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Israels Wirtschaft trotzt Krieg und Unsicherheit: Inflation fällt, Moody’s sieht Stärke

Israels Inflation ist auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen, während Moody’s der Wirtschaft trotz Krieg, hoher Verteidigungsausgaben und politischer Unsicherheit starke makroökonomische Daten bescheinigt.

Wolkenkratzer Tel Aviv. 26. Mai 2026. Foto: Miriam Alster/FLASH90
Wolkenkratzer Tel Aviv. 26. Mai 2026. Foto: Miriam Alster/FLASH90

Israels Wirtschaft sendet mitten in einer weiterhin angespannten Sicherheitslage ein deutliches Stabilitätssignal. Die Inflation fällt, die Ratingagentur Moody’s sieht keinen unmittelbaren Druck auf Israels Kreditrating, und selbst der Immobilienmarkt zeigt nach Jahren hoher Preise eine spürbare Abkühlung.

Inflation fällt in den Zielbereich der Bank of Israel

Der israelische Verbraucherpreisindex blieb im Juni 2026 unverändert. Damit lag die jährliche Inflation nur noch bei 1,6 Prozent. Im Mai hatte sie noch 1,9 Prozent betragen. Die Inflationsrate befindet sich damit klar innerhalb des Zielkorridors der Bank of Israel, der zwischen 1 und 3 Prozent liegt.

Für israelische Haushalte ist das eine wichtige Nachricht. Nach Jahren steigender Lebenshaltungskosten, teurer Lebensmittel, hoher Mieten und wachsender Unsicherheit bedeutet ein Rückgang der Inflation zwar noch keine echte Entlastung im Alltag, aber er nimmt Druck aus dem System. Preise steigen langsamer, und einige Bereiche wurden im Juni sogar günstiger.

Besonders stark fielen die Preise für frisches Obst und Gemüse mit einem Rückgang von 5,2 Prozent. Kleidung und Schuhe wurden um 2,7 Prozent günstiger. Auch Transportkosten sanken um 0,7 Prozent, Kraftstoff um 3,1 Prozent und Auslandsreisen um 1,6 Prozent. Möbel und Haushaltsausstattung wurden ebenfalls günstiger.

Gleichzeitig gab es Bereiche, in denen die Preise weiter stiegen. Kultur und Unterhaltung verteuerten sich um 1 Prozent, Wohnungsunterhalt um 0,7 Prozent, Gesundheitsdienstleistungen um 0,6 Prozent und Lebensmittel um 0,4 Prozent. Das zeigt: Die Inflation ist deutlich gesunken, aber der Alltag vieler Israelis bleibt teuer.

Israelis kaufen viel, auch bei hoher Inflation. Foto: Yonatan Sindel/Flash90
Israelis kaufen viel, auch bei hoher Inflation. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Auch der Immobilienmarkt zeigt Bewegung. Die Wohnungspreise, die nicht Teil des allgemeinen Verbraucherpreisindex sind, fielen zwischen April und Mai im Durchschnitt um 1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lagen die Preise um 2 Prozent niedriger. Besonders stark fiel der Rückgang in Tel Aviv, wo die Preise nach Angaben von Globes deutlich nachgaben. Auch in Jerusalem gingen die Preise zurück.

Diese Entwicklung ist wirtschaftlich bedeutsam. Der israelische Immobilienmarkt galt über Jahre als einer der größten Belastungsfaktoren für junge Familien und die Mittelschicht. Ein Rückgang der Preise kann Druck vom Markt nehmen, ist aber zugleich ein Zeichen dafür, dass hohe Zinsen, Unsicherheit und Kaufzurückhaltung weiter wirken.

Moody’s erkennt Stärke, warnt aber vor Risiken

Parallel zur sinkenden Inflation veröffentlichte Moody’s seinen halbjährlichen Bericht zur israelischen Wirtschaft. Die internationale Ratingagentur nahm keine Änderung an Israels Kreditrating vor. Das Rating bleibt bei Baa1, der Ausblick bleibt stabil.

Das ist keine Hochstufung, aber in der aktuellen Lage dennoch ein positives Signal. Moody’s sieht derzeit weder unmittelbaren Aufwärts- noch Abwärtsdruck auf Israels Rating. Die Begründung ist zweigeteilt: Auf der einen Seite steht eine Wirtschaft mit starken makroökonomischen Daten. Auf der anderen Seite bleiben die geopolitische Lage, der Krieg, die hohen Verteidigungsausgaben und die bevorstehenden Knesset-Wahlen erhebliche Unsicherheitsfaktoren.

Moody’s hatte Israel im Jahr 2024 erstmals überhaupt herabgestuft. Im September 2024 folgte eine weitere Herabstufung um zwei Stufen. Israels Rating fiel damals von A1 auf Baa1. Die Entscheidung war ein schwerer Schlag für das internationale Vertrauen in die israelische Wirtschaft und spiegelte vor allem die Risiken des Krieges, der politischen Unsicherheit und der steigenden Staatsausgaben wider.

Seitdem hat sich die Lage teilweise stabilisiert. Im Januar 2026 hob Moody’s den Ausblick für Israel von negativ auf stabil an. Auch S&P hatte bereits im November 2025 ein ähnliches Signal gegeben und den Ausblick für Israel verbessert. Für die Märkte bedeutet das: Die Ratingagenturen sehen Israel weiter unter Druck, aber nicht mehr in unmittelbarer Absturzgefahr.

Moody’s nennt mehrere Faktoren, die künftig zu einer Verbesserung führen könnten. Dazu gehören ein weiterer Rückgang geopolitischer Risiken, ein sinkendes Haushaltsdefizit und glaubwürdige Maßnahmen zur Haushaltsdisziplin. Das Defizit war im Juni auf 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gefallen.

Genau hier liegt Israels wirtschaftlicher Kernwiderspruch. Das Land führt seit dem 7. Oktober 2023 einen langen Krieg an mehreren Fronten. Der Verteidigungshaushalt ist hoch, Reservisten fehlen in Unternehmen, Investoren beobachten die politische Entwicklung genau. Trotzdem bleibt die Wirtschaft erstaunlich widerstandsfähig.

Der Rückgang der Inflation, die Stabilisierung des Ratings und die Abkühlung des Immobilienmarkts zeigen, dass Israel wirtschaftlich nicht in eine klassische Kriegskrise gerutscht ist. Das Land zahlt einen hohen Preis, aber seine makroökonomische Basis bleibt stark.

Für die Regierung ist das eine gute Nachricht, aber kein Freibrief. Moody’s wartet ab. Die Märkte warten ab. Und auch die israelischen Bürger warten darauf, ob sinkende Inflation irgendwann wirklich im Supermarkt, bei der Miete und auf dem Konto spürbar wird.

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Patrick Callahan

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