Vor 1948, dem Jahr der Gründung des jüdischen Staates, bezeichneten sich fast ausschließlich die dort lebenden Juden als Palästinenser. Die anderen Bewohner der Region, hauptsächlich muslimische Araber, definierten sich in erster Linie als Muslime. Ein gewisses Bewusstsein für eine territoriale Zugehörigkeit gab es nur in kleinen intellektuellen Kreisen, die die Region als Großsyrien, Süd-Syrien oder „Asch-Scham“ (der levantinische Raum) betrachteten.
Die moderne palästinensische Identität wurde weitgehend erst 1964 mit der Gründung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) geschaffen. Ob die heutigen Bewohner Gazas und des „Westjordanlands“ historische Verbindungen zum Palästina des britischen Mandats (vor 1948) haben, ist umstritten.
Heirat und Handel: Ein Netzwerk regionaler Verbindungen
Historisch gesehen wurden Familien- und Stammesbeziehungen im Nahen Osten oft durch wirtschaftliche und kommerzielle Netzwerke definiert, nicht durch geografische Grenzen. In vielen Teilen der muslimischen Welt folgten Heiratsmuster den Handelsrouten und stärkten langfristige wirtschaftliche und soziale Bindungen. Das westliche Konzept fester Grenzen spielte dabei keine Rolle. Diese Dynamik war auch in Palästina vor 1948 zu beobachten, wo traditionelle Heiratspraktiken Gemeinschaften über moderne Staatsgrenzen hinweg verbanden.
Beispielsweise heirateten Familien aus Nablus häufig in Familien aus Al-Balqa ein, einer Region östlich des Jordan. Dadurch tauchten prominente Familiennamen wie Toukan und Masri auf beiden Seiten des Flusses auf. Ähnliche Verbindungen bestanden zwischen Familien in Dschenin und der Stadt Irbid im Norden Jordaniens sowie zwischen muslimischen Familien in Nazareth. Hochrangige jordanische Politiker verweisen oft auf familiäre Wurzeln in Hebron oder Safed, was die engen historischen Bande über den Jordan hinweg weiter verdeutlicht. Diese Verflechtungen zeigen, dass die Identität in der Region historisch fließend war und eher durch soziale und wirtschaftliche Beziehungen als durch moderne politische Grenzen geprägt wurde.
Demographie des 19. Jahrhunderts: Ein leeres Land?
Bis ins 19. Jahrhundert war ein Großteil dessen, was heute das „Westjordanland“ und Gaza umfasst, nur dünn besiedelt und unterentwickelt. Reisende wie Mark Twain oder der US-Präsident Ulysses S. Grant beschrieben die Region als weitgehend öde und unbewohnt. Diese Berichte, die ohne politische Agenda verfasst wurden, geben einen Einblick in den Zustand des Landes vor den späteren demographischen Veränderungen.
Während dieser Zeit versuchte das Osmanische Reich, die Region durch die Ansiedlung muslimischer Migranten aus Albanien, Bosnien und dem Kaukasus zu beleben. Diese Politik sollte das Land wirtschaftlich wiederbeleben, trug aber auch zur ethnischen Vielfalt der später als „Palästinenser“ identifizierten Bevölkerung bei. Einige junge saudische Kommentatoren verweisen heute auf diese Geschichte, um zu behaupten, dass Palästinenser keine „echten Araber“ seien – eine Aussage, die die komplexe Identitätspolitik der Region widerspiegelt.

Migration und die Entstehung der palästinensischen Identität
Historische Aufzeichnungen und mündliche Familientraditionen deuten darauf hin, dass bedeutende Migrationswellen zur Entstehung der heutigen palästinensischen Bevölkerung beitrugen. In den 1840er Jahren besetzten ägyptische Truppen das Gebiet, was zur Ansiedlung vieler Ägypter führte. Der Familienname „Masri“ („Ägypter“ auf Arabisch) ist heute unter Palästinensern weit verbreitet und zeugt von dieser Migration. Einige dieser ägyptischen Siedler zogen später nach Salt, östlich des Jordans.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kam eine weitere Migrationswelle in die Region, ausgelöst durch den Bau der osmanischen Eisenbahn, die die Südosttürkei mit dem Hedschas (und Mekka) verband. Die Haifaer Zweigstrecke dieser Bahn zog viele Arbeiter aus Jordanien und Syrien an, von denen viele blieben. Diese Arbeiterbewegungen führten dazu, dass die Region als „Umm al-Amal“ („Mutter der Arbeit“) bekannt wurde, was ihre Rolle als wirtschaftliches Zentrum unterstreicht.
