Auch nach Inkrafttreten der Waffenruhe im Libanon bleibt die Lage im Norden Israels angespannt. Wie die israelische Armee mitteilte, kam es seit Beginn der zehntägigen Feuerpause in der Nacht zum 16. April mehrfach zu Einsätzen gegen Terroristen im Südlibanon. Nach Angaben des Militärs handelte es sich dabei um Maßnahmen zur Selbstverteidigung gegen unmittelbare Bedrohungen.
Demnach identifizierten israelische Soldaten südlich der sogenannten „Gelben Linie“ wiederholt bewaffnete Personen, die diese von Norden her in Richtung israelischer Stellungen überquerten und damit eine unmittelbare Bedrohung darstellten. Die Armee reagierte nach eigenen Angaben mit dem Einsatz von Bodentruppen, Artillerie und auch der Luftwaffe. In einem konkreten Fall wurde ein Ziel – ein Tunneleingang – aus der Luft angegriffen, nachdem dort Terroristen der Hisbollah identifiziert worden waren; ein Treffer wurde bestätigt.
Parallel dazu griff die Armee auch Infrastruktur an, von der aus zuvor Angriffe auf Israel ausgegangen sein sollen. Die Einsätze erfolgten laut Militär im Einklang mit den Vorgaben der politischen Führung.
„Die israelische Armee ist befugt, alle notwendigen Schritte zur Selbstverteidigung zu ergreifen“, erklärte die Militärsprecher-Einheit. Maßnahmen zur Abwehr unmittelbarer Bedrohungen seien ausdrücklich nicht durch die Waffenruhe eingeschränkt. Ziel bleibe es, sowohl die Sicherheit der Zivilbevölkerung als auch die der eingesetzten Soldaten zu gewährleisten.
Die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon trat in der Nacht zum 16. April in Kraft und beendete vorerst die direkte militärische Konfrontation im Norden. Sie folgte auf eine zuvor von den Vereinigten Staaten vermittelte Feuerpause im Konflikt mit dem Iran.
Allerdings ist die Vereinbarung klar begrenzt: Israel verpflichtet sich, keine offensiven Angriffe auf libanesischem Gebiet zu initiieren, behält sich jedoch ausdrücklich das Recht vor, auf geplante oder laufende Angriffe zu reagieren. Diese Auslegung wurde auch von amerikanischer Seite bestätigt.
US-Präsident Donald Trump erklärte zudem, dass die Waffenruhe mit dem Iran nicht auf den Libanon übertragbar sei. Washington werde die Situation im Libanon gesondert behandeln und sich dabei insbesondere mit der Rolle der Hisbollah befassen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu deutete unterdessen an, dass sich trotz der militärischen Spannungen auch eine diplomatische Perspektive eröffnen könnte. Ein möglicher Durchbruch in den Gesprächen mit dem Libanon könne langfristig zu einem Friedensabkommen führen – allerdings unter der Voraussetzung, dass die Hisbollah entwaffnet wird.
Lebanese President Joseph Aoun says in a televised address that the direct talks with Israel are not „weakness.“ pic.twitter.com/PtIy0qSn7B
— Al Arabiya English (@AlArabiya_Eng) April 17, 2026
Auch der libanesische Präsident Joseph Aoun betonte, dass der direkte Dialog mit Israel, der erstmals seit Jahrzehnten auf dieser Ebene geführt wird, kein Zeichen von Schwäche sei, sondern im Interesse des Landes liege.




