Israel in der Warteschlange

Die Coronakrise hat uns Israelis endlich beigebracht, zu warten. Das tägliche Warten in einer Schlange zum Coronatest ist hier im Land zur Routine geworden.

| Themen: Guten Morgen
Israelis warten auf einen Test in Tel Aviv. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Immer, wenn ich auf Besuch bei meiner Schwester in England war, fiel mir die Art und Weise auf, wie die Engländer geduldig in einer Warteschlange stehen. Ganz egal, worauf sie warten, es wird immer in einer geordneten Reihe gewartet, ohne Gedrängel und ohne Diskussionen. So etwas kann es bei uns nicht geben, dachte ich mir immer, mit einem gewissen Neid. Bei uns in Israel hatte ich diese geordnete und ruhige Art des Wartens nicht gekannt. Hier galt eigentlich immer die durch Charles Darwin bekanntgewordene Regel „Nur der Stärkste überlebt“. Als ich noch „neu“ im Land war, musste ich lernen, mich anzupassen. Ich lernte, auf mein Recht zu bestehen, und jeden Versuch  des Drängelns zu verhindern. Auch im Straßenverkehr ist es leider so. Wenn ich warten würde, bis mich ein Autofahrer in die Straße abbiegen lässt, würde ich wohl heute noch darauf warten. Hier in Israel muss man sich durchsetzen, man darf keine Schwäche zeigen.

Aber dann kam Corona und damit auch das Warten, getestet zu werden. Besonders jetzt, wo die  Omikron-Variante das Steuer in die Hand genommen hat, fällt mir auf, dass wir Israelis vielleicht gelernt haben, in einer Warteschlange zu stehen. Überall im Land wird jetzt gewartet, da wir immer mehr von Omikron beeinflusst werden. Besonders Familien mit Schulkindern finden sich fast jede Woche vor einer Teststation. Im Fernsehen wurden die zum Teil irren Warteschlangen gezeigt. Wartezeiten von zwei Stunden und mehr sind keine Seltenheit. Das sollte auch meine Familie zu spüren bekommen.

Ein ganzes Land in der Warteschlange

Gestern früh bekam unsere Tochter eine E-Mail von ihrer Hochschule, in der berichtet wurde, dass sich in ihrer Klasse eine mit Corona infizierte Studentin befunden hatte. Sie bekam die Anweisung, zunächst einen Antigen-Schnelltest zu machen, bevor sie die Hochschule betreten kann. So fuhr ich statt zum Bahnhof zur nächstgelegenen Drogerie und kaufte eine Packung mit Antigentests. Gleich im Auto machte ich dann bei meiner Tochter den Test. Und dann erschienen zwei Linien. So ein Mist, war mein erster Gedanke. Unserer Tochter ging es gut, sie war nur leicht erkältet. Aber der positive Antigentest zwang uns nun, auch einen PCR-Test zu machen, um sicher zu sein, ob sie sich angesteckt hat oder nicht. Ich rief auch meinen Sohn an, der bereits auf dem Weg zu seiner Basis war. Sein Befehlshaber ordnete an, dass er wieder nach Hause fahren  und ebenfalls einen PCR-Test machen sollte.

Die Autoschlange zum Test Drive-in. Foto: Dov Eilon

So befanden wir uns mittags in einer enorm langen Warteschlange in unserem örtlichen Testzentrum. Es war ein Drive-in, der auf einem großen Parkplatz eingerichtet worden war. Die Autoschlange war so lang, dass wir nicht einmal die Einfahrt zur Testanlage sehen konnten. Insgesamt warteten wir etwas mehr als 2 Stunden. Alle warteten in einer beeindruckenden Ruhe. Denn wir sind jetzt alle im gleichen Boot.

Und jetzt hoffe ich, dass wir dieses nervende Virus und die auf uns zurollende Omikron-Welle gut überstehen werden und dass wir außer dem ordentlichen Warten bis zum Ende der Coronakrise noch weitere Dinge lernen werden. Unsere Regierung scheint verstanden zu haben, dass die Ausbreitung von Omikron nicht verhindert werden kann. Und daher werden wohl auch bald wieder Touristen das Land besuchen können. Hilft uns Omikron, endlich aus der Coronakrise zu kommen? Und jetzt noch eben das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bedeckt mit vereinzelten Regenschauern in den Morgenstunden, besonders im Zentrum und Süden des Landes. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 12 Grad, Tel Aviv 19 Grad, Haifa 16 Grad, Tiberias am See Genezareth 19 Grad, am Toten Meer 20 Grad, Beersheva 17 Grad, Eilat am Roten Meer 20 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist weiter angestiegen und liegt jetzt bei – 210,715 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 1,915 Meter bis zur oberen Grenze.

Und jetzt wünsche ich Ihnen im Namen aller meiner Kollegen von Israel Heute einen angenehmen Montag. Bleiben Sie gesund, damit wir Sie vielleicht schon bald wieder hier bei uns in Israel begrüßen können.

 

Schalom aus Modiin!

 

 

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