Israel kannte Gott nicht und Pharao kannte Israel nicht

Menschen können Gott vergessen, aber Gott vergisst sein Volk nicht. In diesen Tagen erinnern sich die Menschen daran, wie Gott sie zu einem Volk zusammengeführt hat.

von Aviel Schneider | | Themen: Israel, Laubhüttenfest
Volk
Menschen beten um Vergebung (Slichot) an der Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem am frühen Morgen des 24. September 2023, dem Vorabend des Versöhnungstages Jom Kippur. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

„Plötzlich steht ein Mensch am Morgen auf und fühlt, dass er ein Volk ist, und beginnt zu gehen. Und er grüßt alle, denen er auf seinem Weg begegnet“.

Diese Strophe eines hebräischen Liedes erinnert mich immer wieder an den spirituellen Gedanken des biblischen Laubhüttenfestes Sukkot. Israel wurde als Mensch geboren und zu einem Volk geformt. Das erste Buch Mose – Bereschit – endet mit siebzig Personen in der Familie Jakobs, die nach Ägypten auswandert. Keine große Zahl, nachdem Gott den drei Erzvätern ein Volk nach der Zahl der Sterne am Himmel verheißen hatte. Jedes Mal, wenn ich zum Himmel schaue, erinnere ich mich an den Ruf Gottes an Abraham, als er ihn in die Wüste führte:

„Sieh doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: „So soll dein Same sein!“ (1.Mose 15,5)

Und dann verlässt die ganze Familie das gelobte Land. Was mag sich Jakob dabei gedacht haben? Das zweite Buch Mose – Schemot – beginnt mit einem Volk von 600.000 Menschen.

Hier das oben erwähnte Lied „Shir BaBoker BaBoker“ (Lied am Morgen am Morgen), gesungen von Shlomo Artzi:

Das Volk Israel war Sklave in Ägypten und hat sich selbst als Volk vergessen. Woher weiß ich das? Sie vergaßen ihren Gott, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Am brennenden Busch in der Wüste fleht Mose Gott um Hilfe an: „Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und zu ihnen spreche: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, so werden sie mich fragen: Wie ist sein Name? Was soll ich ihnen antworten?“ Wenn die Kinder Israel den Namen ihres Gottes vergessen hatten, was verband sie dann noch als hebräisches Volk im Exil? Zweihundert Jahre, vielleicht mehr, sind vergangen, und „der neue Pharao von Ägypten wusste nichts von Josef“, aber gleichzeitig „wusste die neue Generation der Israeliten nichts von Gott“. Das Vergessen hat damals viel Unheil angerichtet, aber es ist auch heute in unserem Leben nicht anders. Vergessen wir Gott nicht auch manchmal? Müssen auch wir nicht von Zeit zu Zeit daran erinnert werden, wer unser Gott und Erlöser ist?

Der biblische Exodus durch die Wüste hat Israel als Volk geformt. Ein Prozess, den der Mensch durchlaufen muss, um seine Identität zu verstehen. Die Kinder Israels, damals Sklaven, verloren ihre Identität, weil sie die Identität ihres Gottes verloren hatten. „Ich bin, der ich bin“, war die Antwort Gottes auf die Frage Mose, aber darunter kann man viel verstehen und sich auch viel vormachen. Erst nach vierzig Jahren in der Wüste begriff das Volk langsam wieder den Inhalt von „Ich bin, der ich bin! Gott hat sein Volk in einem Prozess durch die Wüste hindurch korrigiert. Gott stellte sich seinem Volk neu vor, indem er sich materiell und geistlich um das Volk kümmerte. Unterwegs formierte sich das Volk zu einer Nation, und am Berg Sinai gab Gott seinem Volk die Verfassung, die Tora.

