„Nach den Feiertagen“

Die Feiertage, in denen wir uns momentan befinden, sind immer eine gute Ausrede, Dinge, die erledigt werden müssen, auf „nach den Feiertagen“ zu verschieben.

Tel Aviv am Jom Kippur Foto: Miriam Alster/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Wir befinden uns in einer der bedeutendsten Zeiten des Jahres. Wir haben das jüdische Neujahr gefeiert, am Jom Kippur gefastet und warten jetzt auf die Woche des Laubhüttenfestes, Sukkot. Wir befinden uns in den hier bei uns so geliebten Feiertagen, die beste Zeit des Jahres, in der sich  niemand schämt, eine Pause einzulegen, die täglichen Aufgaben beiseite zu legen. Wenn es nach unserem jüngsten Sohn ginge, der während der ganzen Feiertage Urlaub von seinem Armeedienst hat, könnte es ewig so weitergehen, denn „nach den Feiertagen“ geht das tägliche Leben wieder los, dann gibt es keine Ausreden mehr.

„Nach den Feiertagen“ ist ein Begriff, der von uns allen hier immer sehr gerne benutzt wird, er gibt uns die Legitimation, alle Pflichten und Aufgaben, die wir vor uns haben, während der Feiertage zu vergessen. Ehrlich gesagt, wir haben auch gar keine Zeit für andere Dinge, schließlich sollen die Feiertage auch so gefeiert werden, wie es sich gehört.

Am Donnerstag hatten wir den Jom Kippur, 25 Stunden lang haben wir an diesem Tag gefastet, wie jedes Jahr. In der Zeit, als mein Schwiegervater noch am Leben war, hatte ich die meiste Zeit des Jom Kippurs zusammen mit ihm und meinen Schwägern in der Synagoge verbracht. Zu Hause zu bleiben war einfach keine Option. Zwischen 9 Uhr morgens bis zum Ende des Fastens saßen wir zusammen in der Synagoge. Bis heute habe ich noch die Melodien der verschiedenen Gebete in meinem Kopf. Zwischendurch gab es dann auch immer eine Stunde mit dem Rabbiner, die ich immer sehr gemocht hatte. Dort geht es um alle möglichen Situationen des täglichen Lebens.  Ich kannte den Rabbiner sehr gut, er hatte mich und meine Frau verheiratet und auch die Bar Mitzva unserer beiden Söhne geleitet. Nach dieser kleinen Pause ging es dann weiter mit den Gesängen und Gebeten bis das Ende des Fastens erreicht war. Als wir dann aus der Synagoge kamen, warteten draußen schon meine Frau und meine Schwiegermutter, die uns mit ein paar Borekas und frisch gepresster Limonade empfingen, die soll nach dem langen Fasten besonders bekömmlich sein.

Heute verbringen wir den Jom Kippur zu Hause. Vielleicht hätte ich mir auch hier in Modiin eine Synagoge suchen sollen, in der ich wenigstens zu den Feiertagen gehen könnte, aber irgendwie ist es nicht dazu gekommen. Ich bin nicht das, was man einen religiösen Juden nennt, auch wenn mir das Judentum sehr wichtig ist. Wir begehen jeden Feiertag, zünden am Abend des Schabbats die Kerzen an und fasten am Jom Kippur. Denn meiner Meinung nach ist es das, was das jüdische Volk zusammengehalten hat und zusammen hält. Besonders der Jom Kippur ist ein Tag, der alle Juden zusammenhält, denn auch der größte der sogenannten „Chilonim“, der nicht-religiösen Juden, fastet an diesem Tag.

Jom Kippur, das Fest der Fahrräder.

Der Jom Kippur ist allerdings so eine Art Fest des Fahrrads. An dem Tag sind die leeren Straßen mit Fahrrädern überfüllt, zum größten Teil sind es Kinder, die diesen Tag nutzen, auf den sonst für sie verbotenen Straßen zu fahren. Leider kommt es fast jedes Jahr auch zu ein paar verheerenden Unfällen. So auch dieses Mal, als ein 12-jähriger Junge am Abend des Jom Kippurs von einem wilden Autofahrer überfahren wurde, der dann einfach weitergefahren ist. Schrecklich.

Gleich nach dem Fasten hört man in unsere Nachbarschaft ein eifriges Klopfen mit dem Hammer. Es wird keine Zeit gespart, denn bis morgen Abend muss die Sukka, die Laubhütte, für das Laubhüttenfest bereitstehen. Auch hier sind wir etwas faul, ich gebe es zu. Eine echte Sukka haben wir nie gebaut, was aber auch daran lag, dass wir früher in Jerusalem in einer Wohnung ohne Garten oder Balkon gewohnt hatten. Für die Kinder hatten wir dann oft innerhalb der Wohnung eine kleine Sukka gebaut für die Atmosphäre, aber eine echte Sukka war das natürlich nicht. Und hier in Modiin haben wir ein paar Mal unsere Terrasse so geschlossen, dass sie einer Laubhütte sehr ähnlich war. Vielleicht hätte ich hier etwas fleißiger sein können.

Für eine Sukka ist kein Balkon zu klein, wie hier im orthodoxen Stadtviertel Mea Shearim in Jerusalem.

Morgen Abend beginnt also der nächste Feiertag, und er ist nicht der letzte in deiser Serie von Feiertagen in diesem Monat, in dem deswegen nur sehr wenig gearbeitet wird. In einer Woche haben wir dann noch Simchat Tora, das Fest, an dem die Tora gefeiert wird. An diesem Tag beginnt die wöchentliche Lesung der Tora wieder von vorne. Es ist ein sehr fröhliches Fest, an dem mit den Torarollen auf den Straßen gefeiert wird. Aber darüber ein anderes Mal.

In dieser Woche beginnt der Herbst, aber wenn wir auf das momentane Wetter schauen, beginnt er wohl nur auf dem Papier, denn es bleibt sommerlich warm, nur am Abend ist es vielleicht schon etwas kühler. Das ist doch auch schon mal was.

 

Das Wetter für heute in Israel

Heiter und etwas wärmer als in den letzten Tagen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 29 Grad, Tel Aviv 30 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 36 Grad, am Toten Meer 35 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 37 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist weiter gesunken und liegt jetzt bei – 210,225 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 1,425 Meter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Sonntag. Bleiben Sie gesund.

Schalom aus Modiin!

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