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Netanjahu: Wie geht Gott mit der Opposition um?

Während Netanjahu oft als moderner Moses dargestellt wird, wurden seine politischen Gegner Bennet und Saar mit Korach verglichen.

Israeli prime minister Benjamin Netanyahu gives a press conference with Health minister Yuli Edelstein (unseen) at the Prime Minister's office in Jerusalem, on April 20, 2021. Photo by Yonatan Sindel/Flash90 *** Local Caption *** ???? ??? ?????? ?????? ?????? ????? ???????? ???? ???????? ?? ??????? Foto: Yonatan Sindel/Flash90

„Wie ist Gott mit der Opposition von Mose umgegangen?“ Diese Frage hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu vor über einer Woche seinem Gastgeber Arie Deri bei einer Familienfeier in Caesarea gestellt. Zuvor war Netanjahu vergleichender Weise als Israels moderner Mose dargestellt worden. Seinen Gegnern Naftali Bennett und Gidon Saar fiel damit der Vergleich zu Korach und dessen Sippe zu.

Es war Korach aus dem Stamm Levi, der mit 250 Leuten einen Aufstand gegen Mose führte. Er war Moses Opposition im Volk und was Gott mit ihnen machte, beschreibt die Bibel: „Da zerriss die Erde unter ihnen und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie samt ihren Häusern und samt allen Menschen, die bei Korach waren, und mit aller ihrer Habe.“ In diesem Zusammenhang deutete Netanjahu auf Gottes Mitmischen in biblischer Politik. „Es gibt keinen größeren Volksführer wie Mose“, unterstrich Netanjahu vor den Gästen. „Auch wie Gott mit der Opposition im Volk umgeht. Ihr seht, was Gott mit Moses Gegnern angestellt hat.“ Es ist nicht das erste Mal, dass Netanjahu mithilfe der sogenannten „biblischen Akrobatik“ eine Brücke zur Politik schlägt. Neben ihm gibt es noch etliche andere Politiker im Land, die dies tun, denn die Bibel ist für viele ein relevanter Spiegel in die Gegenwart.

„Da zerriss die Erde unter ihnen und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie samt ihren Häusern…“ (Ein Sinkloch am Toten Meer)

Am Samstag unterstützte Benjamin Netanjahu derweil den Aufruf des israelischen Sicherheitsdienstchefs Nadav Argaman, der gefordert hatte, den Hass und die Gewalt in den Diskussionen sofort einzustellen. Dieser kann zu gewalttätigem und illegalem Eifer führen, was Menschenleben gefährden kann. Netanjahu legte den Schwerpunkt der Hetze jedoch auf die Seite linker Aktivisten in den sozialen Netzwerken, die seiner Ansicht nach entweder verharmlost oder gar nicht wie die rechte Hetzpropaganda behandelt werden.

In den Medien wurde Netanjahus biblische Auslegung entweder gelobt oder kritisiert. Es kommt darauf an, wen man fragt. Seine Wähler, Anhänger und Kollegen stimmen Netanjahus Darstellung natürlich zu, seine Gegner nicht. Diese argumentieren, dass er nicht gleichzeitig König David, der Messias und nun auch noch Mose sein könne. Auch wurde seine Interpretation als Hetze gegen seine Gegner Bennett und Saar gesehen: „Was will Netanjahu damit sagen? Dass Bennett und Saar vom Erdboden verschwinden sollen? Wie?“

Genau vor solchen Darstellungen warnt in diesen Tagen Israels Sicherheitsdienst. Die Hetze innerhalb des Volkes müsse dringend aufhören, von beiden Seiten, sowohl links als auch rechts. Was jetzt in den sozialen Netzwerken im Land abläuft, ist einfach unglaublich und brandgefährlich.

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