Hat es die Pessach-Plagen wirklich gegeben? Israelischer Experte meldet sich zu Wort

Wissenschaftler haben lange versucht, die wundersamen Aspekte der Bibel wegzuerklären, aber ein israelischer Professor sagt, dass sie sich geirrt haben.

von Israel Heute Redaktion | | Themen: Bibel, Pessach
Lassen sich die in der Bibel aufgezeichneten wundersamen Ereignisse durch die Wissenschaft erklären? Und muss man das wirklich tun? Foto: David Cohen/Flash90

Am Pessach-Abend letzten Freitag haben wir die Haggada gelesen. Einer der Höhepunkte ist, dass jeder zehnmal seine Finger in ein Glas Wein taucht, um der zehn Plagen zu gedenken, die Gott über Ägypten gebracht hatte.

In einer Welt, die dem Göttlichen zunehmend skeptisch gegenübersteht, versuchen Experten seit langem, die wundersamen Aspekte der Bibel als gewöhnliche Naturereignisse, wenn nicht gar als Märchen, zu erklären.

Die religiöseren unter ihnen weisen darauf hin, dass die größeren Wunder Gottes in der Regel auf natürliche Phänomene zurückgehen. Selbst wenn also wissenschaftliche Erklärungen gefunden werden können, besteht das Wunder darin, dass Gott seine Schöpfung genau dann und so manipuliert hat, wie er es brauchte, um seinen Willen zu erfüllen.

Seiehe dazu: Die Bedeutung von Pessach in unserer heutigen Gesellschaft

Themen wie diese sorgen in Israel nach wie vor für Debatten und Diskussionen, wie schon vor 3.000 Jahren. So sehr, dass sogar die Mainstream-Medien des jüdischen Staates regelmäßig über solche Geschichten berichten.

Diese Woche sprach das große Online-Nachrichtenportal N12 mit einem israelischen Experten, um seine Meinung zu den Theorien zu erfahren, die andere Wissenschaftler zu den Ursachen der Plagen aufgestellt haben, die das mächtige Ägypten zu Fall brachten und den Auszug der Kinder Israels ermöglichten.

Heuschreckenschwarm im Süden Israels, nicht unähnlich dem Schwarm, der zur Zeit des Exodus die Landwirtschaft im alten Ägypten zerstörte. Foto: Flash90

Vulkanisches Ereignis

Um 1600 v. Chr. kam es beim Vulkan Santorin im östlichen Mittelmeerraum zu einem großen Ausbruch. Diese Tatsache ist allgemein bekannt und wird von israelischen Forschern intensiv untersucht.

Der Ausbruch fiel genau in die Zeit des Exodus, und viele dieser Forscher sind der Meinung, dass er sich auf die Ereignisse in Ägypten ausgewirkt haben muss.

Der italienische Molekularbiologe Siro Trevisanato, Autor von The Plagues of Egypt: Archaeology, History and Science Look at the Bible (Die Plagen Ägyptens: Archäologie, Geschichte und Wissenschaft betrachten die Bibel), geht sogar noch weiter und behauptet, dass der Ausbruch von Santorin die meisten, wenn nicht sogar alle biblischen Plagen erklären könne.

Trevisanato erklärt, dass die Winde die Vulkanasche über das östliche Mittelmeer bis in die Region des Nildeltas getragen hätten. Auch dies wurde von israelischen Forschern bestätigt. Auf weiter südlich gelegenen Inseln sowie entlang der östlichen Mittelmeerküste wurden Ascheschichten gefunden, die auf die Zeit des Santorin-Ausbruchs zurückgehen.

In dieser Vulkanasche sei das Mineral Zinnober enthalten gewesen, das einen Fluss blutrot färben kann, so Trevisanato.

Die Folgen der Aschewolke hätten in Ägypten verheerende Auswirkungen gehabt.

Saurer Regen hätte Hautwunden (Furunkel) verursacht und das Gras verseucht, was zu einem Massensterben des Viehs geführt hätte. Frösche hätten den immer saurer werdenden Nil auf der Suche nach frischem Wasser verlassen. Und das Fehlen der Frösche hätte eine Explosion der Insektenpopulationen begünstigt, die durch die zunehmende Luftfeuchtigkeit weiter angefacht worden wäre.

Und was die Plage der Finsternis betrifft, so hätte die Aschewolke, wenn sie dicht genug war, eine tiefe und lähmende Finsternis verursacht, wie die Bibel erklärt (Exodus 10:21-23)

Trevisanato behauptet, dass erhaltene altägyptische medizinische Aufzeichnungen aus dieser Zeit belegen, dass all dies etwa zur gleichen Zeit geschah.

 

Ist das wichtig?

Weitere ähnliche Theorien führen Rotalgen als Ursache für die Rotfärbung des Nils und die anschließende Zerstörung der örtlichen Ökologie an. Einige spielen sogar auf modernere Bedenken an, indem sie den Klimawandel dafür verantwortlich machen.

Aber ist das wirklich wichtig? Wird die biblische Botschaft in irgendeiner Weise widerlegt, wenn sich wissenschaftliche Erklärungen für die Ereignisse in Ägypten finden lassen?

Prof. Yuval Gadot, Leiter der Abteilung für Judentum und Archäologie an der Universität Tel Aviv, verneint diese Frage.

„Ich betrachte diese Ereignisse nicht unbedingt als historisch“, so Prof. Gadot gegenüber N12. Die Bedeutung der in der Bibel beschriebenen Ereignisse liege nicht darin, ob sie wirklich stattgefunden haben, sondern vielmehr darin, welchen Einfluss sie auf das „kollektive Gedächtnis des Volkes Israel“ gehabt haben.

Er betonte, dass der Versuch, biblische Geschichten in anerkannte wissenschaftliche Modelle einzupassen, am Thema vorbeigehe.

„Es hat immer Pandemien, Erdbeben und eine Vielzahl von Naturereignissen gegeben, so wie es auch heute noch der Fall ist“, stellte er fest. „Diese Naturereignisse können sich auf die Geschichte ausgewirkt haben oder auch nicht. Unabhängig davon bleibt die Bedeutung der Geschichte so fesselnd wie eh und je.“

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