Während der britischen Mandatszeit kam es zu weiteren demographischen Verschiebungen. Mit zunehmender jüdischer Einwanderung strömten auch arabische Arbeiter aus Transjordanien in das Gebiet, angezogen von Arbeitsmöglichkeiten und verbesserten Gesundheitsdiensten, die durch jüdische Einwanderer bereitgestellt wurden. Während die britischen Behörden die jüdische Einwanderung streng kontrollierten, ignorierten sie weitgehend die arabische Migration in das Gebiet.
Gazas kulturelle Eigenständigkeit
Gaza war historisch gesehen kulturell und sprachlich enger mit Ägypten als mit anderen Teilen Palästinas verbunden. Der lokale arabische Dialekt und viele Traditionen spiegeln diesen Einfluss wider und deuten auf eine kulturelle Identität hin, die sich von der des Westjordanlands unterscheidet. Viele Palästinenser sind sich heute ihrer familiären Wurzeln bewusst und erkennen offen ihre vielfältige Herkunft an. Diese historische Perspektive stellt die Vorstellung in Frage, dass die palästinensische Identität ausschließlich mit dem Palästina des britischen Mandats (vor 1948) verknüpft ist, und wirft Fragen über die Ursprünge des palästinensischen Nationalismus und territorialer Ansprüche auf.
Die politische Dimension: Ein künstlich erzeugter Konflikt?
Angesichts der historischen Migrationsmuster und der fließenden Identitäten ist die palästinensische nationale Identität eine relativ neue Konstruktion. Diese Perspektive befeuert die Debatte über die internationale Politik gegenüber den palästinensischen Gebieten. Die von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene Umsiedlung von Bewohnern Gazas und möglicherweise auch des Westjordanlands in arabische Nachbarstaaten entspricht dieser historischen Realität. Nach dieser Sichtweise sollten die Palästinenser – von denen viele seit Jahrhunderten Migration erlebt haben – nicht unter der Herrschaft unterdrückerischer Gruppen wie der Hamas oder der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) leiden müssen.
Kritiker der arabischen Reaktion auf die palästinensische Frage argumentieren, dass regionale Führer das Thema seit langem als politisches Druckmittel gegen Israel nutzen, anstatt aktiv Lösungen für palästinensische Flüchtlinge zu fördern. Trotz ihrer Rhetorik haben viele arabische Staaten eine vollständige Integration der Palästinenser verhindert, um sie als geopolitisches Faustpfand zu behalten.
Westliche Doppelmoral
Der Westen hat die Palästinenser umfangreich unterstützt – im Gegensatz zur nahezu völligen Abwesenheit von Unterstützung durch arabische bzw. muslimische Länder. Westliche Schuldgefühle wegen Kolonialismus und vermeintlichen Unrechts gegenüber der nicht-westlichen Welt haben eine überproportionale Unterstützung für die palästinensische Sache hervorgebracht. Im Gegensatz dazu fordert Trumps Ansatz die Übernahme von Verantwortung der arabischen Staaten für „ihre Brüder“, anstatt sich auf westliche Großzügigkeit zu verlassen.

Fazit
Die historischen Verbindungen zwischen den Palästinensern im Gazastreifen, des „Westjordanlands“ und des britischen Mandatsgebiets Palästina sind komplex und durch jahrhundertelange Migration, Handel und politische Veränderungen geprägt. Die Palästinenser sind keine einheitliche ethnische Gruppe, sondern ein Mix aus verschiedenen Völkern, die sich erst in den letzten 200 Jahren in der Region niedergelassen haben. Während die Debatten über Umsiedlung und politische Lösungen andauern, bleibt die Frage: Sollten die arabischen Mächte eine aktivere Rolle in der palästinensischen Frage übernehmen, oder wird der Status quo bestehen bleiben?
Autor Dr. Harold Rhode diente 28 Jahre lang als Berater für Angelegenheiten der islamischen Welt im Büro des US-Verteidigungsministers. Er ist Mitglied des Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs und des Gatestone Institute in New York. www.jcpa.org.il
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Die Führung der Palästinenser versucht „auf Teufel komm raus“ sich eine Geschichte anzudichten oder eine Verbindung zu historischen Völkern zu konstruieren. Nichts davon ist wahr. Man könnte darüber lachen, wenn es nicht dem Zweck dienen würde, Terroranschläge und Vernichtungswünsche gegen Juden zu legitimieren.
Die Palästinenser sind ein zusammengewürfelter Haufen, die sich weigern, auch nur minimale zivilisatorische Standards zu akzeptieren.