Partnerfindung: Können messianische Juden von orthodoxen Juden lernen?

Unter den messianischen Juden in Israel gibt es hunderte Singles, die darum beten, Gott möge ihnen einen Ehepartner bescheren.

von David Lazarus | | Themen: Messianer
Foto: Shutterstock

Es gab bereits einige Versuche, soziale Medien bei der Suche nach der besseren Hälfte zu bemühen. Doch die jungen Menschen, mit denen ich sprach, meinten, dass das nicht funktioniere. Viele leiden darunter, allein zu sein. Manche bleiben unverheiratet, manche enden in einer unglücklichen Ehe.

Vielleicht ist es an der Zeit für messianische Juden, die Weisheit unserer Alten zu nutzen, die seit Jahrhunderten die traditionelle Partnervermittlung kennen. Eine faszinierende Studie über arrangierte Ehen gibt Rat auch für junge Menschen von heute.

Arrangierte Ehen führen viel wahrscheinlicher zu dauerhafter Zuneigung, als Ehen, die aus Leidenschaft geschlossen wurden.“ Das ist das Fazit eines Forschungsprojekts von Robert Epstein, einem in Harvard ausgebildeten Psychologen des American Institute for Behavioral Research and Technology. „Wessen Partner von den Eltern oder einem Vermittler ausgesucht wurde, verliebt sich im Laufe der Zeit oft immer mehr, während Partner in typischen Ehen im Laufe der Zeit über weniger Liebe klagen”, erklärte Epstein, der auch Redaktionschef der Zeitschrift „Psychology Today“ ist.

Während die Scheidungsraten in die Höhe schnellen, unglückliche Ehen gelebt werden und die Quote der Alleinerziehenden furchterregende Ausmaße erreicht, ist es sicherlich an der Zeit, unsere Einstellung zu Ehe und Liebe zu überdenken. In den USA scheitern mehr als die Hälfte der Erst-Ehen und zwei Drittel der Zweitehen. Es wurde zwar lange behauptet, dass die jüdische Scheidungsrate weit niedriger sei, aber es ist schwer, zuverlässige Daten darüber zu finden, da die orthodoxen jüdischen Gemeinden ihre Privatsphäre stark schützen.

Epsteins Ergebnisse aus 35 Jahren Forschung zeigen, dass Paare, die ehrbare Helfer in Form von Eltern, Rabbinern oder professionellen Ehevermittlern annehmen, viel wahrscheinlicher eine Partnerschaft fürs ganze Leben eingehen. Sie sind eher in der Lage, durch Dick und Dünn zu gehen für ihre Familie. Wer jedoch allein aus Liebe heiratet, ist oft durch Leidenschaft geblendet. Wenn es zu unvermeidlichen Krisen im Familienleben kommt, geraten diese Ehen unter Druck und gehen öfter auseinander. Wenn es schwierig wird, fragen sie sich, wohin die Romantik verschwunden ist. Vorschnell kommen sie zum Ergebnis, dass etwas mit ihrer Ehe nicht stimmt.

Epstein zeigt, dass die Liebe in westlichen Ehen in 18 Monaten um die Hälfte zurückgeht, während die Liebe in arrangierten Ehen stetig wächst und den Grad der Liebe von nicht-arrangierten Ehen etwa bei der Fünfjahresmarke übertrifft. Nach zehn Jahren ist die Leidenschaft bei den Partnern einer arrangierten Ehe dann normalerweise doppelt so stark. Epstein meint, das habe etwas damit zu tun, dass Menschen aus dem Westen ihre Liebe dem Zufall überlassen, wie wenn sie jemanden zum Beispiel im Supermarkt kennenlernen oder auf der Arbeit und dabei Lust mit Liebe verwechseln. Orthodoxe Juden suchen nach mehr als Leidenschaft. „Ich habe bei arrangierten orthodoxen Ehen oft gesehen, dass Eltern sehr sorgfältig auf Kompatibilität achten – nichts wird dem Zufall überlassen. Sie machen ihre Hausaufgaben über Charaktereigenschaften, Werte, moralische Fragen und Lebensziele. Arrangierte Ehen funktionieren, weil sie die Ehe kulturell anders verstehen. Wir haben eine sehr romantische Sicht auf die Ehe, sie eine eher pragmatische.“

Weiter erläutert Epstein, dass viel in eine arrangierte Ehe und den richtigen Partner investiert wird. „Im Westen ist es leicht, aus einer Ehe wieder auszusteigen. Aber bei arrangierten Ehen ist die Bindung sehr fest. Sie heiraten mit dem Wissen, dass sie nicht auseinander gehen werden. Wenn dann schwierige Zeiten kommen – wenn es Verletzungen oder Traumata gibt, so laufen sie nicht gleich davon. Vielmehr bringt es sie näher zueinander.“

Und so funktioniert es normalerweise in orthodoxen jüdischen Gemeinden: Die Eltern oder ein Ehevermittler schlagen ein „Schidduch Treffen“ vor. Dabei bekommen zwei junge Leute die Möglichkeit, einander kennenzulernen. Das mögliche Paar entscheidet dann selbst, ob es daran interessiert ist, sich noch einmal zu treffen. Meist kann man nach einigen solcher Dates schon sagen, ob man heiraten möchte oder nicht. Das ist weit von einer erzwungenen Ehe entfernt und darf keinesfalls damit verwechselt werden. „Bei arrangierten Ehen gibt es eine Wahl, und sie wird respektiert“, sagt Epstein. Die Eltern und ihr heiratsfähiges Kind treffen die Entscheidung gemeinsam, alle arbeiten zum Wohl des künftigen Paares zusammen.“

 

Dieser Artikel erschien erstmals in der November 2016-Ausgabe von Israel Heute.

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

KOSTENLOS in Ihrer Inbox