierung mit verschiedenen arabischen Staaten die Themen, die die Schlagzeilen beherrschen.

Seit vier Tagen versammeln sich jeden Abend Massen von Palästinensern an der Grenze zum Gazastreifen und liefern sich gewalttätige Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten.

Dabei handelt es sich nicht nur um Plakate schwenkende Demonstranten. Spezielle „nächtliche Chaostruppen“ setzen Reifen in Brand und rollen sie auf den Grenzzaun zu, um den Randalierern Deckung zu geben, die dann Brandsätze auf die Israelis schleudern.

Israel sieht bislang von einer ernsthaften militärischen Reaktion ab, außer in den Fällen, in denen Randalierer aus dem Gazastreifen „Feuerballons“ über die Grenze geschickt haben, die dann israelische Felder und Eigentum in Brand setzten. In diesen Fällen reagierte die israelische Luftwaffe mit der Bombardierung terroristischer Einrichtungen der Hamas in Gaza.

„Nächtliche Verwirrungseinheiten“ geben denjenigen Schutz, die den Grenzzaun zum Gazastreifen mit brennenden Autoreifen angreifen.

In den letzten Monaten kam es sporadisch zu Unruhen an der Grenze zum Gazastreifen. Ende August wurde ein israelischer Grenzpolizist von einem palästinensischen Randalierer niedergeschossen. Barel Shmueli, 21, erlag am Montag seinen Verletzungen und wurde in Tel Aviv beigesetzt.

Ebenfalls Ende August wurde nach offiziellen Angaben im Gazastreifen ein 13-jähriger palästinensischer Randalierer getötet, als israelische Streitkräfte auf einen Angriff auf den Grenzzaun reagierten.

Nur wenige Israelis sind sich derweil darüber im Klaren, was im Süden des Landes vor sich geht. Und noch weniger würden es als oberste Priorität betrachten.

Die „Palästinenserfrage“ steht derzeit einfach nicht auf der Tagesordnung.

Die Zahl der COVID-19-Infektionen in Israel steigt weiter an, auch wenn seit Mittwoch rund zwei Millionen Kinder wieder zur Schule gehen. Für die Regierung ist die Eindämmung der mittlerweile vierten Corona-Welle das Gebot der Stunde.

Als Premierminister Naftali Bennett Ende letzte Woche Washington besuchte, sprachen er und US-Präsident Joe Biden zweifellos auch über die Palästinenser, aber diese scheinen kein wichtiger Tagesordnungspunkt gewesen zu sein.

Aus israelischer Sicht ist dies sowohl gut als auch schlecht.

Die Welt, einschließlich der arabischen Staaten, verliert eindeutig das Interesse an der Palästinenserfrage, was Israel die Gelegenheit bietet, den Spieß umzudrehen und stattdessen auf einen Frieden zu seinen Bedingungen zu drängen.

Gleichzeitig werden die Palästinenser immer verzweifelter, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit Gewalt reagieren, steigt. Abschreckende Faktoren wie Israels militärische Macht und der wachsende Unmut der arabischen Geberstaaten scheinen wenig dazu beigetragen zu haben, die Palästinenser von ihrer Unnachgiebigkeit abzubringen, sodass es schwierig ist, von der Palästinensischen Autonomiebehörde Pragmatismus zu erwarten. Und von der Hamas ist er schon gar nicht zu erwarten.

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

FREI in Ihrer Inbox