Mein Freund, der uns viel zu früh verlassen hat

von

In Memoriam

Foto: Israel Heute

Bart traf ich vor 16 Jahren zum ersten Mal. Unangemeldet, völlig unvermittelt, stand er vor meinem Schreibtisch in unserer Jerusalemer Redaktion und fragte, ob ich der Chefredakteur sei. „Deine Artikel gefallen mir.“ Ohne Umschweife lud er sich selbst ein. Meist habe ich für Fremde keine Zeit. Bei Bart war es anders. Es sprang sofort ein Funke über. Wir hatten gleich einen Draht zueinander, ob nun Jazz, Gesellschaft, Bibel, Politik, Israel, Kultur, Kinder oder anderes.

Fast jeden Montag kam er vorbei, wenn er auf den Mauern Jerusalems Gottes Verheißungen und Liebe für das Volk Israel proklamiert hatte. Manchmal war er regelrecht durchgeschwitzt. Dann brachte ihm Olga zuerst ein Glas Wasser und einen Espresso. Bart war nicht zu übersehen und nicht zu überhören. Er hatte immer etwas zu sagen. Alle Mitarbeiter liebten ihn, denn er begrüßte alle mit Charme und mit einer Umarmung. Er konnte zuhören, wie es nur wenige können. Oft hat er mich ermutigt, hat nicht selten neue Ideen herausgekitzelt. Es war Bart, der anregte, eine holländische Ausgabe von Israel Heute herauszubringen. Manchmal glaubte er mehr an mich, als ich selbst es vermochte. Mit Bart konnte man über alles reden. Unsere Freundschaft erinnerte mich an David und Jonathan. Unsere Seelen waren wie verbunden, und Bart konnte meine Seele lesen, fühlen und verstehen. Ja, er war meine Nefesch Teuma, meine Zwillingsseele. Er war 17 Jahre älter als ich.

Oft haben Bart und seine Frau Joki den Schabbat und auch jüdische Feste mit uns gefeiert. Sie gehörten zur Familie. Die Kinder liebten Bart, denn er verstand es, mit ihnen auf Augenhöhe zu reden. Er interessierte sich aufrichtig dafür, wie es ihnen in der Armee erging. Er wollte auch unsere Weinberge und Olivenhaine sehen. Also fuhr ich einen Tag mit ihm in die Wüste und zeigte ihm alles.

Vor einem halben Jahr saßen wir in einem Restaurant in Amsterdam – Bart, Joki, Anat und ich. Alles war gut, alle waren gesund. Ein letztes gemeinsames Abendessen hatten wir dann noch im Dezember bei ihm zu Hause in Jerusalem.

Seine letzte WhatsApp kam am 16. Februar, es ging um eine Verabredung für den folgenden Tag, der ein Sonntag war: „Beseder, vielleicht etwas eher. So um 12:30.“ Ich reagierte mit „Halleluja“, darauf Bart: „Preis den Herrn!“ In die Redaktion kam Bart nicht mehr. Zwei Tage später saß ich bei ihm am Bett, im Hadassah-Krankenhaus, kurz vor seinem MRT. Wir sprachen kaum. Genau einen Monat später verließ er uns, blitzartig, so schnell wie er damals auftauchte. Bart war mir wie ein großer Bruder. Schalom, Chaver, mein Freund!

שלום ולהתראות חבר. יהי זכרו ברוך

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