Oh, oh, Omikron

Chaotisch, anders kann man die momentane Situation in Bezug auf Israels Umgang mit der Omikron-Variante nicht beschreiben, oder auf Hebräisch: „Balagan“.

Warten vor eine Schnelltest-Station in Jerusalem Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Jetzt ist es passiert. Unsere Regierung scheint die Kontrolle über ihren Kampf gegen die Ausbreitung der Omikron-Variante verloren zu haben. Die Zahl der täglich neuen Coronafälle haben unglaubliche Werte erreicht, das heißt, eigentlich wissen wir die genauen Zahlen  gar nicht mehr, seit dem Israel die Art und Weise, wie getestet wären soll, drastisch geändert hat.

Die bisher für alle zugänglichen PCR-Tests werden seit Freitag nur noch den über 60-Jährigen und zur Risikogruppe gehörenden Menschen angeboten. Alle anderen sollen sich zunächst selbst zu Hause mit dem Antigen-Schnelltest testen und im Falle eines positiven Ergebnisses diesen Schnelltest an einer offiziellen Stelle, wie zum Beispiel Magen David Adom, noch einmal wiederholen. Damit wollte man das Problem der unglaublich langen Warteschlangen vor den PCR-Teststationen im ganzen Land lösen. Leider werden hier bei uns Entscheidungen oft spontan gemacht, ohne ausreichend die Folgen dieser Entscheidungen vorauszusehen. Dabei war bekannt, dass es zurzeit noch nicht genug Antigen-Tests zu kaufen gibt, die auch nicht gerade billig sind, was  sich allerdings sehr bald ändern soll, wurde uns versprochen. Und auch die Sache mit den langen Warteschlangen wurde nur teilweise gelöst. Verschwunden waren sie nicht, sondern nur verschoben, jetzt warteten alle stundenlang vor den viel weniger verlässlichen Antigen-Schnelltest-Stationen.

Die Warteschlangen haben sich nur verlegt, wie hier vor einer Schnelltest-Station in Jerusalem – Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Doch das ist nicht der Grund für den Kontrollverlust. Das Problem ist, dass man sich jetzt auf die Verantwortung der Bürger verlässt. Wer garantiert uns, dass diejenigen, die bei dem Schnelltest zu Hause ein positives Ergebnis bekommen haben, die neuen Bestimmungen befolgen und sich tatsächlich ein zweites Mal in einer offiziellen Station testen lassen? Denn ein positives Testergebnis hat eine zehntägige Quarantäne zur Folge. Und wenn man sich davor drücken kann, warum nicht, denken sich viele. So habe ich von Studenten gehört, die sich nicht offizielle testen lassen wollten, um die wichtigen Semesterprüfungen nicht zu verpassen, da es komischerweise keine alternativen Prüfungstermine gibt. Andere Menschen können es sich nicht erlauben, nicht zu arbeiten.

Seit Freitag haben wir keine genauen Zahlen über die täglichen Neuinfektionen mehr, die offizielle Zahl von gestern ist 17.500 bei einer Infektionsrate von mehr als 11 Prozent, aber es wird geschätzt, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, bei um die 27.000. Gestern wurde dann plötzlich in den Nachrichten berichtet, dass unser Ministerpräsident Naftali Bennett in Erwägung ziehe, die verlässlicheren PCR-Tests wieder für alle zu ermöglichen, was für ein Hin und Her. War es nicht genau dieses Hin und Her in der Corona-Politik, die von Bennett so sehr kritisiert worden war, als Benjamin Netanjahu noch Ministerpräsident war?

Offiziell geht das normale Leben weiter, es gibt so gut wie keine Einschränkungen, auch wenn schätzungsweise fast 150.000 Israelis zu Hause in Quarantäne sitzen. Am Wochenende meldeten die Geschäfte deutlich niedrigere Einnahmen als eine Woche zuvor. Finanzminister Lieberman weigert sich jedoch weiter, das zu akzeptieren und eine Entschädigung zu zahlen. Der Einzelhandel bezeichnet die momentane Situation als einen „stillen Lockdown“.

Es sieht so aus, als habe unsere Regierung aufgegeben. Jeder ist nun für sich selbst verantwortlich, was vielleicht ja gar nicht so falsch sein mag. Was meinen Sie?

Und jetzt noch ein Bild von einer viel netteren Warteschlange:

Am Hermon Berg wird gerne gewartet, um etwas im Schnee zu spielen. Foto: Michael Giladi/Flash90

Der Schnee, der in der vergangenen Woche auf dem Hermon Berg gefallen war, zog viele Israelis in den Norden, um das Corona-Chaos wenigstens für eine kurze Zeit zu vergessen. Und nun zum Wetter für heute.

Das Wetter für heute in Israel

Schneespaß auf dem Hermon Berg. Foto: Michael Giladi/Flash90

Auch heute bleibt es heiter bis teilweise bewölkt, allerdings soll es wieder etwas kühler werden. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 13 Grad, Tel Aviv 17 Grad, Haifa 15 Grad, Tiberias am See Genezareth 20 Grad, am Toten Meer 21 Grad, Beersheva 16 Grad, Eilat am Roten Meer 19 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist weiter angestiegen und liegt jetzt bei – 210,695 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 1,895 Meter bis zur oberen Grenze.

Und jetzt wünsche ich Ihnen im Namen aller meiner Kollegen von Israel Heute einen angenehmen Montag. Bleiben Sie gesund, damit wir einige von Ihnen vielleicht schon sehr bald wieder in Jerusalem begrüßen können. Machen Sie es gut.

Schalom aus Modiin!

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