Israels Außenminister Gideon Sa’ar befindet sich derzeit zu einem offiziellen Besuch in Deutschland. Im Mittelpunkt des Besuchs stehen die Bedrohung durch den Iran, die Sicherheitslage im Nahen Osten sowie die strategische Zusammenarbeit zwischen Jerusalem und Berlin.
Sa’ar traf Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Bundesaußenminister Johann Wadephul. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums war es das achte Treffen der beiden Außenminister innerhalb eines Jahres – ein Zeichen für die außergewöhnlich enge Abstimmung zwischen Deutschland und Israel.
Honored to meet German Chancellor @_FriedrichMerz in Berlin.
We had a good discussion about our bilateral ties and regional affairs.
I expressed appreciation for the Chancellor’s clear statements on antisemitism and his commitment to combating it.
We discussed the Iranian… pic.twitter.com/yCZoG3cbHQ— Gideon Sa’ar | גדעון סער (@gidonsaar) May 5, 2026
Zum Besuchsprogramm gehörten außerdem Gespräche mit weiteren deutschen Spitzenpolitikern, darunter Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag und einer der bekanntesten Unterstützer der deutsch-israelischen Beziehungen innerhalb der CDU.
Great meeting with my friend Chairman of the German Bundestag’s Committee on Foreign Affairs @ArminLaschet.
The Chairman is a true friend of Israel, who works extensively to strengthen ties in the spirit of the Abraham Accords.
We discussed opportunities to expand the circle of… pic.twitter.com/H0h306hYki— Gideon Sa’ar | גדעון סער (@gidonsaar) May 5, 2026
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin betonten Sa’ar und Wadephul die enge Partnerschaft beider Länder angesichts der Spannungen im Nahen Osten. Beide Außenminister machten deutlich, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen dürfe. Wadephul forderte Teheran auf, auf Diplomatie zu setzen und seine destabilisierenden Aktivitäten in der Region zu beenden.
Sa’ar erklärte, Israel strebe keinen „endlosen Krieg“ mit dem Iran an. Gleichzeitig warnte er davor, dem iranischen Regime Zeit zu verschaffen, um seine militärischen Fähigkeiten erneut auszubauen. Die iranischen Urananreicherungsanlagen müssten vollständig gestoppt werden.
‚The Iranian regime’s assassination of the freedom of navigation is a threat to world order. If this naval terrorism is not dealt with, it will spread throughout the world‘
Israeli FM Gideon Sa’ar says, speaking in Berlin alongside German FM Waddepol pic.twitter.com/NqHtWAsc2v
— i24NEWS English (@i24NEWS_EN) May 5, 2026
Auch die Lage im Libanon und die Bedrohung durch die Hisbollah waren Thema der Gespräche. Sa’ar betonte, Israel habe keine territorialen Ambitionen im Libanon, werde jedoch keine erneuten Angriffe aus dem Süden des Landes akzeptieren. Die libanesische Regierung müsse stärker gegen die Terrorinfrastruktur der Hisbollah vorgehen.
Der Besuch findet in einer Phase statt, in der Berlin versucht, seine traditionell engen Beziehungen zu Israel neu auszubalancieren. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuletzt einerseits betont, dass weitere Angriffe auf Israel nicht akzeptabel seien, zugleich aber auch Kritik an einzelnen israelischen Militäraktionen geäußert. In Jerusalem werden diese Signale aufmerksam verfolgt.
Trotz der engen Zusammenarbeit bestehen zwischen beiden Regierungen weiterhin Differenzen über den Krieg im Gazastreifen. Zwar gilt seit Oktober 2025 eine Waffenruhe, doch die Lage bleibt angespannt. Die Hamas lehnt die im Rahmen der Gaza-Initiative von US-Präsident Donald Trump geforderte Entwaffnung bislang strikt ab. Gleichzeitig meldete die israelische Armee allein zwischen dem 21. April und dem 5. Mai insgesamt 19 Verstöße gegen die Waffenruhe.
Neben den politischen Gesprächen stehen auch historische und gesellschaftliche Themen auf dem Programm. So will Sa’ar die Gedenkstätte „Gleis 17“ am Bahnhof Berlin-Grunewald besuchen. Von dort deportierten die Nationalsozialisten Tausende Berliner Juden in die Vernichtungslager. Anschließend sind Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland geplant.
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender antisemitischer Vorfälle in Europa kommt diesem Teil des Besuchs besondere Bedeutung zu. Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 registrieren viele europäische Länder – darunter auch Deutschland – einen deutlichen Anstieg antisemitischer Straftaten und anti-israelischer Hetze.
Die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sind inzwischen auch sicherheitspolitisch enger denn je. Ein zentrales Symbol dafür ist das Raketenabwehrsystem Arrow 3. Deutschland hatte sich 2025 für den Kauf des israelischen Systems entschieden. Anfang 2026 folgte ein weiterer Milliardenauftrag zur Erweiterung des Projekts. Mit einem Gesamtvolumen von rund 6,7 Milliarden Dollar gilt Arrow 3 als größtes Rüstungsexportgeschäft in der Geschichte Israels.
Sa’ar hob in Berlin mehrfach hervor, dass Israel für Deutschland nicht nur ein politischer Partner, sondern auch ein wichtiger Verbündeter in den Bereichen Verteidigung, Geheimdienstkooperation, Technologie und Terrorabwehr sei. Israelische Systeme schützten Deutschland inzwischen „in der Luft, zu Land und zur See“, erklärte der Außenminister.
Zudem sprach Sa’ar beim „Wirtschaftstag 2026“ in Berlin, dem jährlichen Treffen des Wirtschaftsrates der CDU. Dort warb er für einen weiteren Ausbau der deutsch-israelischen Zusammenarbeit in den Bereichen Innovation, Sicherheitstechnologie und Wirtschaft.
שר החוץ גדעון סער נאם היום בברלין ב-Wirtschaftstag 2026, הכינוס השנתי של המועצה הכלכלית של מפלגת ה-CDU, מפלגת השלטון הנוכחית במדינה. באירוע משתתפים בכירי המימשל והכלכלה הגרמנית.
מדברי שר החוץ סער: „לפיתחו של הסדר העולמי, העולם החופשי ואירופה בכלל ניצבים אתגרי ענק. יהיה קשה מאוד… pic.twitter.com/Uvr70d2qQA
— משרד החוץ (@IsraelHebrew) May 5, 2026
Gerade angesichts der Spannungen im Nahen Osten gewinnt die deutsch-israelische Partnerschaft derzeit zusätzlich an Bedeutung.





Eng Verbündete! Wirklich?