Foto: Chen Leopold/Flash90 

Das Erscheinen von Wolken und Feuer vor dem Volk Israel war eine geistige Hilfe Gottes. Wolken werden in der Bibel oft im Zusammenhang mit der Erscheinung geistiger Wesen erklärt. Der Allmächtige erschien in einer Wolke, um die Israeliten durch die Wüste in das gelobte Land zu führen, und auf dem Berg Sinai. Später wurde auch Jesus von einer Wolke aufgenommen, als er in den Himmel aufstieg. Auf der materiellen Ebene half Gott seinem Volk mit den Laubhütten (Sukkot) in der Wüste. „Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen, alle Söhne des Landes Israel sollen in Laubhütten wohnen, damit eure Nachkommen wissen, wie ich, der Herr, euer Gott, die Kinder Israel in Hütten wohnen ließ, als ich sie aus Ägypten führte.

Laubhütten (Sukkot) in Jerusalem. Foto von Chaim Goldberg/ FLASH90

Diese Erfahrungen sind Teil der Erinnerung an den Auszug aus Ägypten und die dabei geschehenen Wunder als Grundlage des Glaubens an die Fürsorge Gottes für Israel durch die Geschichte bis heute. Oft ein notwendiger Prozess, um eine neue Beziehung zwischen Gott und Mensch herzustellen.

Wie vielen Völkern und Menschen ist das Volk Israel im Laufe seiner Geschichte begegnet. Allen hat Israel die Botschaft Gottes gebracht, aber nicht jeder Gruß wurde von den anderen Völkern herzlich aufgenommen. Über Jahrtausende hat das Volk Israel den Gott Israels in der Welt bekannt gemacht und dafür oft gelitten. In diesen Tagen erinnern sich die Menschen daran, wie Gott sie zu einem Volk zusammengeführt hat, zu einem Volk, das in dieser Zeit zerstritten ist, sich aber eines Tages wieder versöhnen wird. Menschen können Gott vergessen, aber Gott vergisst sein Volk nicht. Unser ganzes Leben ist wie der biblische Exodus der Kinder Israels, mit all seinen Etappen und Stationen auf dem Weg zum Gelobten Land, zur messianischen Erlösung. So wünsche ich uns im Land, aber auch allen Lesern viel Kraft und Weisheit, den Weg mit Gott nie aufzugeben – auch wenn es manchmal kompliziert wird.

Chag Sameach!

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2 Antworten zu “Israel kannte Gott nicht und Pharao kannte Israel nicht”

  1. Hans-Jürgen Rieth sagt:

    Israel kannte Gott nicht? Aber heute ist das ja anders! Israel kennt den Namen seines Gottes JHWH, aber: Kennt Israel diesen Gott?
    Über Gott reden, seinen Namen anrufen bedeutet keineswegs Gott zu kennen!
    Gott kennen heißt: Einen Dialog mit ihm zu haben; Fragen stellen, Antworten bekommen.
    In die Bibel schauen und sagen: Gott hat gesagt, es steht geschrieben… das ist Wissen und kein Dialog!
    Im Alten Testament hatte man Propheten, die diesen Dialog mit ihrem Gott JHWH hatten.
    Irgendwo steht im AT: ‚Fragt mich (JHWH) und ich werde euch antworten‘.
    Kann mir jemanden einen einzigen heutigen Propheten in Israel nennen? Und wenn ja: Sind seine Dialoge mit JHWH einzusehen? Für jeden?

  2. Patricia Schekahn sagt:

    Schalom ,
    „Menschen können Gott vergessen, aber Gott vergisst sein Volk nicht“!
    „Unser ganzes Leben ist wie der biblische Exodus der Kinder Israels, mit all seinen Etappen und Stationen auf dem Weg zum Gelobten Land, zur messianischen Erlösung“.
    Ein tröstlicher, ermutigender Artikel und erinnert mich an Yeshuas-Jesu Worte, dass wir nie die Hoffnung verlieren sollen und beharrlich im Gebet bleiben b i s zum E n d e. Er wusste warum er uns Worte des Erinnerns, Ermahnens und Trostes mit auf diesen langen Weg gab!
    Herzlichen Dank und liebe Grüße nach Jerusalem
    Chag Sameach!

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