Israel Heute Morgen – Parade und Erinnerung

Heute findet in Jerusalem die jährliche „Jerusalem Pride Parade“ statt. Dabei wird auch an die vor drei Jahren von einem ultra-orthodoxen Juden ermordeten Shira Banki erinnert, die auf der damaligen Parade mitgelaufen war. Das Wetter: Leichter Regen im August.

von | | Themen: Guten Morgen

Guten Morgen liebe Leser!

Was für ein eigenartiges Wetter. Als ich heute früh mit dem Auto nach Jerusalem fuhr, sah es so aus, als hätten wir schon Herbst. Der Himmel war einfach nur grau und es sah so aus, als würde es in wenigen Augenblicken beginnen zu regnen. Hier in Jerusalem wurde ich von einer kühlen Brise begrüsst, es waren gerade Mal 19 Grad, ganz und gar nicht typisch für den Monat August. Aber mir soll es recht sein. Und wenn es heute wirklich etwas regnen sollte, dann wäre ich mehr als glücklich darüber.

Und hier nun das Wetter für heute in Israel:

Teilweise bewölkt mit einem leichten Rückgang der Temperaturen. Im Norden und Zentrum des Landes kann es zu vereinzelten leichten Regenschauern kommen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 27 Grad, Tel Aviv 29 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 36 Grad, am Toten Meer 37 Grad, Beersheva 32 Grad, Eilat am Roten Meer 37 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um zwei Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -213.95 m unter dem Meeresspiegel.

In den letzten zwei Tagen habe ich ausgiebig über das Nationalitätsgesetz geschrieben, das Thema hat die Nachrichten hier bei uns beherrscht. Auch Sie, liebe Leser, haben eifrig darüber diskutiert. Bei diesen Diskussionen kann man leider auch sehen, wie schwer es anscheinend ist, bei diesen Thema sachlich zu bleiben und die Meinung eines Anderen zu akzeptieren. Auch scheinen einige der Leser nicht mit der Beschwerde der Drusen einverstanden zu sein. Dazu möchte ich nur noch sagen, dass die Drusen wie auch die arabischen Bürger unseres Landes ein Teil des Staates Israel sind. Und ich kann verstehen, dass sie sich nach dem neuen Gesetz ausgegrenzt fühlen, übergangen. Israel ist ein jüdisches Land, aber hier leben auch nichtjüdische Bürger, und es ist ihr gutes Recht, in diesem Gesetz berücksichtigt zu werden. Ich sagte schon, dass das Gesetz keinerlei Auswirkungen auf den jetzigen Status der in Israel lebenden Minderheiten hat und auch der Status der arabischen Sprache nicht angetastet werden wird. Aber man hätte all das im Gesetzestext erwähnen sollen. Auch Drusen, Christen und Araber sind Teil des Staates Israel, ob es einigen nun gefällt oder nicht. Wir alle leben hier zusammen, und das funktioniert eigentlich ganz gut. Wir können uns nicht leisten, durch ein Gesetz gespalten zu werden. So hoffe ich sehr, das bald wieder Ruhe einkehren wird und wir uns mit den wirklichen Problemen befassen können.

Heute werden sich die Jerusalemer wieder auf Straßensperrungen vorbereiten müssen. Ab 14 Uhr Ortszeit werden viele Straßen im Zentrum der Stadt gesperrt werden. Heute findet hier die jährliche „Jerusalem Pride Parade“ statt. Diesmal werden besonders viele Teilnehmer erwartet. Man spricht von um die 30.000 Menschen, die heute durch die Straßen Jerusalems laufen werden. Die Parade wird in diesem Jahr auch eine Demonstration gegen das kürzlich verabschiedete Gesetz bezüglich der Leihmutterschaft sein, wonach es nur Frauen erlaubt ist, ein Kind durch die Leihmutterschaft zu bekommen.

Schon seit gestern hängen die Fahnen der LGBT-Gemeinschaft in den Straßen der Stadt, wie hier vor der Großen Synagoge von Jerusalem (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)

Das Austragen dieser Parade in einer Stadt wie in Jerusalem war und wird wohl immer problematisch sein. Ich verstehe, dass die Homosexualität für viele Menschen nicht mit ihrer Religion zu vereinbaren ist. Aber nicht jeder Mensch ist religiös. Ich weiss, ich befinde mich hier auf einem heißen Pflaster. Auch unter unseren Lesern gibt es viele kritische Stimmen gegen diese Parade und gegen die LGBT-Gemeinschaft.

Vor drei Jahren wurde während der Parade hier in Jerusalem die erst 16-jährige Shira Banki von einem ultraorthodoxen Juden erstochen. Bei dem Mörder handelte es sich um Yishai Schlissel, der erst kurz vorher nach einer zehnjährigen Haftstrafe wegen einer ähnlichen Attacke während der Parade von 2005 aus dem Gefängnis entlassen wurden war. Sein Hass auf die homosexuellen Menschen war so groß, das er erneut die Teilnehmer der Parade attackierte. Dabei wurden weitere 5 Menschen verletzt. Seit diesem Vorfall wird bei jeder Parade in Jerusalem auch an Shira Banki gedacht. Ich hoffe, dass heute alles ruhig verlaufen wird. Sehr viele Polizisten werden sich heute für einen sicheren Ablauf der Veranstaltung bemühen.

Und nun wünsche Ihnen einen wunderbaren und vor allem friedlichen Donnerstag. Ob es heute wirklich etwas regnen wird? Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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