Holocaust-Geschichte in Rumänien

Studien zur Geschichte des Holocausts und zur jüdischen Geschichte werden jetzt in rumänischen Gymnasien unterrichtet

von Yossi Aloni | | Themen: Holocaust
Foto: Yaakov Naumi/Flash90

Das jüdische Leben in Rumänien war über die Jahrhunderte hinweg kompliziert und manchmal sehr schmerzhaft, da es von Antisemitismus, Pogromen und der rumänischen Beteiligung an der „Endlösung“ des Holocaust für die rumänischen Juden geprägt war. Daher ist es ein historischer Durchbruch, dass das rumänische Parlament diese Woche beschlossen hat, das Studium der Geschichte des Holocausts und des jüdischen Volkes in allen weiterführenden Schulen in Rumänien vorzuschreiben. Der Lehrplan wird vom rumänischen Bildungsministerium in Zusammenarbeit mit dem Museum Yad Vashem, rumänischen und amerikanischen nationalen Forschungsinstituten für Holocaust-Studien und anderen Partnern entwickelt.

Der Gesetzentwurf zur Einführung der Geschichte des Holocausts und des jüdischen Volkes in das rumänische Bildungssystem wurde am Wochenende im rumänischen Parlament verabschiedet. Der Vorschlag wurde von jüdischen und deutschen Vertretern im Parlament eingebracht: Die Abgeordneten Silvio Wexler und Ovidio Ganz. Der Vorschlag wurde von wichtigen Parteiführern wie dem Abgeordneten Marcel Czulaco von der Sozialdemokratischen Partei und Senator Surin Chimpano von der Nationalliberalen Partei sowie von anderen prominenten Vertretern der rumänischen Politik unterstützt.

An dem begrüßenswerten Projekt werden zahlreiche Stellen aus der rumänischen Regierung und von außerhalb beteiligt sein, darunter Vertreter der Präsidialverwaltung, des Außenministeriums, des Kulturministeriums, der Abteilung für interethnische Angelegenheiten, des Sekretariats für religiöse Angelegenheiten, des Verbands der jüdischen Gemeinden in Rumänien, der Holocaust Remembrance Association, des Holocaust Memorial Museum der USA, des Holocaust-Museums in Frankreich, von Yad Vashem – der Behörde für die Erinnerung an die Märtyrer und Helden des Holocaust, des American Jewish Committee und von B’nei Brith International. Sie alle werden eingeladen, sich an der Entwicklung und Umsetzung zu beteiligen.

Alter jüdischer Friedhof in Sighetu Marmației, Rumänien, nahe der Grenze zur Ukraine.

Der vom rumänischen Parlament verabschiedete Gesetzentwurf sieht auch die Verleihung eines rumänischen Preises zur nationalen Anerkennung vor, der nach Konstantin Kardja benannt ist. Kardja war ein schwedisch-rumänischer Diplomat und rechtschaffener Heide, der während des Holocausts Tausende von Juden rettete. Der Preis wird an Personen verliehen, die Außergewöhnliches für das Gedenken an die Opfer des Holocaustes und im Kampf gegen den Antisemitismus geleistet haben, dazu an Bildungs- und Forschungsprogramme zur Entwicklung der Holocaust-Forschung in Rumänien und zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in Rumänien.

In jüngster Zeit hat das rumänische Parlament eine Reihe von Gesetzesvorlagen privater Abgeordneter verabschiedet, darunter:

  • Ausweitung der finanziellen Unterstützung für Holocaust-Überlebende in Rumänien,
  • die Einrichtung eines nationalen Museums für jüdische Geschichte und Holocaust-Gedenken in Rumänien und
  • die Anerkennung antisemitischer Handlungen als Straftatbestand, der mit einer Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 10 Jahren geahndet wird.

Darüber hinaus wurde ein Gesetzentwurf verabschiedet, der die Aufhebung der eingeschränkten Klassifizierung des Staatsarchivs für den Zeitraum 1938-1989 in Bezug auf die Behandlung der jüdischen Gemeinden in Rumänien vorsieht.

Der Präsident der Konferenz der europäischen Rabbiner und Oberrabbiner von Moskau, Rabbiner Pinchas Goldschmidt, erklärte: „Ich gratuliere dem rumänischen Parlament zu seiner Entscheidung, den Holocaust und die jüdische Geschichte in das Bildungssystem aufzunehmen. Dies ist ein wichtiger Schritt gegen diejenigen, die versuchen, die Erinnerung an den Holocaust zu leugnen und die Geschichte zu verdrehen. Das Bildungssystem ist ein wirksames Instrument im Kampf gegen den wachsenden Antisemitismus in Europa und hilft uns, eine tolerantere und integrativere europäische Gesellschaft für alle Religionen aufzubauen.“

Der rumänische Abgeordnete Silvio Wexler begrüßte die Entscheidung mit den Worten: „Dies ist ein historischer Moment, nicht nur für die Bewahrung des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, sondern auch für Rumänien als Ganzes. Wir legen den Grundstein für unsere gemeinsame Zukunft, einen modernen Rahmen, in dem junge Menschen lernen und verstehen können, was in der Vergangenheit geschehen ist, und der als zentraler Bestandteil ihrer Ausbildung als Bürger dienen soll. Bildung und Eingliederung sind unsere besten Instrumente zur Förderung von Demokratie und Freiheit sowie zur Bekämpfung von Antisemitismus, Intoleranz und Extremismus. Dieses Gesetz hat auch eine symbolische Bedeutung für die Bewahrung der Geschichte und Identität der rumänischen Juden. Es ist eine moralische Verpflichtung, die Ungerechtigkeiten der diktatorischen Regime, die während des Holocausts in Rumänien herrschten, zu korrigieren, und es ist ein öffentlicher Tribut, der das Leiden der Menschen, die die dunkelsten Momente durchlebten, anerkennen soll. „

Anmerkungen der Redaktion:

Nach dem Holocaust kamen etwa dreihunderttausend der überlebenden rumänischen Juden nach Israel. Sie bildeten damit eine der größten Einwanderungsgruppen in den jungen Staat.

Ein weiteres ermutigendes Zeichen stellt der kürzlich erfolgte Bau einer der größten neuen Synagogen in Osteuropa in der rumänischen Stadt Sighetu Marmatiei dar. An der Einweihung nahmen Hunderte von orthodoxen Juden aus Europa und Nordamerika teil. Ein Mitglied von Israel Heute in Rumänien namens Ioan C. hat uns darauf hingewiesen. Er berichtete, dass dies eine Top-Story in den rumänischen Zeitungen war.

Von Israel Heute nach seiner persönlichen Sicht befragt, sagte uns Ioan C. folgendes:

„Die meisten Menschen in Rumänien lieben die Juden. In vielen Städten gab es große jüdische Gemeinden. Damals, 1950, hielt meine Mutter zwei jüdische Familien am Leben, die gerade Alijah machen wollten. Ihr gesamtes Hab und Gut war beschlagnahmt worden, und sie hatten kein Geld zum Überleben. Meine Mutter schickte mich täglich mit Lebensmitteldosen zu ihnen. Ich erinnere mich an den Namen der einen Familie – Klainberg, sie hatten zwei Töchter. Seitdem ist die Liebe zu den Juden in meine Seele eingedrungen.“

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