Ausgerechnet Berlins berühmtestes Kaufhaus folgt als erstes der neuen EU-Verordnung über das Kennzeichnen israelischer Waren aus den jüdischen Siedlungen, indem es nicht gekennzeichnete Waren aus den Regalen nimmt. Die BILD-Zeitung hatte sich zuvor bereits vehement gegen den Beschluss der EU-Kommission ausgesprochen und diesen unter der Schlagzeile: „Kauft nicht bei Juden! Armseliges Europa!“ als für Europa unwürdig bezeichnet.
Die Entscheidung des KaDeWe wiegt umso schwerer, wirft man einen Blick auf seine bewegte Geschichte.
Ein jüdischer Kaufmann namens Adolf Jandorf hatte 1907 beschlossen, ein riesiges Warenhaus in Berlins Tauenzienstraße zu eröffnen. Trotz aller Unkenrufe und Bedenken, dass ein Kaufhaus nicht in ein Wohngebiet gehöre, hatte sich am Ende Jandorfs Devise „Was Lage ist, bestimme ich“ bezahlt gemacht. Dieser Ausspruch wurde zum geflügelten Wort, als mehr und mehr jüdische Familien Deutschlands Kaufhäuser zur Blüte brachten. 1927 ging das floriende Unternehmen in andere jüdische Hände über, nämlich an das Handelsunternehmen Tietz & Co., denen die bis heute berühmte Feinkostabteilung des KaDeWe zu verdanken ist.
Während der Naziherrschaft wurden die jüdischen Eigentümer, wie die meisten anderen Juden, dazu gezwungen, ihr Unternehmen weit unter Wert den Ariern zu überlassen.
Wieder war es das KaDeWe, das nach dem Zweiten Weltkrieg als erstes Warenhaus eröffnete – doch nun nicht jüdisch-koscher, sondern mit reichhaltigem Wurst- und Fleischsortiment. Die jüdischen Gründer sind bald vergessen und das KaDeWe wird zum Sinnbild des deutschen Wirtschaftswunders.
Die Jüdische Allgemeine hatte noch am 21.11.2015 optimistisch verkündet: „Nichts … werde sich durch die EU-Verordnung zur Kennzeichnungspflicht von Waren aus den von Israel besetzten Gebieten ändern.“
Auch bei Hitlers Machtübernahme wollten die Juden den Ernst der Lage nicht wahrhaben. Wiederholt sich jetzt die Geschichte oder stehen wir auf und erheben unsere Stimmen, um den Anfängen zu wehren?




