Oberrabbinat gegen den Papst

Der Papst hat erklärt, das Judentum sei eine tote Religion, und das israelische Oberrabbinat weigert sich, das hinzunehmen.

von David Lazarus |
Foto: Flash90

Als der Papst kürzlich in einer Predigt behauptete, dass „die Thora kein Leben geben kann“, wollten die Rabbiner das nicht so stehen lassen. Der Papst, so fordern die Rabbiner, wird nicht bestimmen, was das Judentum kann und was nicht.

Rabbiner Ratzon Arusi, Vorsitzender des Komitees für den interreligiösen Dialog im Namen des Oberrabbinats, sagte gegenüber Ynet, die Rabbiner seien fassungslos gewesen, als sie von Papst Franziskus Predigt erfuhren, dass „das Christentum die Thora ersetzt, die kein Leben geben kann“ und angeblich „die Gebote abgelaufen und bedeutungslos sind“.

Weiß der Papst nicht, welchen zentralen Platz die Mizwot im Judentum einnehmen? Der Kampf zwischen „Werken und Glauben“ tobt, seit der Apostel Paulus seine Briefe verfasst hat, und Jakobus, der Bruder Jesu, vertrat einen kompromisslosen Standpunkt in Bezug auf den wesentlichen Stellenwert der Gebote im Gegensatz zum bloßen Glauben. Nach Jakobus ist der Glaube ohne Werke tot. Wenn ein Papst zu dem Schluss käme, das Halten von Gottes Geboten in der Thora sei überflüssig, wäre das so, als würde der Oberrabbiner sagen, dass Glaube und Gnade eine Verschwendung sind.

Die mangelnde Wertschätzung des Papstes für die Welt des Judentums, in die Paulus, Jakobus und der Herr Jeschua hineingeboren und aufgewachsen sind, signalisiert einen Rückfall in das dunkle Zeitalter der christlich-jüdischen Beziehungen und die Rabbiner haben das nicht akzeptiert.

„Dies ist Teil der verächtlichen Lehren der Kirche gegenüber den Juden und dem Judentum. Ziehen Sie das zurück oder wir brechen die Beziehungen ab“, warnte Rabbiner Arusi. „Die katholische Kirche darf nicht zu den Vorgängern des Antisemitismus gegenüber dem jüdischen Volk zurückkehren.“

Das Oberrabbinat fragt sich nun, was aus der veränderten Haltung der katholischen Kirche geworden ist, die das jüdische Volk als „erstgeborenen Sohn“ anerkennt, aus dem der Messias hervorgegangen ist. Keine tote, überholte Religion.

„In den interreligiösen Dialogen, die wir geführt haben, haben wir stets die Position vertreten, dass die ‚Thora Leben gibt'“, sagte Arusi. „Jetzt plötzlich derartige Aussagen verlauten zu lassen, ist extrem gefährlich. Deshalb fordern wir eine Klarstellung. Alles, was wir aufgebaut haben, sollte dazu dienen, den Antisemitismus aus der katholischen Kirche zu entfernen. Wir können nicht weiter interreligiöse Dialoge mit dem Papst führen, solange es im Zusammenhang mit diesen Aussagen keine Klärung und keinen Rückzug gibt.“

„Wir sind beschämt“, gibt Arusi zu. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Antisemitismus in der Welt sei dies „gefährlich“.

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