Revolutionäre Raumfahrttechnik aus Israel auf dem Mond

Deutsch-israelische Raumfahrtkooperation soll künftige Mondmissionen und Weltraumforschung vorantreiben

von David Shishkoff | | Themen: Technologie, Start-Up Nation
Illustration der Helios Technologie, wie sie auf der Mondoberfläche aussehen wird. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Helios

Mitte Oktober wurde ein wichtiger Meilenstein für das Mondlandesystem erreicht, das der deutsche Raumfahrtkonzern OHB gemeinsam mit seinem Partner Israel Aerospace Industries (IAI) derzeit vorbereitet. Vertreter des israelischen Unternehmens Helios und Vertreter von OHB unterzeichneten dazu eine Absichtserklärung, dass die Helios-Hardware bei den ersten drei LSAS-Missionen (Lunar Surface Access Service) zur Mondoberfläche mitfliegen soll.

Helios ist ein 2018 gegründetes israelisches Unternehmen, das von der israelischen Raumfahrtbehörde, dem israelischen Energieministerium und der israelischen Innovationsbehörde unterstützt wird. Die Vision des Unternehmens ist es, nachhaltiges menschliches Leben auf der Erde und darüber hinaus zu ermöglichen. Zu den Kernentwicklungen des Unternehmens gehören Reaktoren zur Produktion von Sauerstoff auf der Mondoberfläche und Reaktoren zur kohlenstofffreien Produktion von Eisen und Silizium auf der Erde. Siehe: Israelis wollen Sauerstoff auf dem Mond gewinnen

 

Freuen sich auf gemeinsame Missionen zum Mond – (v.l.n.r.) Dr. Timo Stuffler Christiane Bergemann Séverine Jacquet (alle OHB) sowie CEO Jonathan Geifman und CTO Dr. Linoam Eliad von Helios – Foto: OHB

Sauerstoff: Ein Schlüssel zur drastischen Senkung der Kosten für die Erforschung des Weltraums

Wichtige Formen der Raumfahrt und -erkundung erfordern die Verbrennung von Raketentreibstoff mit Sauerstoff, um der Schwerkraft zu entkommen und Nutzlasten zu transportieren. Im Weltraum gibt es jedoch keine Luft und keinen Sauerstoff. Deshalb müssen Weltraumraketen für die Raumfahrt schwere Sauerstoffkanister ins All schießen. Auf dem Mond gibt es weder Luft noch frei erhältlichen Sauerstoff. Allerdings enthält der Mond Sauerstoffverbindungen in seinem Gestein und Boden. Helios hat eine israelische Technologie entwickelt, um Sauerstoff aus dem Mondgestein und dem Mondboden zu gewinnen.

Der Israeli Jonathan Geifman, CEO von Helios, erklärte dazu in einer Pressemitteilung: „Die Produktion von Sauerstoff auf der Mondoberfläche ist der Schlüssel, der die Expansion der Menschheit über die Erde hinaus ermöglichen und die Kosten für die Erforschung des Weltraums drastisch senken wird. Sauerstoff wird der begehrteste Rohstoff im Weltraum sein, da er über 60 % der Masse jedes voll beladenen Raumfahrzeugs ausmacht, das für Missionen zum Mond und darüber hinaus bestimmt ist. Helios‘ Mondmission mit dem Raumfahrtkonzern OHB dient der Weiterentwicklung der Technologie zur Produktion von Sauerstoff unter realen Bedingungen auf dem Mond und ist ein wichtiger Schritt hin zur Realisierung der aufstrebenden cislunaren Industrie.“

Der Israeli Uri Oron (Brigadegeneral der Reserve) ist Generaldirektor der israelischen Raumfahrtbehörde. Die Rückkehr zum Mond und die Schaffung einer dauerhaften Basis auf dem Mond erfordert ihm zufolge internationale Zusammenarbeit und die Gründung von Partnerschaften zwischen Raumfahrtbehörden und privaten Unternehmen. „Helios, ein israelisches Start-up, das von der israelischen Raumfahrtagentur unterstützt wird, ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das eine Schlüsselrolle bei den Bestrebungen, zum Mond zurückzukehren einnehmen wird. Die israelische Raumfahrtagentur begrüßt die Zusammenarbeit zwischen OHB SE, Helios und Israel Aerospace Industries. Diese Kooperation zeigt die starken, langjährigen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel und den Beitrag, den diese Partnerschaft für die Raumfahrtindustrie leisten kann.“

Helios-Technologie zur Gewinnung von Sauerstoff aus Mondboden und Mondgestein

Ressourcen auf dem Mond nutzbar machen

„OHB wird europäischen und internationalen Kunden aus Wissenschaft und Wirtschaft eine zeitnahe Zugangsmöglichkeit zum Mond bieten. Bei der Erschließung des Wirtschaftsraumes Mond möchten wir mit LSAS als erstem europäischen Mond-Shuttleservice eine Lücke schließen, denn laut derzeitiger Planung wird ein institutioneller europäischer Moon-Lander frühestens 2029 zur Verfügung stehen“, so Dr. Lutz Bertling, Vorstandsmitglied der OHB SE. „Wenn in Kürze Nutzlasten für Mondmissionen ausgeschrieben werden, wollen wir mit unserem LSAS-Mondlandeservice parat stehen.“

Laut Dr. Timo Stuffler, Leiter Business Development bei OHB, schlage Helios mit der Absichtserklärung einen wichtigen Pflock ein, um frühzeitig auf dem Mond Hardware zur in-situ Ressourcennutzung erproben zu können.

 

Take me to the moon – Start ist für 2025 geplant

OHB und der Partner IAI setzen alles daran, mit dem Mondtransfer LSAS ab 2025 wissenschaftliche und kommerzielle Nutzlasten auf die Mondoberfläche zu bringen. „Insgesamt dürfen die Nutzlasten der Kunden je nach Missionstyp eine Gesamtmasse zwischen 80 – 110 Kilogramm auf die Waage bringen. Wir freuen uns, dass sich bereits mehr als 100 Interessenten aus Wissenschaft und Industrie gemeldet haben“, erklärte Séverine Jacquet, die OHB-seitig erste Ansprechpartnerin für potentielle Kunden ist.

 

Partnerschaft mit ehrgeizigen Zielen

Die OHB SE leitet und koordiniert das Projekt LSAS und die einzelnen Missionen zum Mond. Das fängt bei der Auswahl der Nutzlasten an, geht über deren Integration auf den Moon-Lander und reicht bis hin zu Start und Missionsbetrieb. Auch die Vermarktung der Mitfluggelegenheiten zum Erdtrabanten liegt in den Händen von OHB. Der israelische Partner IAI, mit dem OHB seit mehr als drei Jahren zusammenarbeitet, bringt die Erfahrungen aus der früheren eigenen Mondmission in das Mondlandefahrzeug ein.

 

[Quelle: OHB-Pressemitteilung]

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