Jüdischer Komiker zum Präsidenten gewählt

Vladimir Zalinski,
EPA-EFE/TATYANA ZENKOVICH

Die Ukraine, einem Land, in dem es viel Antisemitismus gibt, hat jetzt einen jüdischen Premierminister und einen jüdischen Präsidenten!

Hat seine Popularität in der Fernsehkomödien-Serie die Öffentlichkeit davon überzeugen können, dass er sogar im richtigen Leben ein hervorragender Präsident wäre? Oder hat sein pro-westlicher, wirtschaftlicher Sanierungsplan die Wähler animiert? Auf jeden Fall hat die Ukraine gerade einen jüdischen Komiker gewählt, um das Land in eine nicht vorhersehbare Zukunft zu führen.

Vladimir Zalinski, einem berühmten jüdischen Komiker der Ukraine, gelang es, den amtierenden Präsidenten Pietro Poroshenko zu schlagen. Zalinski erlangte laut Umfragen mehr als 70 Prozent der Wählerstimmen.

In seiner äußerst beliebten ukrainischen Fernsehkomödie spielt Zalinski einen armen Schullehrer, dessen spontaner, gegen Politiker und deren Korruption gerichteter Wutausbruch von einem Passanten per Mobiltelefon gefilmt wird und viral geht, und so nationales Aufsehen erregt. Über Nacht wird der bescheidene Schullehrer ein Kandidat für die Präsidentschaft, der die Wahl mit Unterstützung der verärgerten Wähler, die mehr als genug von dem maroden politischen Establishment haben, letztendlich gewinnt.

Nur um das klarzustellen und damit nicht die Realität mit der Fiktion verwechselt wird, gerade hat eine Nation von 44 Millionen Menschen einen jüdischen Komiker gewählt, der im Fernsehen einen fiktiven ukrainischen Präsidenten spielt! Zalinski, der 41-jährige Komödiant, dessen erfolgreiches TV-Programm „Diener des Volkes“ heißt, benutzte den Titel der Comedy-Serie als seinen Wahlspruch! Er hat sogar Aufnahmen von Szenen aus der fiktiven Serie für seine Wahlwerbekampagne verwendet!

Es ist schwer, dieses Phänomen nicht mit der Wahl von Donald Trump zu vergleichen, der seine populäre Show „Der Lehrling“ benutzte, um sich ins Weiße Haus zu begeben. Es stimmt auch mit dem Empfinden der Demokratien weltweit überein, bekannte Persönlichkeiten zu wählen, die bereit sind, die sehr wohl spürbare wahrgenommene Korruption der traditionellen Regierungen aufzumischen.

Wie Donald Trump und auch Benjamin Netanyahu führte Zalinski seine Kampagne in den Bereichen Social Media und öffentliche Auftritte.

Zalinski pflegt enge Beziehungen zu Alex Kuyominsky, einem wohlhabenden jüdischen Philanthropen, der zu einem ausgesprochenen Kritiker des scheidenden ukrainischen Präsidenten Pietro Poroshenko wurde. In seiner Kampagne beschuldigte Poroshenko Zalinski äußerst grob, „eine Marionette des in Israel lebenden Milliardärs“ zu sein.

In einem Land, dessen jüdische Bevölkerung in einigen der grausamsten antisemitischen Pogrome der Welt in den letzten hundert Jahren (von 870.000 auf 17.000 allein im Zweiten Weltkrieg reduziert) dezimiert wurde, ist Vladimir Grossman der jüdische Premierminister, der auf sein Judentum ebenso offen stolz ist wie auf den neuen jüdischen Präsidenten. Mit Spannung wird darauf gewartet zu sehen, wie der fiktive TV-Präsident, der jetzt der eigentliche Führer dieser wichtigen postkommunistischen Nation ist, mit seinem jüdischen Erbe umgehen und seine Unterstützung für Israel zeigen wird.

Der ehemalige Komiker muss sich nun mit einigen sehr ernsten Themen befassen, darunter der Wirtschaftskrise der Ukraine, der aggressiven Übernahme der Krim durch Russland und der zunehmenden Einmischung der russisch-iranisch-türkischen Achse gegen das amerikanisch-israelische Bündnis bezüglich der Nahostkonflikte.

(Foto: EPA-EFE/TATYANA ZENKOVICH)

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